Steindetail: die Handläufe aus Travertin im umgebauten Manhattan Center in Brüssel

Handlauf in Travertin im Manhattan Center in Brüssel.

Besondere Anforderungen ergaben sich, weil die Treppe ein wichtiger Fluchtweg ist / Das Anfassen des Steins ist angenehm für die Hand

In einer neuen Serie mit dem Titel „Steindetail“ fügen wir zu unseren Berichten über ein größeres Architekturprojekt jeweils einen über ein Detail hinzu. Diesmal geht es um die Handläufe im umgebauten Manhattan Center in Brüssel:

Ein Architekt will mit solchen Handläufen den Eindruck von Eleganz und des Besonderen in das Gebäude holen.

Indem der Handlauf in der Mauer verschwindet, wird das Gesamtbild der einheitlichen Wandfläche betont.

Zudem fungiert der Handlauf auch als Orientierung – der Besucher erkennt auf den ersten Blick, wo in einem Raum sich die Treppe befindet. Das ist für den Notfall wichtig, denn die Treppe ist ein wichtiger Fluchtweg.

Dass es einen separaten Handlauf für Kinder gibt, ergibt sich aus den Vorschriften. Er wiederholt sich im Metallgeländer in der Mitte der Treppe.

Um neben der optischen gleich auch noch die haptische Wirkung solch eines Handlaufs zu erwähnen: Stein fasst sich gut an – er scheint ein Wohlgefühl in den Nervenzellen der Haut zu erzeugen. Noch besser erzielt man dieses Gefühl, wenn der Stein rund ist und mit der ganzen Handfläche umfasst werden kann.

Die technische Herausforderung bei solch einem Handlauf besteht in der Produktion der einzelnen Elemente. Sie verlaufen schief und müssen entsprechend präzise zugeschnitten werden. Kleinste Abweichungen aus der geraden Linie würde man hier sofort sehen.

Handlauf in Travertin im Manhattan Center in Brüssel.

Die Verankerung in der Wand ist Standard: sie ist hier mit einem Dübelanker mit Dornlagerung realisiert, das heißt: der Anker ist mit einem Dübel (statt mit Mörtel) in die Wand eingesetzt, der Stein selbst wird mit einem Dorn festgehalten.

Bildlich ausgedrückt: um so viel, wie der Handlauf in die Wand eingesetzt ist, ist umgekehrt die übrige Verkleidung nach vorne gerückt. Deren Befestigung erfolgt nun mit längeren Ankern.

Handlauf in Travertin im Manhattan Center in Brüssel.

Zu erwähnen ist, dass die Steinplatten hinten mit einer Bienenwaben-Struktur (honigraat) verstärkt sind. Auch das hängt mit der Treppe als Fluchtweg zusammen: damit nicht im Ernstfall jemand zum Beispiel mit der Schulter gegen die Wandverkleidung gedrückt wird und eine Platte reißt und herunterfällt, ist die Rückseite extra stabilisiert.

Eine zentrale Aufgabe ist die Pflege des Steins von Anfang an. Dazu gehört eine Imprägnierung gegen Wasser und gegen Fett (hydrophob und lipophob).

Fotos: Levantina

Handlauf in Travertin im Manhattan Center in Brüssel.

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