„Jan van der Laans Kunst ist eine einzigartige Synthese aus natürlichen, organischen Formen und geometrischer Abstraktion“

Jan van der Laan: „Trinity“. Pierre-de-Lens-Kalkstein. H 43 x B 40 x T 35 cm (inkl. Sockel).

Der niederländische Bildhauer findet die Ideen für seine Werke am Strand, in den Dünen oder im Wald

Jan van der Laan ist ein Bildhauer aus den Niederlanden und schafft organische Formen, die uns an eine zusammengerollte Schlange, Gräser im Wind oder Ranken in den Bäumen erinnern. Die erste unserer Fragen per Mail zielte daher darauf ab, wo er diese Formen findet, ob er vielleicht durch einen botanischen Garten oder einen Park geht und die Ideen von dort mitbringt. Seine Antwort war überraschend, aber wir hätten es wissen können: „Ich lebe an der Küste und laufe jeden Tag durch die Gezeitenlinie am Strand. Hier finde ich allerlei außergewöhnliche Formen, wie verschiedene Arten von Muscheln, Algen, verwitterte Holzstücke und auch Wasser- und Windmuster im Sand, rhythmisch wogend, mäandernd oder einfach nur geometrisch. Auch wenn ich durch die Dünen und den Wald in der Nähe gehe, bin ich von natürlichen Formen umgeben. Blattstiele, Samen, Blumen, Baumstümpfe, sich entfaltende Blätter und Rinde. Das alles spiegelt sich in meinen Skulpturen wieder.“

Die Schönheit der Form steht im Mittelpunkt seiner Arbeit. Auf seiner Webseite lässt er es einen Bildhauerkollegen so formulieren: „Jan van der Laans Kunst ist eine einzigartige Synthese aus natürlichen, organischen Formen und geometrischer Abstraktion.“

In seiner Mail schreibt er über den Kontrast zwischen Natur und Geometrie: „Ich liebe die lebendige Dynamik organischer Linien und die Ruhe und Ordnung der geometrischen Formensprache und Symmetrie.“

Jan van der Laan: „Torso“. Carrara-Marmor. H 33 x B 25 x T 20 cm (inkl. Sockel).

Mehr noch: „Sind alle Formelemente im Gleichgewicht miteinander, entsteht ein Gefühl und Erlebnis von Harmonie und Schönheit. Sind wir dafür offen, erinnert es uns an die vollkommene Harmonie der Schöpfung selbst, deren Teil wir alle sind. Es ist eine Erinnerung an unsere göttliche Abstammung.“
Davon will er aber nicht abhängig sein, deshalb fertigt er auch Arbeiten in Bronze und anderen Materialien an. „Das gibt mir ein Gefühl von Freiheit.“

Jan van der Laan: „Genesis“. Alabaster. H 37 cm.

Was hat ihn dazu bewogen, Bildhauer zu werden? „Mein Urgroßvater war von Beruf Bildhauer. Dabei habe ich ihn nie gekannt. In meiner Familienlinie sehe ich viel feines Handwerk wie Schreiner, Zahntechniker und solche Handwerke. In jungen Jahren habe ich viel gezeichnet.“

Erst im Alter von 40 Jahren fand er den Weg zur Bildhauerei. Dies durch den niederländischen Bildhauer Mark Rietmeijer, der ihm das Know-how beibrachte. „Der Fokus und die Konzentration und die sich wiederholenden Bewegungen des Schnitzens, Reibens, Schleifens und Polierens bringen mich in einen meditativen Zustand innerer Ruhe und Kreativität. Es öffnet das Tor zum Allerheiligsten. Insofern ist Bildhauen für mich eine spirituelle Tat.“

Seine Werke sind in der Regel nicht höher als 1 m. Aber wenn ein Kunde will, fertigt er auch große Stücke an. Bei unserem Mailkontakt wird deutlich, dass er großen Wert darauf legt, dass der Kunde bei Beauftragung mit der Arbeit zufrieden ist.

Jan van der Laan: „Infinita“. Serpentin-Opalstein. Breite: 40cm.

Zusammen mit seiner Frau Irene, die als Psychosynthesetherapeutin arbeitet, gründete er vor der Pandemie das Studio Daguz, ein Zentrum für, sagen wir, das Mehr, was in der Bildhauerei zu finden ist. „Retreats“ nennen die beiden ihre Kurse. „Bei diesen Retreats dreht sich alles um die Entdeckung des Steins und Ihres inneren Selbst.“

„Wer beispielsweise im Alltag Schwierigkeiten hat, Entscheidungen zu treffen, erlebt dies auch beim Bildhauen, wo jeder Hammerschlag tatsächlich eine Entscheidung mit irreversiblem Ergebnis ist.“

Im Dialog mit dem Stein würden sich die Beteiligten dann wiederfinden.

Jan van der Laan

Fotos: Jan van der Laan

Jan van der Laan: „Puls“. Pierre-de-Lens-Kalkstein. H 48 x B 45 x T 25 cm (inkl. Sockel).Jan van der Laan: „Kugelform“. Alabaster. H 36,5 x B 23 x T 18 cm (inkl. Sockel).Jan van der Laan: „Vita“. Bronze. H 29 x B 16 x T 14 cm (inkl. Sockel).Jan in seinem Atelier.

(08.04.2022)

(08.04.2022, 04.08.2022)