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Märkte: Glas aus Steinschlamm

(Mai 2010) „Es ist noch ein weiter Weg“, schreibt D.Sc. José Carlos da Rocha. Die Rede ist von einem Verfahren, das den Schlamm aus der Steinbearbeitung in der Glasherstellung einsetzt. Entwickelt hat die Grundlagen Michelle Pereira Babisk in ihrer Doktorarbeit am brasilianischen Instituto Nacional de Tecnologia (INT). Betreuer war der Chemiker Carlos da Rocha. Beteiligt war auch das Instituto Militar de Engenharia (IME) mit den beiden Wissenschaftlern Ph.D. Luís Henrique Leme Louro und D.Sc. Marcelo Prado.

Michelle Pereira Babisk konnte in ihrer Arbeit nachweisen, dass sich sowohl Abfall von Silikat- als auch von Karbonatgesteinen als Rohstoff für die Herstellung von farbigen Gläsern zum Beispiel für grüne Flaschen einsetzen lässt.

Ausgangspunkt der Überlegungen war, eine eigentlich unerwünschte Eigenschaft des Schlamms in eine Stärke umzukehren. Denn das Abriebmehl aus den Gattern ist stark mit Eisen verunreinigt, weil dieses als Abrasiv dem Sägevorgang beigegeben wird. Daran waren Ideen etwa zur Verwendung des Schlamms für Baumaterialien immer gescheitert.

„Also war es doch naheliegend, mal über farbiges Glas nachzudenken, bei dem das Eisen die Rolle als Farbgeber spielen könnte“, schreibt Carlos da Rocha.

Eine der Herausforderungen in dem Verfahren ist, eine möglichst gleichmäßige Körnung im Ausgangsmaterial zu erreichen. Wichtig ist auch, die richtige Komposition des Schlamms mit Zusatzstoffen zu erreichen. Wie Carlos da Rocha betont, gibt es beim Brennen im Ofen keine signifikanten Unterschiede zu gewöhnlichem Glas aus anderen Ausgangsstoffen.

Unklar ist noch wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzepts.

José Carlos da Rocha (Mail)

Forschungen der Europäischen Union

Die Europäische Union hat kürzlich zwei neue Projekte in ihre Finanzierung aufgenommen, die mit dem Thema Steinabfall zu tun haben. Das eine nennt sich Eco-Stone, zu dem es in den Unterlagen heißt „Das Projekt will ein nachhaltiges System für die Produktion und Verwendung von Naturstein aufbauen… Grundgedanken sind: optimale Nutzung der Lagerstätten und der Rohmaterialien sowie optimaler Einsatz von Energie in der Produktionskette. Auch geht es darum, dass Architekten multifunktionale Materialien auf Natursteinbasis verwenden, die wiederum energieeffizient und umweltfreundlich sind.“

Beteiligte Institutionen (spanisch)

Im Projekt EcoBrick geht es eigentlich darum, Klärschlamm als Ausgangsmaterial für Ziegelsteine zu verwenden. Über die Verwendung von Stein-Schlamm habe man noch gar nicht nachgedacht gehabt, halte es aber für denkbar, teilte uns der Projektleiter Professor Dr. Karl-Ulrich Rudolph von der Universität Witten-Herdecke mit.

EcoBrick (deutsch)

Kongresse in Indien und Spanien

Die Verwertung von Abfall aus der Steinproduktion war auch auf dem Global Stone Congress vom 2. bis 5. März im spanischen Alicante ein wichtiges Thema. Präsentiert wurde unter anderem die Arbeit von Ph.D. Nicola Careddu und seiner Arbeitsgruppe von der Universität im italienischen Cagliari. Sie stellte fest, dass Marmorschlamm als wertvoller Zusatzstoff für die Herstellung von Ziegelsteinen verwendet werden kann. Da er zu beinahe 100% aus Karbonat besteht und eine extrem feine Körnung im Mikrometer-Bereich hat, lässt sich damit der Einsatz von Ton reduzieren. Versuche mit Schlamm aus der Steinregion Orosei auf Sardinien verliefen positiv. (pdf)

Weitere Forschungen von Careddu beschäftigten sich mit unteridischen Steinbrüchen und Oberflächenbehandlung mit Wasserstrahl.

Nicola Careddu (Mail)

Auch auf dem Global Stone Technology Forum im indischen Jaipur zu Anfang des Jahres hatte das Thema Abfall großen Raum eingenommen. Kurzfassungen der Vorträge können heruntergeladen werden. Die Webpage der Veranstaltung bietet die Vorträge aus dem Jahr 2007.

Apropos Abfall in Zahlen: Dazu haben wir im Statistik-Jahrbuch „Stone 2009“ von Carlo Montani geblättert. Von den rechnerisch 1.942.500 m² Platten (mit 2 cm Dicke), die 2008 weltweit aus den Brüchen kamen, blieben 796.400 m² als Abfall – rund 41% des Ausgangsmaterials. Interessant, dass dieser Prozentsatz über alle Länder gleich ist. Interessant aber ist auch dass von 2003 bis 2008 der Anteil des Abfalls von 69% auf 41% zurückging („Stone 2009“, Carlo Montani, Edizioni Il Sole 24 Ore Business Media, 32 €, ISBN 978-88-8138-124-1 – Code N. 10330).