www.stone-ideas.com

Der Bildhauer Alyosha Moeran hat bei seinen Skulpturen Kontraste im Blick

Alyosha Moeran.

Eines seiner Themen sind Formen von Schüsseln, die sehr zerbrechlich sind / Neuerdings will er sich den Lithophonen widmen

Solch eine Selbstdarstellung ist schon sehr ungewöhnlich: während Alyosha Moeran, Bildhauer in England, seine Webpage mit einem schönen Blättermuster aus Stein beginnt, sieht man auf der nächsten Seite unter „About“ ein Gesicht unter einer Atemschutzmaske und eine Person, die bei schlechtem Wetter im Matsch unter einer notdürftigen Plane ihrer Arbeit am Stein nachgeht.

Natürlich haben wir nachgefragt, was er dem Besucher der Webpage damit sagen wolle.

Wahrscheinlich, so mutmaßt er in seiner Antwort, habe er die Realität der Steinbildhauer darstellen wollen, nämlich geprägt vom harter Arbeit an einem Material voll von „Sandigkeit und Eigensinn“ ist, das man „zähmen“ müsse.

Er wolle zeigen, dass Künstler sein auch bedeute, ein Arbeiter zu sein, und umgekehrt. Es ist nicht immer „romantisch, wie es gern dargestellt wird“, fügt er hinzu.

Alyosha Moeran.

Bemerkenswert daran wiederum ist der Tonfall, in dem er die Antwortmail schreibt: er ist keineswegs eine kämpferische Botschaft, mit der er nun die Welt über das Los der Bildhauer aufklären will. Vielmehr ist er selber fasziniert von dem Kontrast zwischen Sein und Schein, mit dem er es zu tun hat.

Die Kontraste haben es ihm angetan, vermuten wir beim Blättern durch seine Webpage.

Ayliosha Moeran: Lithophon.

Häufig trifft man auf Schüsseln, zu denen er schreibt, die Schüssel sei „wohl der allererste Gegenstand, den die Menschen geformt haben“. Um dann gleich hinzufügen, dass er mehr aus Schüsseln machen wolle, nämlich Skulpturen. „Ich habe immer versucht, die Grenze zwischen Handwerk und Kunst zu verwischen“, sinniert er.

Um Kontrast geht es auch, wenn er den Stein, der eigentlich für Härte und Dauerhaftigkeit steht, bis auf eine dünne Scheibe herunterfräst und diese dann noch am Rand mit Löchern perforiert. „Mein Interesse war immer, dem fertigen Werk einen Ausdruck von Leichtigkeit und Zerbrechlichkeit mitzugeben“. Er strebe in seinen Arbeiten „eine subtile Spannung an“.

Diese Zerbrechlichkeit, die er seinen Formen gibt, erlebt er auch um sich herum: die ganze Welt sei „so zerbrechlich“ geworden. „Vielleicht kann ich mit meinen Arbeiten ja ein Gefühl für diese heikle Lage schaffen.“

Ayliosha Moeran: Lithophon.

Dann sind wir in unserem Mailaustausch bei seinen Lithophonen angekommen, in deren Klängen er die Zerbrechlichkeit vollendet sieht. Anders als üblich bei solchen Steinen, will er damit nicht wirklich definierte Töne erzeugen, wie man sie etwa vom Klavier kennt. „Ich will keine Musikinstrumente machen, sondern diese fragilen, freundlichen Objekte, bei denen der Klang der Schatten der Form ist.“

Er produziere sie seit einiger Zeit und verkaufe sie Stück für Stück. Nun aber wolle er sich ganz darauf konzentrieren und „einmal ein ganzes Orchester von Skulpturen in Stein schaffen“

Alyosha Moeran (1, 2)

Video

Photos: Alyosha Moeran

Autor: Marcelo de Oliveira

Bildhauer Alyosha Moeran.

(24.10.2018)