Bildhauer widmen sich dem Thema Corona: eine Stele mit der Abstandsangabe „1,5 m“ in Deutschland und eine Babyfigur aus Marmor in Ketten in Neapel

„Auf Abstand 1,5“ in Mühlhausen-Sulz.

Wir haben uns umgesehen, welche Gedanken sich Künstler zur Covid-19-Pandemie gemacht haben

Leser sind eingeladen, uns Fotos und kurze Beschreibungen ihrer Arbeiten zu senden (Mail). Wir werden sie in einem zweiten Bericht veröffentlichen.

In Bayern steht seit dem Sommer 2020 in der Gemeinde Mühlhausen eine 3 m hohe Stele mit dem Titel „Auf Abstand 1,5“. Sie wurde aus Jurakalkstein gefertigt und setzt die Abstandsregelung künstlerisch um: 5 Bildhauer (Michael Königer, Stefan Fürbacher, Günter Schinn, Michael Lynderup und Oskar Reihmeier) hatten einen Tag Zeit, je einen kleinen Steinblock zu gestalten. Aus diesen Einzelelementen wurde danach das Kunstwerk zusammengesetzt, jeweils mit einem neutralen Distanzstück von 15 cm Höhe dazwischen:

„Auf Abstand 1,5“: Michael Königer.Michael Königer ritzte einen Totenkopf auf seinen Stein;

„Auf Abstand 1,5“: Oskar Reithmeier.Oskar Reithmeier zeigte eine Figurengruppe, die richtungslos herumläuft;

„Auf Abstand 1,5“: Stefan Fürbacher.Stefan Fürbacher stilisierte eine Sanduhr;

„Auf Abstand 1,5“: Michael Lynderup.Michael Lynderup trieb einen Riss durch den Stein und zeigt damit, wie die Pandemie die Gesellschaft zerrissen hat;

„Auf Abstand 1,5“: von Günter Schinn.ganz oben auf der Stele findet sich ein gespaltener Stein von Günter Schinn, der darstellt, wie labil die Dinge im Moment sind.

Hintergrund der Aktion war das 10. Bildhauersymposium, das im Sommer 2020 an der Schleuse 25 am Ludwig-Donau-Main-Kanal in Mühlhausen hätte stattfinden sollen. Fotos: Gemeinde Mühlhausen

„Look-Down“ von Jago, Neapel.In Neapel liegt seit einiger Zeit die Marmor-Skulptur „Look-Down“ (sic) des italienischen Künstlers Jacopo Cardillo auf der Piazza Plebescito. Der Titel ist ein Wortspiel mit Lockdown, einen der Begriffe, die inzwischen die ganze Welt gelernt hat. Mit der überdimensionalen Babyfigur, die am Handgelenk angekettet ist, will Jago, so der Künstlername des Bildhauers, symbolisch den Blick auf die Schwächsten in den Gesellschaften lenken – die sind am stärksten vom Virus betroffen, will er sagen. Das Foto hat uns unser Partnermagazin Marmomacchine zur Verfügung gestellt.
https://www.youtube.com/watch?v=2Dj0d0Q5SmA
https://jago.art/en/artworks/look-down/

In Codogno in Norditalien wurde am 21. Februar 2021 ein Denkmal enthüllt, das an den 1. Corona-Fall vor einem Jahr erinnerte.
https://milano.repubblica.it/cronaca/2021/02/21/news/codogno_coronavirus_memoriale_vittime_del_covid_19-288542943/

Deutschland: Eine Skulptur nach Art der mittelalterlichen Pestsäulen hat der Bildhauer Helmut Schlegel aus Happerg unweit von München gestaltet.
https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/eurasburg-ort377102/eurasburg-bildhauer-helmut-schlegel-schafft-corona-saeule-90033851.html

Ein Bericht der BBC gibt eine Übersicht wie Künstler den Lockdown darstellen. https://www.bbc.com/news/uk-52296886

Großbritannien: Luke Jerram hat viele Glas-Modelle von Bakterien geschaffen und nun auch eines des Covid-19-Virus (Video).
https://www.youtube.com/watch?v=xtIG_oE7vxE

Italien: Der Architekt Stefano Boeri – bekannt durch seinen „Vertical Forest“ in Mailand – hat das kommunikative Konzept für die Corona-Impfkampagne entwickelt. Das Motto lautet: „Mit einer Blume erwacht Italien wieder zum Leben“.
https://www.stefanoboeriarchitetti.net/en/project/anti-covid-19-vaccination-campaign/

(22.02.2021)