Jean-Louis Vaxelaire: „Die Qualifikationen für die Steinbranche der Zukunft sollten nicht nur aus dem Handwerk, sondern auch aus der industriellen und digitalen Welt kommen“

Jean-Louis Vaxelaire, Präsident des SNRoc (Syndicat National des Industries de Roches Ornementales et de Construction). Foto: Rocalia

Im Interview mit der Messe Rocalia sprach der Präsident des französischen Verbands SNRoc darüber, wie man junge Leute anzieht und was man ihnen beibringen kann

Die alle zwei Jahre stattfindende französische Steinmesse Rocalia (in Lyon, 30. November bis 02. Dezember 2021) wird es ein „Dorf für Jobs und für das Lernen“ geben. Es verfolgt das Ziel, junge Leute auf die Karrieremöglichkeiten in diesen Berufen aufmerksam zu machen und die Attraktivität der Branche zu verdeutlichen. In einer Pressemitteilung weisen die Organisatoren darauf hin, dass Stein nicht nur traditionelle handwerkliche Fähigkeiten braucht, sondern auch neue industrielle und digitale Kompetenzen. Jean-Louis Vaxelaire, im März 2021 zum neuen Präsidenten des SNRoc (Syndicat National des Industries de Roches Ornementales et de Construction) gewählt, gab den Veranstaltern der Messe ein Interview. Erwähnenswert: Es wurde ins Englische übersetzt, während das Programm der Messe komplett auf Französisch ist.
 

Rocalia: Vor welchen Herausforderungen steht die Natursteinbranche im Jahr 2021 in Bezug auf den Nachwuchs für die kommenden Jahre?

Jean-Louis Vaxelaire: Die erste Herausforderung, der wir uns stellen müssen, betrifft die Attraktivität unserer Berufe. Wir müssen die Botschaft rüberbringen, dass es bei unseren Berufen nicht allein „Hammer und Meißel“ eine Rolle spielen, sondern dass es wirklich um Gedanken, Fantasie und digitale Technologien geht. Wir müssen das Image der Berufe aufpolieren und jungen Menschen und ihren Eltern zeigen, dass die Arbeit mit den Händen etwas ist, auf das man stolz sein kann. Die Abschlüsse müssen das Image unserer Branche verbessern und auch den Eltern zeigen, dass wir Zukunft haben. Die zweite große Herausforderung ist die Entwicklung von Ausbildungswegen, um junge Menschen zu gewinnen und den „Virus“ Naturstein an sie weiterzugeben. Wir müssen ihnen zeigen, was unsere Unternehmen in der Ausbildung tun, um unsere eigene Leidenschaft zu vermitteln.
 

Rocalia: Sind junge Leute heute von der Natursteinbranche angezogen?

Jean-Louis Vaxelaire: Ich glaube, dass die bestehenden Abschlüsse in unserer Branche auf Dauer nicht attraktiv sind. Wir müssen junge Menschen mit höherem Bildungsniveau rekrutieren, um die Herausforderungen aus der Weitergabe unserer handwerklichen Fähigkeiten zu meistern. Das erfordert zusätzliche Fähigkeiten in Datenverarbeitung, digitalen Technologien und Management… Wir müssen Studenten ausbilden, um unser Wissen weiterzugeben – und unsere Unternehmen!
 

Rocalia: Erfüllen die bestehenden Ausbildungsmöglichkeiten die Bedürfnisse der Natursteinprofis?

Jean-Louis Vaxelaire: Sie bewegen sich in die richtige Richtung. Das französische staatliche Bildungswesen hat einen zusätzlichen Kurs in digitalen Technologien eingeführt – ein richtiger Weg, um junge Leute anzuziehen. Wir müssen uns auf 4.0-Modellunternehmen konzentrieren. Die Welt von morgen wird digital sein. Die Ausbildung muss junge Menschen auf diese Berufe ausrichten und wir müssen uns noch schneller in diese Richtung bewegen. Alle Maschinen, die in den nächsten Jahren verkauft werden, werden computergesteuert sein. Wir müssen die Jugendlichen davon überzeugen, dass das Erlernen des Programmierens durchaus in ihren Möglichkeiten liegt.
 

Jean-Louis Vaxelaire war als Wirtschaftsprüfer mehrere Jahre bei der KPMG tätig. Vor mehr als 20 Jahren kaufte er die Graniterie PetitJean. Seit 2013 ist er Vizepräsident des CTMNC (Centre technique des matériaux naturels de construction), des Terchnikcenters der Branche. Seine Amtszeit bei SNRoc beträgt 3 Jahre.
 

Rocalia, 30. November – 02. Dezember 2021

SNROC (französisch)

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(22.07.2021)