Firmenbesuche im – nach chinesischer Lesart – Weltzentrum für Naturstein in Shuitou unweit von Xiamen: Carrara Calacatta so weit das Auge reicht

Showroom der Firma Xinpengfei.Showroom der Firma Xinpengfei.

Xingengfei hat einen ausladenden Showroom allein für diese Marmorsorte, auch Jinsheng Marble (J&S Marble) hat eine Verkaufshalle voll davon

Der große Renner unter den Natursteinen ist in China derzeit der Marmor aus Carrara, hörten wir an verschiedenen Stände auf der Messe in Xiamen 2023 (05. – 08. Juni). Man muss vorsichtig sein mit solchen Aussagen, besonders wenn sie von Firmen kommen, die ihrerseits das Material aus Italien dort verkaufen.

Aber tatsächlich hatten wir auf der Messe den Eindruck, dass chinesische Firmen offen wie nie vorher auf Italien als Ursprungsort ihrer Steine hinwiesen.

Und mehr noch: am Tag nach der Messe hatte uns der chinesische Natursteinverband CSMA zusammen mit einigen Architekten zum Besuch im Steincluster von Shuitou unweit von Xiamen eingeladen, und dort wollten wir schier unseren Augen nicht trauen. Unten mehr dazu.

Shuitou ist ein Ortsteil der Großstadt Na’an und bezeichnet sich gern als Weltzentrum der Natursteinbranche. Nach Angaben des Verbands gibt es dort rund 700 Branchenfirmen mit etwa 100.000 Beschäftigten, darunter 150 Unternehmen mit Umsätzen von jährlich über 20 Millionen RMB (zurzeit umgerechnet etwa 2,75 Millionen US-$).

Das Zentrum wurde in den 1990ern installiert und setzt derzeit jährlich Steinwaren im Wert von 20 Milliarden RMB um. Die Güter werden über die Häfen von Xiamen beziehungsweise Quanzhou verschifft. Von Xiamen ist Shuitou in etwa einer Stunde Autofahrt über die Autobahn zu erreichen. Bis in die Großstadt Na’an, ebenfalls in der Provinz Fujian, kommt noch etwa eine halbe Stunde dazu.

Das Cluster ist so, wie man solche Standorte aus der ganzen Welt kennt: weite Gelände mit großen Hallen, zerfahrene Straßen, über die schwere Laster schaukeln, überall Steinmehl – und dann stoßen wir bei unserem Besuch plötzlich auf diesen Showroom, in dessen Inneren es uns schier die Sprache verschlägt: in einer riesigen Halle ist es wie in Finnland im Winter – alles ist in reines Weiß getaucht, kein Motorenlärm, und das Dach der weiten Halle wirkt wie der graue Himmel während der Polarnacht. Allein die vielen Orchideen zur Dekoration zeigen, dass man woanders ist.

Xinpengfei heißt die Firma, die hier nichts als Platten des Marmor Calacatta präsentiert. „Das ist die bevorzugte Sorte in China“, sagt uns Generaldirektorin An Ran. Wir können ihr das glauben, denn wer solch eine Lagerhaltung betreibt, muss auch für entsprechenden Umsatz sorgen.

Lieferant ist allein die Firma Gemeg aus Carrara.

An Ran, Generaldirektorin bei Xinpengfei, zeigte bei ihrer Firmenpräsentation auch ein Bild der weiblichen Belegschaft vom internationalen Frauentag 2023.Generaldirektorin An Ran, 2.v.l.Xinpengfei hat den Showroom vor 2 Jahren eingerichtet. Die Firma arbeitet für Projekte in China und weltweit. „Wenn wir andere Steinsorten brauchen, kaufen wir die hinzu“, sagt Frau An. Wenn ein Vorhaben die Kapazitäten von Xingengfei überschreitet, kooperiert man mit Partnern.

In der gewaltigen Halle, vom Eindruck her so groß wie ein Fußballfeld, ist der Carrara Marmor als Material für gehobenen Lebensstil und Eleganz inszeniert. Das ist auch das Image, das Italiens Firmen ihren Steinen und sich selbst geben.

Selbst die Reihen der Stützen für das Dach sind mit weißen Flächen verkleidet. Herausgehoben wie eine Kommandostation ist ein Besprechungsraum. Dort informiert uns Frau An auch über die Design-Objekte, die die Firma entwickelt. Zu ihrem Vortrag gehört auch ein Bild des weiblichen Teils der Belegschaft.
 

Showroom der Firma Jinsheng Marble (J&S Marble).Showroom der Firma Jinsheng Marble (J&S Marble).Showroom der Firma Jinsheng Marble (J&S Marble).Durchaus vergleichbar, wenn auch nicht bis ins Kleinste durchgestylt, war eine weitere Station des Tagesausflugs, nämlich der Showroom von Jinsheng Marble (J&S Marble). Auch hier findet man Carrara Marmor, diesmal von den Lieferanten Furrer und Sagevan.

Aber die Firma hat auch andere Materialien im Angebot und verfügt über eigene Brüche. Die Verarbeitung liegt nur ein paar Schritte neben dem Showroom in separaten Hallen.

Ähnlich wie bei Xingengfei werden auch künstlerische Marmorobjekte gezeigt.
 

Eingang zum Museum für Stein und Naturgeschichte der Firma Yinliang Stone und zur Firma 5th Gallery.Showroom der Firma 5th Gallery.Showroom der Firma 5th Gallery.Yinliang Stone war eine weitere Station. Hier gibt es einen Showroom mit zahlreichen Inszenierungen für Küchen, Bäder oder Architekturen mit den Steinen der Firma. Ein Höhepunkt ist das inzwischen berühmte Museum für Stein und Naturgeschichte, das die Firma unterhält. Selten haben wir so spektakuläre Fossilien gesehen. Ideologische Interpretationen fielen uns keine auf – am Anfang der Schau werden Fotos von der Mondlandung der Amerikaner gezeigt.

Am Ende wendet sich die Ausstellung dem Produktdesign mit Naturstein zu. Zu sehen sind Alltagsgegenstände, etwa Steinplatten für die in Asien üblichen Tee-Zeremonien. Tea-Pet (Tee-Tiere) heißen kleine Figuren, die bei den Zeremonien übergossen werden und die Glück bringen sollen. Traditionell sind sie wie die Teekannen aus Ton gefertigt; Yinliang zeigte ganze Accessoiregruppen aus Naturstein.

Spektakulär war der Showroom der Firma 5th Gallery.
 

Showroom der Firma Pengxiang.Showroom der Firma Pengxiang.Wang Shaofang, Präsident von Pengxiang.Ein starker Gegensatz war der Besuch bei der Firma Pengxiang, einem Hersteller von Kunststein. Das unternehmen setzt mit seiner Marke ganz auf Nachhaltigkeit und betitelt sein Material deshalb als „Recycled Stone“. „Wir verwenden nur Abfall als Ausgangsmaterial“, hob Firmenchef Wang Shaofang hervor.

Auch hier war der Showroom ausladend, wenn auch nicht opulent wie bei den Natursteinfirmen. Statt dessen erzählt Pengxiang auf Wandtafeln die Geschichte seines Materials: es sieht die Anfänge in der Steinzeit und Verwendungen schon bei den Pyramiden und bringt für spätere Epochen den Römischen Zement und genauso den Terrazzo ins Spiel. Unter anderem heißt es, dass die modernen Kunststeine in China erfunden und im 20. Jahrhundert in Europa weiterentwickelt wurden.

(08.09.2023)