Die Marmorfassaden des neuen Perelman Performing Arts Center in Manhattan stellen in vielen Aspekten ein Theater nach

Die Fassade des Perelman Performing Arts Center an einem späten Nachmittag.

Mit dem Gebäude wird die Neugestaltung des Ground Zero nach 9/11 abgeschlossen

Natürlich: es will ein Theater sein wie sonst keins auf der Welt gibt, ist in allen Ankündigungen zu lesen und in allen Videos zu hören. Und tatsächlich: das am 19. September 2023 eröffnete Perelman Performing Arts Center in New York City’s Manhattan sucht weltweit seinesgleichen, und das weil es moderne Architektur, Technologie und Ingenieurskönnen unnachahmlich miteinander verbindet.

Das Bauwerk ist der Abschluss der Neugestaltung des Ground Zero nach dem Terroranschlag auf die Türme des World Trade Centers vom 11. September 2001. Bereits fertiggestellt war der Neubau mit dem Namen One World Trade Center, ungefähr auf der Fläche des ehemaligen Nordturms und nun mit dessen Adresse als Titel. Zum Ort der Erinnerung gehören das Denkmal für die Opfer der Tat islamistischer Terroristen und direkt daneben ein Museum als Ort der Information.

Luftaufnahme von Lower Manhattan mit dem Perelman Performing Arts Center und dem National September 11 Memorial & Museum. Das One World Trade Center am Standpunkt des ehemaligen Nordturms (hinten), rechts davon das Perelman Performing Arts Center, davor das National September 11 Memorial & Museum.

Nun ist das PAC NYC hinzugekommen, als „ein Ort zu dem man geht, um das Leben zu feiern“, wie es eine Vertreterin des Board of Trustees von Memorial & Museum in einem Video ausdrückt.

Was das PAC so einmalig macht, ist unter anderem, wie sehr man in seiner Architektur das Theater wiedererkennen kann.

Die Gebäudeform ist ein einfacher Würfel (mit 138 Fuß Seitenlänge, Gesamtfläche 12.000 m²) – das mag symbolisch für ein gelungenes Bühnenstück stehen, das sich durch eine klare, aber einfache Handlung auszeichnet.

Die Fassade stellt die Lichtsituation im Theatersaal nach: zunächst ist es dort hell und man sieht den Vorhang (hier: die Verkleidung mit Marmorplatten), mit Beginn der Vorführung wird es im Zuschauerraum dunkel, geht das Licht auf der Bühne an und es entfaltet sich eine ganz andere Welt.

Die Fassade am Tag.Die Fassade in der Nacht.

Diese Umkehrung des Lichts kann man auch an der Fassade finden: tagsüber fällt das Licht von außen durch die Marmorplatten und taucht den Innenraum in ein bernsteinfarbenes Licht; nachts fällt die Innenbeleuchtung durch die Platten nach außen und lässt die Fassade bräunlich leuchten.

Diese Marmorfassade verdient eine genauere Betrachtung. In den 1960ern gibt es Vorläufer etwa an der Beinecke Rare Books Library an der Yale University, entworfen von Gordon Bunshaft. Seitdem gab es viele Weiterentwicklungen, die vor allem mit Hilfe von Mehrfachscheiben das Problem der Wärmeisolierung lösten.

Nun haben die Architekten des New Yorker Studio REX in Zusammenarbeit mit den Fassadenberatern der Firma Font das Muster der superdünnen Marmorscheiben (12 mm dick) am Computer detailliert geplant. Dieses Muster, wieder wie die Story bei einem guten Theaterstück oder Film, überschaut man nicht gleich. Es entfaltet sich erst nach einer Weile der Betrachtung.

Die Fassade von innen gesehen.

Hier ist es ein Spiel mit dem Bookmatching, also der spiegelverkehrten Anordnung, in zweifacher Hinsicht, nämlich von oben nach unten und von links nach rechts: in den Mittelstreifen liegen die gespiegelten Platten direkt nebeneinander, nach außen verlieren sie sich allmählich.

Bei ganz genauer Betrachtung würde man feststellen, dass jede Platte ein Einzelstück ist, heißt es in einer Beschreibung. Dennoch werden alle zusammen als Einheit wahrgenommen, so dass alle 4 Fassadenseiten identisch zu sein scheinen.

Die Platten haben alle das Maß von 5 x 3 Fuß. Jede wiegt knapp 134 kg.

Die Beteiligten an der außergewöhnlichen Fassade wollen wir nur kurz aufzählen:
* der Marmor stammt aus einem Steinbruch in Estremoz in Portugal,
* die portugiesische Firma LSI Stone schnitt den übergroßen Rohblock in die superdünnen Scheiben (wir berichten demnächst detailliert),
* die französische Firma AGC fügte die Glasscheiben hinzu,
* bei Interpane und Permasteelisa in Deutschland wurden jeweils 4 Platten zu Elementen für die Installation an Ort und Stelle an der Fassade vorgefertigt.

Das Gebäude selbst war an diesem Standort in jeder Hinsicht eine Herausforderung. So mussten seine Fundamente über den darunter verlaufenden Bahnlinien und den Versorgungszugängen für One World Trade Center ihren Platz finden. Es ruht auf einem Granitsockel und ist damit gegen störende Schwingungen von unten isoliert.

Das John E. Zuccotti Theater im Arts Center vor der ersten Aufführung.Der Raum für Bühnentechnik im Arts Center.

Die 3 Theater im Inneren sind flexibel organisiert. Überall sind die Wände und Installation beweglich, so dass sich die Räumlichkeiten und für jeden Zweck anpassen lassen. Aus den 3 Theaterräumen kann zum Beispiel eine Halle für besondere Zwecke werden.

Der Bau des Arts Center wurde von 2019 bis 2023 von der Firma Sciame Construction auf die Beine gestellt.

Der Name bezieht sich auf Ronald O. Perelman, der im Jahr 2016 für das Projekt bereitgestellt hatte.

Das PAC NYC und sein Restaurant beziehungsweise seine Lobby haben die Adresse 251 Fulton Street in Manhattan und sind ohne Eintrittsgebühr jeden Tag von 8 Uhr bis 23 Uhr zugänglich.

Perelman Performing Arts Center

LSI Stone

Photos: Iwan Baan Photography, courtesy PAC NYC
 

(08.10.2023)