Wie kann man zu einer fast 1000 Jahre alten Kathedrale ein Café für Essen und Trinken hinzufügen?

Carlisle Cathedral. Foto: Peter CookCarlisle Cathedral. Foto: Peter Cook

Die Architekten von Feilden Fowles gaben dem Neubau ein wenig die Anmutung einer Schublade zum Auf- und Zuziehen in das historische Ambiente

Die Kathedrale in der Stadt Carlisle nur wenige Kilometer von der schottischen Grenze stammt aus dem Jahr 1122 und zählt zu den Schmuckstücken unter Großbritanniens Gotteshäusern. Sie hat nun ein altes Schmuckstück neu dazubekommen, nämlich das ehemalige Refektorium der angrenzenden Klosterniederlassungen. Es war in seiner gut 800-jährigen Geschichte ganz früher der Speisesaal der Mönche, später ein Arsenal für die königliche Armee, ein Lagerraum im Bürgerkrieg, dann Brauerei, Getreidespeicher, Scheune und eine Bibliothek. Zuletzt war die langgezogene Halle sich selbst überlassen.
Nun wurde es modernisiert und wiederbelebt, das unter modernen Gesichtspunkten: statt wie einst ein Ort für das Klosterleben dient es nun für Kultur und Bildung, also für Ausstellungen, Bibliotheksbesuche, Veranstaltungen und mehr. „Das Projekt verwirklicht unsere Vision von der Kathedrale als einem Ort der Entdeckung, des Feierns und der Herausforderung,“ heißt es auf der Webpage der Kathedrale.

Und auch ein Café hat die Anlage bekommen – es wurde L-Förmig an die Halle angesetzt.

Das stellte eine besondere Herausforderung für die Architekten von Feilden Fowles dar. Denn solche neuen Orte mit modernen Funktionen sollen in solch einer Umgebung nicht zu sehr hervorstechen, sollten andererseits sich aber als Neubau auch vom Alten hinreichend deutlich abheben.

Carlisle Cathedral. Foto: David GrandorgeCarlisle Cathedral. Foto: Archiv / John Cheel

Herausgekommen ist eine Art von flacher Schublade, wie es uns beim Blick auf die Fotos schien: das Café erweckt, anders als die alten Gebäude drumherum, nicht den Eindruck, als wäre es unverrückbar weil in Stein gemeißelt.

Wir hätten uns nicht gewundert, wenn die Fotografen Bilder geschickt hätten, wo abends das Café verschwunden wäre. Man kennt so etwas von Fußballstadien, wo das ganze Spielfeld vor und nach dem Spiel hinein- und herausgeschoben werden kann.

Vom Material her, rotem Sandstein, gehören die Wände des Cafés (roter Dumfries sandstone aus dem nahen Locharbriggs) unübersehbar zur Cathedrale (St Bees Stein, über die Jahrhunderte nachgedunkelt).

Und auch der Stil der Spitzbögen in den Wänden ist – beinahe – identisch mit den Originalen in den Mauern nebenan. Spätestens wenn man aber die Fenster im Café von der Decke bis auf den Boden wahrnimmt, weiß man, aus welchem Jahrhundert das Gebäude stammt.

Carlisle Cathedral. Foto: Peter Cook

Wohltuend ist, dass die Architekten das Innere des Cafés von der mittelalterlichen Atmosphäre drumherum abgesetzt haben. Auf dem Boden findet man nicht Steinplatten wie in einem Kreuzgang, sondern geschliffenen Beton; die Wände sind mit rotem Gips verputzt und tragen nicht den Stein der Außenwände.

Die äußeren Steinwände sind übrigens nicht tragend. Die Last des Daches wird von einem im Mauerwerk verborgenen Stahlrahmen abgeführt.

Neuerungen in der Halle sind auf der Webpage des Architekturbüros ausführlich beschrieben.

Die Planung für die Modernisierung der Halle verlief auf Kirchenseite über 15 Jahre, insgesamt 6 Jahre waren dann noch die Architekten beteiligt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2,5 Millionen £.

Die Modernisierung des Refektoriums war die „wichtigste Entwicklung der Carlisle Cathedral seit Menschendenken“, heißt es auf der Webpage der Kathedrale.

Carlisle Cathedral

Feilden Fowles

Fotos: Peter Cook, David Grandorge

Carlisle Cathedral. Foto: Peter CookCarlisle Cathedral. Foto: Peter Cook

(27.11.2023)