Trennung der Bauschutt-Fraktionen mithilfe von Kameras und künstlicher Intelligenz

Um Bauschutt nicht nur bloß der Müllkippe zu deponieren, muss man die unterschiedlichen Stofffraktionen trennen.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert das Startup „Optocycle“ aus Tübingen, das mehr Recycling am Bau erreichen will

Werden Gebäude abgerissen oder etwa Straßen aufgerissen, bleiben mineralische Bauabfälle zurück – nach Angaben des Umweltbundesamtes waren es 2020 allein in Deutschland mehr als 220 Millionen Tonnen. Das Startup „Optocycle“ aus Tübingen entwickelt mit Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein System, das mit Kameras und künstlicher Intelligenz Bauabfälle, so dass sie besser wiederverwertet werden können.

Derzeit wird Bauschutt jedoch zu einem großen Teil niederwertig für den Straßen- und Deponiebau sowie zum Verfüllen von stillgelegten Tagebauen verwendet. „Dabei ließe sich das Potenzial zum Einsparen von Rohstoffen und Treibhausgas-Emissionen durch ein Wieder- und Weiterverwerten im Hochbau viel stärker ausschöpfen“, so sagt Franz-Peter Heidenreich, Leiter des DBU-Referats Wasser, Boden und Infrastruktur.

Bestimmte Bauschutt-Bestandteile könnten nach seinen Worten beispielsweise zu Recyclingbeton oder Dämmstoffen verarbeitet werden.

Die Gründer des Startups Optocycle, Max-Frederick Gerken und Lars Wolff (v.l.), entwickeln die Technologie, die automatisiert unterschiedliche Bestandteile von Bauabfällen erkennt.

Optocycle aus Tübingen entwickelt deshalb ein System, das automatisiert unterschiedliche Stoff-Fraktionen erkennt. „Zuerst nehmen Kameras Bilder des Bauschutts auf, zum Beispiel von einer Lastwagen-Ladung oder einem Förderband“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Max-Frederick Gerken. „Die von uns entwickelte Software bestimmt dann durch optische Auswertung der Bilder mittels künstlicher Intelligenz die stoffliche Zusammensetzung des Materials.“

Abbruchunternehmen, Entsorgungsbetriebe oder Rohstoffproduzenten könnten das System entweder kaufen oder mieten und in üblichen Fahrzeugwaagen montieren.

In der Nähe von Stuttgart im Betrieb von Walter Feeß, der als Wegbereiter für Recycling-Beton von der DBU 2016 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde, ist die Einfahrtswaage bereits mit einer Optocycle-Pilotanlage ausgestattet und unterstützt die Mitarbeitenden bei der Sortierung und Analyse verschiedener Stoff-Fraktionen. „Zudem könnte die Optocycle-Technologie für die im August in Kraft getretene Ersatzbaustoffverordnung für Entsorgungsfirmen interessant werden, zum Beispiel bei Annahme- und Qualitätskontrollen“, so DBU-Fachexperte Heidenreich.

Es sei geplant, das Erkennungssystem auf die Analyse von Bio- und Papierabfällen zu übertragen.

Mit der Green Startup Förderung unterstützt die Stiftung junge Gründerinnen und Gründer, die auf innovative und wirtschaftlich tragfähige Weise Lösungen für Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit entwickeln. Mehr Informationen unter https://www.dbu.de/startup.

Quelle: DBU

(15.12.2023)