Vor der Kathedrale in Antwerpen liegen Nello und sein Hund Patrasche eng umschlungen unter einer Pflasterdecke

Nello und Patrasche von Batist Vermeulen vor der Kathedrale in Antwerpen. Foto: APK / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>.

Der belgische Bildhauer Batist Vermeulen hat die Skulptur nach einer Erzählung der Schriftstellerin Ouida geschaffen

Vor der Kathedrale in Antwerpen auf dem Handschoenplatz gibt es eine außergewöhnliche Skulptur: Sie zeigt den Jungen Nello und den Hund Patrasche, die eng umschlungen unter einer Decke aus Straßenpflaster liegen. Das Kunstwerk ist für die Kinder von dort und die Touristen eine Attraktion.

Die Erzählung dahinter hat die britische Schriftstellerin Marie-Louise De La Ramee im Jahr 1872 geschrieben, nachdem sie die belgische Stadt besucht hatte und entsetzt war, wie man dort mit den Arbeitstieren umging: Nello wird zum Waisenkind und verkauft Milch auf den Straßen der Stadt. Patrasche läuft ihm zu und akzeptiert die Rolle als Zugtier, das das Wägelchen mit der Milch und den Gläsern ziehen muss. Noch vor 100 Jahren hatten viele Haushunde in den Städten solche Rollen.

Trotz allen Elends hat der Junge einen Traum: er würde gerne einmal zwei Gemälde von Peter Paul Rubens sehen, die in der Kathedrale hängen, denn er hat Geschick im Zeichnen – aber die Bilder sind unter Tüchern verborgen und werden nur gegen Bezahlung enthüllt.

Unaufhaltsam reiht sich ein Unglück an das andere, bis Nello schließlich sogar Patrasche verkaufen muss.

Nach einem Schneesturm kommen die beiden wieder zusammen: Patrasche ist dem neuen Besitzer entlaufen, und die beiden Freunde finden im Unwetter den Weg zur Kathedrale, wo Nello die Tücher abhängt und Rubens‘ Werke bewundert.

Am nächsten Morgen werden die beiden erfroren gefunden.

Nello und Patrasche von Batist Vermeulen vor der Kathedrale in Antwerpen. Foto: Zibkip / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>.

Die Schriftstellerin hatte die Geschichte unter dem Titel „A Dog of Flanders“ (Ein Hund aus Flandern) geschrieben und unter ihrem Künstlernamen Ouida veröffentlicht.

Die Not der Armen zum Beginn der Industrialisierung war in weiten Teilen der Welt so groß, dass vielerorts ähnliche Geschichten geschrieben wurden, etwa „A Christmas Carol“ (Carles Dickens, 1843) oder „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (Hans Christian Andersen, 1845). In der Folge kamen soziale Bewegungen auf, die auch die Armut der Kinder abstellen wollten.

Der belgische Bildhauer Batist Vermeulen (Künstlername: Tist) schuf die Skulptur von Nello und Patrasche. Die Materialwahl gibt der Story einen besonderen Touch: für die beiden Freunde in weißem Marmor, die sich eng umarmen, ist selbst das kalte und harte Straßenpflaster eine warme und weiche Decke, die mit großer Kraft die Freundschaft der beiden schützt.

Wir haben die Gelegenheit genutzt, einen Blick auf Kinderarmut heute zu werfen.

Trotz aller Probleme in der Welt ist eine positive Entwicklung festzustellen: laut einer Studie, die das Kinderhilfswerk Unicef im September 2023 für die UN-Generalversammlung vorlegte, fiel die Zahl der Kinder in schlimmster Armut im Jahrzehnt von 2013 bis 2022 von 383 Millionen auf 333 Millionen. Das sind -13%.

Mit schlimmster Armut ist gemeint, dass die Betroffenen nur 2,14 US-$ pro Tag zum Leben haben. In der nächsten Stufe der Statistik sind es 3,65 US-$ pro Tag – die Zahl der Kinder beträgt hier 829 Millionen. Mit 6,85 US-$ pro Tag müssen 1,43 Milliarden zurechtkommen.

Jedoch: die Covid-Pandemie hatte wirtschaftliche Folgen, von denen auch die Kinder betroffen waren. Unicef spricht von „drei verlorenen Jahren in der Entwicklung“.

Der Internationale Währungsfonds schreibt, dass aufgrund der Pandemie im Jahr 2020 in der EU die Zahl der von Armut betroffenen Kinder um 19% zugenommen habe.

Die Mitgliedsländer der UN hatten im Jahr im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsziele verkündet, dass das Ende der Kinderarmut ein zentraler Schritt auf dem Weg zu stabilen Gesellschaften mit umweltverträglicher Wirtschaft sei. Konkret hießen die Ziele damals: bis 2030 die extreme Kinderarmut (hier: 1,90 US-$ pro Tag) verschwinden zu lassen und die Zahl der Kinder in allgemeiner Armut zu halbieren.

Batist Vermeulen

Unicef

International Monetary Fund

(25.12.2023)