Ulrich Rückriems Hauptwerk „40 Bodenreliefs“ noch bis zum 14. Januar 2024 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin

Ulrich Rückriem: „40 Bodenreliefs“ (Ausschnitt).Die Quader des Künstlers lassen die quadratischen Bodenfliesen von Mies von der Rohe quasi in die Höhe wachsen

Noch bis zum 14. Januar 2024 ist in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie in Berlin Ulrich Rückriems Hauptwerk „40 Bodenreliefs“ zu sehen. Die Installation aus quadratischen Granitquadern ist eine Hommage an Ludwig Mies van der Rohe.

Rückriem hatte 1998 der Nationalgalerie das Werk 1998 überlassen. Er hatte damals seine 40 flachen Quader in der leer geräumten Glashalle der Neuen Nationalgalerie ausgelegt. Das Maß der Steine von 120 x 120 cm entspricht dabei genau dem Maß der Bodenplatten.

Nach Vorstellungen des Künstlers sollen sie in einer lockeren Form „schachbrettartig“ über den Hallenboden verteilt werden, so dass auf jeder Längsbahn eine Platte zu liegen kommt. Damit setzte Rückriem dem strengen Raster des Innenraums den spielerischen Rhythmus seiner Quader entgegen.

Ulrich Rückriem: „40 Bodenreliefs“. Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Roman März Ulrich Rückriem: „40 Bodenreliefs“.

Mehr noch: während Mies‘ Bodenfliesen nur zweidimensional sind, springen Rückriems Quader in die Höhe, also in die 3. Dimension. Hier aber verlassen sie die strenge Geometrie, denn auf der Oberseite bleiben sie unbehauen.

Das wiederum hat die faszinierende Wirkung, dass der Betrachter plötzlich sich des strengen quadratischen Rasters von Mies‘ Architektur bewusst wird: auf einmal sieht man die unendlich vielen rechten Winkel im Boden, in den Glaswänden und auch unter der Decke.

Ulrich Rückriem beim Aufbau der „40 Bodenrelief“ September 1998. Foto: Roman März

Rückriem ist bekannt für seine wuchtigen Steinskulpturen. Dazu zählen – auf dem Rasenstück am Reichpietschufer direkt neben der Neuen Nationalgalerie – das große Steinmassiv „Granit Bleu de Vire“ (1985), auch : „Granit (Normandie)“, und die „Stele für Mies“ (2004). Die „Stele für Mies“ entspricht mit den Bodenmaßen 120 x 120 cm wieder exakt den „40 Bodenreliefs“. Ihre Höhe kommt rechnerisch etwa auf 40 übereinander gelegten „Bodenreliefs“.

Ulrich Rückriem wurde am 30. September 1938 geboren und hat 2023 das Alter von 85 Jahren erreicht. Das Jubiläum ist Anlass für die Sonderausstellung. „Was ich mache, ist das Minimale, das Einfache“, sagte er 1977 und fügte hinzu: „Ich glaube, dass das … die Menschen dazu bringt, genauer hinzugucken, wenn es wenig zu sehen gibt.“

Schon immer war der Künstler zugleich daran interessiert, seine Skulpturen so aufzustellen, dass ein Dialog mit dem Umraum entsteht. „Ich suche Orte für meine Skulpturen in der Stadt oder in der Landschaft. Oft fange ich sie erst an, wenn ich eine Umgebung gefunden habe“.

Mit den „40 Bodenreliefs“ setzt die Neue Nationalgalerie die architektonischen Interventionen von Künstlern fort, die Mies van der Rohe und seiner Architektur gewidmet sind.

Neue Nationalgalerie Berlin

Ulrich Rückriem: „Granit Bleu de Vire“, auch: „Granit (Normandie)“.Ulrich Rückriem: „Stele für Mies“.
Blick von der Terrasse in den Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie.

(26.12.2023)