Peter’s Corner: für 2024 und die kommenden Jahre gilt, dass es in der Steinbranche eine ganz neue Vielfalt geben wird, mit neuen Verwendungen für das Material und mit vielen neuen Produktideen

Peter Becker, Chefredakteur von Stone-Ideas.com.

Werfen wir einen Blick auf die Autoindustrie, um zu erklären, was wir mit „Vielfalt“ meinen.

Jene Branche zeichnet sich dadurch aus, dass sie für jeden Geschmack, jeden Zweck und jeden Geldbeutel (oberhalb einer bestimmten Grenze) das passende Auto bereithält.

Das ist eines der wesentlichen Kriterium für den durchschlagenden Erfolg dieses Produktes seit gut 120 Jahren.

Wenn wir auf Naturstein schauen, gibt es diese Vielfalt nicht.

Nun tut sich was.

Beispiel Architektur: Stein kommt wieder als tragender Baustoff in Mode. In den letzten Jahrzehnten war er größtenteils nur zur Dekoration eingesetzt worden. Beispiele waren Verkleidungen von Fassaden, Böden oder Wänden, oder von Elementen wie Arbeitsplatten.

Der Anlass für die wachsende Verwendung von massivem Stein ist der ökologische Fußabdruck eines Gebäudes.

Das Thema kommt mit Nachdruck auf den Markt: der deutsche Natursteinverband (DNV) wird auf der Messe Stone+tec im Juni 2024 einen Kongress in englischer Sprache zum Massivbauen mit Naturstein veranstalten. Dort werden Praktiker und Experten von Hochschulen das Thema diskutieren.

Bisher gab es diese Verwendung von Stein allenfalls in Nischen.

Und: An diesem Kongress zeigt sich, dass auch bei den Natursteinmessen eine Vielfalt im Entstehen ist.

Hier hat eine kleine und Schau ein großes Thema der Zukunft aufgegriffen, und man kann vermuten, dass sie es zu ihrem Markenzeichen machen wird. Wir reden von der Rocalia alle zwei Jahre im November/Dezember in Lyon: sie behandelt als einzige Branchenschau in einem Schwerpunkt das Thema der Trockenmauern.

Auch hier wird ein „grünes“ Aktionsfeld für die Steine aufgegriffen.

Massive Konstruktionen mit Naturstein ermöglichen das Bauen und Wohnen mit geringem CO2-Fußabdruck. Wohlgemerkt: die Rede ist nicht vom Stil des Gebäudes, sondern allein vom Material.Produktdesign mit Naturstein aus China: funktionell und in Massenproduktion herstellbar. Designer Femo Wong: Beistelltisch „Pisa“.

Noch mehr Vielfalt zeichnet sich ab im Bereich des Produktdesigns, also bei Gegenständen für den alltäglichen Bedarf aus Stein. Dieses Feld war seit den 1960ern das alleinige Terrain der italienischen Firmen und ihrer Messen Marmotec in Carrara und Marmomac in Verona. Die, damals noch: Marmomacc hatte sich mit ihrer Initiative Marmomacc Meets Design und später dem Italian Stone Theater dabei größte Verdienste erworben.

Inzwischen haben auch andere Länder das Thema professionell angepackt, indem sie junge Designer und Studenten zu Wettbewerben einladen. Es handelt sich vor allem um die Türkei mit ihren Verbänden IMIB und EIB und die Messe Marble in Izmir. Zu erwähnen ist auch der schwedische Natursteinverband Sveriges Stenindustriförbund. Und auch in Brasilien waren, angestoßen vom Verband Abirochas, auf der Messe in Vitória schon gelungene Designideen zu sehen.

Vielfalt bringen sie insofern, als sie das Thema Produktdesign nüchtern und ohne künstlerische Ambitionen angehen: benutzbare Gegenstände für den Alltag sind die Zielsetzung. Vor allem sollen die Objekte sich verkaufen, nicht nur Experimente sein. Von den Ideen aus Italien konnte man das nicht immer sagen.

Einen Schritt weiter in diesem Bereich sind schon die Designer aus China, wie sich 2023 auf der Messe in Xiamen zeigte. Wir haben einige der Produkte gezeigt, und wir wagen die Vorhersage: wenn diese Objekte im Westen auf den Markt kommen – im Moment finden sie noch hinreichend Nachfrage zuhause – wird das Produktdesign hier kräftig wachgeschüttelt.

Das wird sehr zum Vorteil der Verbraucher sein, und damit zum Vorteil der Steinbranche. Denn dann ist es wie bei beim Automobil: jeder Kunde findet das richtige Design für seinen Geschmack, seinen Zweck und seinen Geldbeutel.

Und als Material für solcherart Vielfalt stehen ihm die Schönheit der Natursteine aller Herren Länder zur Verfügung.

Jedoch: Wird das nicht die Exklusivität von Naturstein zerstören und eine Abwertung des Materials mit sich bringen?

Keinesfalls. Die Gold- und Silberbranche zeigt, dass und wie man die unendlich große Zielgruppe der Freunde von Schönheit und Wert anspricht.

(08.02.2024)