Stilisierte Kraniche im Pflasterbelag vor der Kirche Sankta Helena in Skövde, Schweden

Pflasterbelag vor der Kirche Sankta Helena in Skövde.Pflasterbelag vor der Kirche Sankta Helena in Skövde.

Landschaftsarchitekt Thorbjörn Andersson wollte den berühmten Vogelzug aus der Region abstrakt in den Ort holen und den Bürgern einen Platz mit Aussagekraft geben

Eines der faszinierendsten Schauspiele in der Natur sind die regelmäßigen Wanderungen der Tiere in der Luft, zu Wasser und zu Land. Manche sehen darin die Perfektion der Natur, andere einen Ausdruck der schöpferischen Kraft Gottes. Im Pflaster vor der Sankta Helena-Kirche in der schwedischen Stadt Skövde ist der Zug der Kraniche nun abstrakt dargestellt: anstelle eines regelmäßigen geometrischen Musters sind hier Trapeze über den Platz verteilt, bei denen man allenfalls ahnen kann, dass sie mit einer Richtung angeordnet sind.

Das Konzept stammt von dem Landschaftsarchitekten Thorbjörn Andersson von Sweco Arkitekter. Er hat es in der Zeitschrift „Sten“ (2/2023) des schwedischen Natursteinverbands erläutert: der Platz vor der Kirche sollte als Ort der Begrüßung einladend wirken, auch einen Hinweis auf die Kunstwerke im Innenraum des Gotteshauses geben, nicht zuletzt als öffentlicher Raum einladen zum Hinsetzen und Reden mit anderen Leuten.

„Wer sich hinsetzt, soll einen Überblick über den Platz haben, über die Leute die da kommen und vorbeigehen“, so Andersson über seine Idee.

So kam es dazu, dass der Platz gegenüber der vorherigen Gestaltung eine Öffnung erfuhr und mit Sitzplätzen versehen wurde.

Mittels der Pflasterung bekam er eine Ausrichtung auf die Kirche an der einen Seite: Unmittelbar vor ihrem Eingang liegen die Trapeze der Vögel. Um aber eine übermächtig starke Richtung zu vermeiden, sind die Reihen senkrecht zur Kirche geschwenkt – die Vögel ziehen eher vor dem Gotteshaus vorbei als über es hinweg.

Vielleicht erfolgt der Blick auf ihre Reihen auch von ganz weit obendrüber, also aus der Höhe der Wolken.

Pflasterbelag vor der Kirche Sankta Helena in Skövde.

Jährlich im Herbst und im Frühjahr machen etwa 100.000 Kraniche auf ihrem Weg Station auf dem Hornborgasjön-See, der nicht weit entfernt von Skövde in der Västgötas-Ebene liegt. Das Spektakel zieht viele Touristen an, zumal der See im 19. Jahrhundert der Landgewinnung zum Opfer gefallen war, aber später mitsamt seinem Schilfgürtel wiederhergestellt wurde.

Seine Gesamtfläche misst heute etwa 300 km² – die abstrahierten Vögel vor der Kirche mit einer Gesamtfläche von 400 m² sind also mit großzügiger Geste in die Stadt geholt. Ihr Material ist der helle Tossene-Granit und der dunkle Diabas, beide zwecks Rutschhemmung geflammt. An den Seiten finden sich Stufen und Mauersteine aus Bjärlövs-Granit.

Schön an der Gestaltung ist auch die anfängliche Irreführung des Betrachters: zunächst denkt man, dass da der Holzwirtschaft Tribut gezollt wurde und sieht in den Trapezen die Zähne von Kettensägen. Das Geräusch, das man jedoch anschließend mit den Zugvögeln im inneren Ohr hört, ist ein ganz anderes.

Pflasterbelag vor der Kirche Sankta Helena in Skövde.

Übrigens: Kürzlich gab das Royal Netherlands Institute for Sea Research neue Erkenntnisse zum Vogelzug bekannt: die Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica) hält den Weltrekord. Sie beginnt ihre Reise in Alaska und fliegt in einem Zug die 12.000 km bis Neuseeland herunter. Dabei vollbringt sie in mehr als einer Woche über dem offenen Ozean eine Meisterleistung in Orientierung und Ressourcenmanagment. Bekannt ist, dass die Tiere an ihre Grenzen gehen: „Wir wissen, dass die stark abgemagerten Vögel nach ihrer Ankunft nur eines wollen: schlafen, nicht fressen,“ sagt einer der Forscher.

Der Klimawandels bedroht diese Tiere besonders.

Thorbjörn Andersson

Sten (2/20023) (schwedisch)

Royal Netherlands Institute for Sea Research

Ein Paar der Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica). Foto: Onioram / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

(10.01.2024)