Neal Barab: ein Bildhauer aus Kalifornien in Pietrasanta am Fuß der weißen Marmorberge

Neal Barab: „Trav Femme“.Unverkennbar in seinen aktuellen Arbeiten ist die Prägung durch den Vater, der bei der Spielzeugfirma Mattel arbeitete

Die aktuellen Skulpturen von Neal Barab lassen sich mit zwei Worten beschreiben: spielerisch und farbenfroh. In der Reihe „Personaggi“ (Personen) sind es kleine Phantasiegestalten, und man muss nur in den Werdegang des Künstlers aus Kalifornien schauen, um den Ursprung der Ideen zu sehen: Neal Barabs Vater arbeitete für die Spielzeugfirma Mattel, und Neal war als Kind eingeladen, die Produkte in Augenschein zu nehmen. „Einige seiner frühen Kindheitserfahrungen waren wegweisend für seine spätere Entwicklung als Bildhauer“, schreibt ein langjähriger Freund auf der Webpage, „das Konzept von Spaß und Farbe hat ihn seitdem begleitet.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – wir könnten also unsere Arbeit hinlegen und über Neal Barabs Webpage blättern.

Neal Barab: „Top Hat“.

Aber wir sind verquast, so wie Journalisten das nun mal sind, das ist bekannt, und wir haben viel recherchiert, und wollen das nun auch loswerden. Vielleicht schätzen die Leser es ja, wenn sie die folgenden Information komprimiert bekommen:
* Neal studierte an der University of California in Santa Cruz;
* danach lockte ihn der Ruf der Bildhauersymposien in die Welt und der Ruf von Pietrasanta in das Bildhauerstädtchen zwischen Carrara und Pisa,
* wo er später zu den Gründern des Studios Pescarella gehörte.

Neal Barab: „Scout“.

Alles in allem also ganz normal wie bei vielen international erfolgreichen Bildhauern: die Kunst ist seine Berufung und Lebensaufgabe, und natürlich auch Spaß und ein Weg zum Geldverdienen.

Das gab ihm mittlerweile auch die Freiheit, die monumentalen Formen beiseite zu legen und sich den kleinen Kunstwerken zuzuwenden.

Neal Barab: „Boy“.

Bei denen hat die Farbe eine zentrale Rolle: entweder ist sie aufgetragen auf weißen Marmor oder wird von verschiedenen Steinen zu einer Gesamtfigur mitgebracht.

Dass es manchen Kollegen nicht gefällt, dass Marmor von Menschenhand Farbe bekommt, beantwortet er, ohne dass wir gefragt hätten: „Ich verwende Marmor und ich mache Skulpturen, aber am wichtigsten ist, dass ich Kunst mache. Die hat keine Grenzen.“

Das schreibt er ganz ohne Aufregung.

Neal Barab: „Big Dog“.

Lieber – wir vermuten – blickt er an sich und an seinen Skulpturen auf und ab und stellt dabei mit Schmunzeln fest: „Ich bin ein kalifornischer Künstler, obwohl ich schon seit 30 Jahren in Pietrasanta lebe. Je länger ich weg bin, desto mehr wird klar, dass ich eine kalifornische Ästhetik und Mentalität habe.“

Nach Pietrasanta gehen, um in Kalifornien anzukommen, sozusagen.

Man darf gespannt sein, ob ihn das Leben noch woanders hin verschlägt. Für den Moment jedenfalls gilt: „Ich fühle mich kreativ und produktiv in der Blüte meines Lebens. Manchmal halte ich mitten in meiner Arbeit inne und lache. Es ist so gut, das kreative Leben, der Marmor, Italien, meine Familie und Freunde. Danke Euch allen.“

Neal Barab

Studio Pescarella

Photos: Benvenuto Saba

Neal Barab.

(19.01.2024)