Peter’s Corner: Was kann es für Brasiliens Steinbranche bedeuten, dass die Messe in Vitória vom Eigentümer Veronafiere nach São Paulo verpflanzt wird und den neuen Namen „Marmomac Brazil“ bekommt?

Flavia Milanez, CEO von Milanez&Milaneze, und Matteo Gelmetti, Vizepräsident der Veronafiere. Foto: Veronafiere

Für die Steinfirmen im brasilianischen Bundesstaat Espírito Samto (ES) muss es gewesen sein wie für die Italiener aus der Provinz Verona in dem – fiktiven – Fall, dass ihre Marmomac von Verona nach, zum Beispiel, Mailand verschoben und umbenannt wurde. Denn die Vitória Stone Fair in ES, die wichtigste Steinmesse in Süd- und Mittelamerika, wird künftig in der Metropole São Paulo stattfinden und „Marmomac Brazil“ heißen. Das wurde von Matteo Gelmetti, Vizepräsident der Veronafiere, gemeinsam mit Flavia Milanez, CEO von Milanez&Milaneze angekündigt. Schauplatz war der 1. Tag der Messe in Vitória (30. Januar – 02. Februar 2024).

Auf der Webpage der Vitoria-Messe werden Datum und Ort der neuen Schau genannt: vom 18. – 20. Februar 2025 im Distrito Anhembi. Dort gibt es ein Eventgelände.

In einer Pressemitteilung von Veronafiere in italienischer Sprache und per Mail verschickt, werden Gründe für die Neuerung genannt: „Es handelt sich um ein Rebranding und eine strategische Neupositionierung mit einem doppelten Ziel: zum einen das weitere Wachstum der Vitória Stone Fair, um ihre führende Rolle für die mittel- und südamerikanische Steinbranche zu stärken, zum anderen die Suche nach neuen Möglichkeiten in Nordamerika, dem führenden Importeur von Naturstein aus Brasilien.“

Und Maurizio Danese, CEO von Veronafiere, wird zitiert: „Die Verbindung der Marke Marmomac mit unserer Messe in Brasilien ermöglicht es uns, neue Synergien zwischen den beiden Messen zu schaffen, sowohl in Bezug auf das Cross-Marketing als auch auf die neuen Anbieter, indem wir von der großen weltweiten Marmomac-Gemeinschaft profitieren.“

Zur Veronafiere gehören in Brasilien auch die Cachoeiro Stone Fair, die Mec Show und die Wine South, das Pendant zur weltweit führenden Weinmesse Vinitaly in Verona.

Auf der Website der Vitória Stone Fair äußern sich die Offiziellen der Branche zu der Neuerung: Ed Martins vom regionalen Steinverband Sindirochas sagt, es würde die Branche in seinem Bundesland „weiterbringen“, und Tales Machado vom landesweiten Verband Centrorochas begrüßt die „neuen Möglichkeiten“, die die Zusammenarbeit mit der Marmomac bringe.

Vitória ist die Hauptstadt des Bundesstaates Espírito Santo und liegt gut 700 km südlich des neuen Standorts seiner Messe.

Espírito Santo ist das Zentrum von Brasiliens Natursteingewinnung und -verarbeitung: mehr als 80 % der Steinexporte des gesamten Landes gehen von hier nach Übersee.

São Paulo hingegen ist der Riese im Konsum und in Kontakten: allein in der Stadt als solcher leben 12 Millionen Menschen. Der Ballungsraum Grande São Paulo wird auf 21,5 Millionen geschätzt und kann sich mit Zentren in Asien vergleichen.

Dort ist die Messe Revestir zuhause, die jährlich im Monat März stattfindet, ist der wichtigste Schauplatz für Inneneinrichtung und Dekoration in Brasilien. Sie zieht viele Aussteller aus der Steinbranche an.

Dass Vitória einen Hafen vor der Haustür hat, derjenige von São Paulo aber 100 km entfernt in Santos liegt, dürfte kein wirkliches Problem für potenzielle Aussteller in Anhembi darstellen, denn man kennt sich aus mit Transporten auf der Straße: in der Vergangenheit war es eigentlich permanent so, dass die Hafen-Kapazitäten in Vitória nicht ausreichten und ein Teil der Steine für die USA zunächst per LKW nach Santos gebracht werden musste.

In ES verbleibt die Cachoeiro Stone Fair. Sie wurde im letzten Jahr mit Regierungsmitteln modernisiert und international bekannter gemacht.

Eingang zur Vitória Stone Fair 2024.

Jedoch bedeutet der Wegzug der Vitória-Messe für ES mehr als nur einen gewaltigen Statusverlust, denn mit dem Klimawandel steht Brasiliens Steinbranche vor einer gewaltigen Herausforderung: Die exotischen Quarzite, die im Moment die großen Renner auf den Weltmärkten sind, werden zwar in ES verarbeitet, aber im Norden vor allem im Bundestaat Ceará abgebaut.

Von dort gehen sie zur Verarbeitung nach ES, und danach wieder in Richtung Norden zu den Kunden.

In Ceará aber, genauer: in dessen Hauptstadt Fortaleza, gibt es seit eingen Jahren Bemühungen, dass die Verarbeitung vor Ort bleiben soll. Dafür wurde die Messe Fortaleza Brasil Stone Fair (FBSF) ins Leben gerufen; der neue Hafen inklusive Freihandelszone zielt auch in diese Richtung.

Jedoch war die FBSF bisher nicht wirklich erfolgreich: es gelang kaum, Steinfirmen aus dem Süden als Aussteller und Verabeiterin den Norden zu locken.

Sobald aber die Verbraucher in den USA den ökologischen Fußabdruck der importierten Produkte stärker beachten, könnte der Norden Brasiliens sich plötzlich als neuer Hub für Brasiliens Steinbranche entwickeln.

Zur Erinnerung: Vor ES waren Bundesstaaten wie Rio de Janeiro und andere das Zentren der Branche gewesen.

Ist also Weltuntergangsstimmung in ES das Gebot der Stunde? Keinesfalls.

Erstens ist Brasilien selbst ein vielversprechender Markt; bisher wird er von den heimischen Steinfirmen nur unzureichend bearbeitet.

Zweitens: Die Südhalbkugel hat nicht nur Ozeane. In Australien zum Beispiel haben Italien, China und andere Exporteure aus dem Norden ertragreiche Absatzmärkte erobert. Und: in Afrika gibt es Länder mit einer Mittelschicht und Reichen.

Vitória Stone Fair: Mitteilung

Veronafiere: Presseerklärung (italienisch)

(02.02.2024)