Das Tuwaiq Sculpture Symposium in der saudischen Hauptstadt Riad ist in vielerlei Hinsicht weltweit einmalig

Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.

Vom 14. Januar bis 08. Februar 2024 erstellten insgesamt 30 Teilnehmer aus der ganzen Welt ihre monumentalen Arbeiten

Hier eine Liste der Bildhauer und ihrer Werke: https://www.stone-ideas.com/105464/tuwaiq-sculpture-symposium-2024-kunstler-und-arbeiten/

Das Tuwaiq Sculpture Symposium in Saudi-Arabien fand 2024 zum 5. Mal statt. Es ist der Beginn und gleichzeitig der Höhepunkt des Symposium-Jahres: vom 14. Januar bis 08. Februar erstellten insgesamt 30 Teilnehmer aus der ganzen Welt Ihre Arbeiten in Rosh Front, einem öffentlichen Gelände in Riad. Die Ausstattung seitens der Gastgeber war wie üblich mehr als üppig: die Hauptstadt des größten Staats in der Golfregion schüttete ein Füllhorn an Honorar, Betreuung und Bequemlichkeiten über den Teilnehmern der Veranstaltung aus.

Kein anderes der jährlich rund 50 Symposia weltweit kommt auch nur in die Nähe dieser Bedingungen.

Das hat verschiedene gute Gründe, und der wichtigste lässt sich am Thema der Veranstaltung ablesen: „Dimensions of Movement“ lautete er 2024. In anderen Worten: Die Veranstaltung ist ein Teil der Transformation des Königreichs zu einem modernen Staat. „Vision 2030“ nennt sich das Konzept, das der saudische Kronprinz und Premierminister Mohammed bin Salman im April 2016 ausgerufen hat.

Die Kulturpolitik spielt dabei eine besondere Rolle, zusammen mit der Schaffung einer vielfältigen Wirtschaft in einem vielfältigen Staat. Wir werden das in einem separaten Artikel näher beleuchten.

Der Name Tuwaiq, auszusprechen mit „ei“, nicht mit „ai“, bezieht sich auf die Berge nahe Riad. Es handelt sich um spektakuläre Steilhänge mit 600 m Höhe am Rand des Najd-Plateaus.

Rund 700 Bewerbungen aus 84 Ländern hatte es in diesem Jahr für das Symposium gegeben. Man muss sich das praktisch vorstellen: wenn die Auswahljury nur eine einzige Minute pro Einreichung aufwendet, also jeden Antrag weniger als überfliegt, ist sie schon knapp 12 Stunden beschäftigt.

Aber, wie gesagt: Das Tuwaiq Symposium hat seine eigene Größenordnung.

Bildhauer Antonio Vigo bei der Arbeit. Assistent Mahmoud Abdullah (Ägypten) und Bildhauer Antonio Vigo (Spanien), rechts. Foto: Antonio Vigo

Dazu gehört auch, dass 60 erfahrene Steinmetze aus Assuan in Ägypten als Assistenten eingeflogen worden waren. Sie gingen den Künstlern zur Hand. Denn bei Tuwaiq werden monumentale Arbeiten erstellt, diesmal in Granit, der bekanntlich eine brutale Härte hat.

20 der Künstler kamen aus dem Ausland, zehn aus Saudi-Arabien. Insgesamt war ein Drittel von ihnen Frauen.

Solch ein Auftreten von Frauen in der Öffentlichkeit ist für Saudi-Arabien etwas Besonderes. Beeindruckend dabei war, wenn im Verlauf der drei Wochen die ganze Familien von den Großeltern bis zu Kindern oder Geschwistern vorbeikamen, um die Arbeit der großen Tochter und Schwester zu bewundern.

Verwendet wurde ausschließlich Granit aus Saudi-Arabien mit verschiedenen Farben: Royal Rose, Green Raniya, Royal Gold. Im Jahr 2023 waren ebenfalls ausschließlich saudische Natursteine verwendet worden, aber gemeinsam Granit und Sandstein. Sie kamen aus der Umgebung der Haupstadt und werden unter dem Titel Riyadh Stone vermarktet.

Zwar ist goldgelber Kalkstein das vorherrschende Material an den Wohnhäusern oder mittelgroßen Geschäftsbauten in Riad. Granit findet sich aber an zahlreichen besonderen Objekten, etwa dem Kingdom Tower in Jeddah, dem King Fahd Causeway zwischen Bahrein und Saudi-Arabien oder der Großen Moschee in Mekka (Masjid al-Haram), um nur einige zu nennen.

In repräsentativen Innenräumen oder bei reichen Leuten werden gern ausländische Marmore oder auch exotische Sorten verwendet.

Die Wertschätzung, die der Veranstalter Riad Art den Künstlern des Symposiums entgegenbringt, lässt sich auch daran ablesen, was mit den fertigen Arbeiten passieren soll: Man will damit die Stadt verschönern und Kunst in den Alltag der Bürger bringen. Auch hier wird groß aufgespielt: „Wir wollen 1000 Kunstwerke aus den zurückliegenden und kommenden Symposien in der Stadt verteilen“, so Sarah Fahad Alruwayti, Direktorin des Symposiums und Mitglied der Königlichen Kommission für die Stadt Riad.

Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.

Das ist nicht bei jedem Symposium so, auch wenn es überall in den Ausschreibungen versprochen wird. Oft werden stehen mit der Abreise der Künstler die Arbeiten nur noch verloren irgendwo herum.

Bei Tuwaiq soll das nicht so geschehen, sagt auch Chefkurator Marek Wolynski im Gespräch: „Wir wollen uns mit den Künstlern abstimmen, wo ihre Arbeiten platziert werden.“ Erfahren mit den Gegebenheiten in der Kunstwelt fügt er aber hinzu, dass die Umsetzung der Künstlerwünsche „nur begrenzt möglich sein wird“. Wolynski ist zum 2. Mal Chefkurator der Veranstaltung. Er stammt aus Polen, ist inzwischen in London zuhause und international in großen Kulturprojekten aktiv.

Und, nicht zuletzt: die Kunstwerke sollen nicht einfach über den Bürgern von Riad ausgeschüttet werden, so Direktorin Sarah Fahad Alzuwayti: „Es soll nicht so sein, dass die Leute abends von der Arbeit zurückkommen und da steht dann plötzlich etwas vor ihrer Haustür.“

Bürgerbeteiligung ist das Stichwort.

Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.

Aus diesem Grund gab es rund um das Symposium ein Rahmenprogramm, etwa mit Besuchen von Schulkindern.

Zuletzt blieben alle fertigen Arbeiten in einer Ausstellung bis 24. Februar 2024 am Ort des Symposiums. An mehreren Abenden gab es dort Diskussionen, und bei einer dieser Veranstaltungen kam aus dem Publikum ein Vorschlag, der der Direktorin sehr gut gefiel: „Man könnte doch auch in anderen Städten in Saudi-Arabien so ein Symposium machen“, hieß es.

Die Ausschreibung zum kommenden Symposium wird es voraussichtlich Ende Juli 2024 geben. Wir werden rechtzeitig in unserem Kalender der Symposia darauf hinweisen (Link siehe unten).

Und: Bemerkenswert ist auch, dass Riad mit dem Symposium auf den besten Weg ist, zur Welthauptstadt der Steinbildhauer zu werden. Zumal die Jury einige Arbeiten ausgewählt hatte, die über die klassische Steingestaltung hinausgingen.

Die Jury für die Auswahl der Teilnehmer bestand aus:
* Dr Khulod Albugami, Bildhauer und Assistant Professor am College of Art and Design an der Princess Nourah University;
* Nojoud Alsudairi, Mitbegründer von Syn Architects, Künstler und Architekt mit Fokus auf Identitäten, die in der urbanen zeitgenössischen saudischen Kultur verwurzelt sind;
* Dr. Fahad Al-Jebreen, Bildhauer und Assistenzprofessor an der King Saud University, stellvertretender Kurator von Tuwaiq Sculpture 2024;
* Sebastiano Barassi, Kurator und Kunsthistoriker, der als Kurator an der Courtauld Gallery, der University of Cambridge und der Henry Moore Foundation im Vereinigten Königreich tätig war und ist.

Tuwaiq Sculpture Symposium

Riyadh Art

Calendar of (Sculpture)Symposia

Fotos: Riyadh Art

Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.

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(04.03.2024)