Der Friedhof des Dörfchens Saint-Antonin-sur-Bayon holt die Trockenmauern aus der Umgebung in die Begräbnisstätte

Architekturbüro Régis Roudil: Friedhof des Dörfchens Saint-Antonin-sur-Bayon.Paul Cézanne: Montagne Sainte-Victoire (1888-1890). Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Er liegt am Fuß des Bergmassivs Sainte Victoire, dem Cézanne mehr als 80 Bilder gewidmet hat

Das Dörfchen Saint-Antonin-sur-Bayon in Südfrankreich ist in eine ganz besondere Landschaft eingebettet: auf der einen Seite hat es den Bergrücken Sainte Victoire, der wie aus dem Nichts in den Himmel zu streben scheint, und auf der anderen den freien Blick über die Provence in Richtung Mittelmeer. Der Maler Paul Cézanne war fasziniert von der Gegend und hat das Bergmassiv in mehr als 80 Gemälden festgehalten, und schon die Römer siedelten sich dort an. Aix-en-Provence liegt nur ein paar Kilometer von dem Dörfchen entfernt.

Die Gemeinde hat laut Webpage 124 Einwohner, war rund 100 Jahre vorher schon mal runter auf 48 Einheimische, verfügt aber über einen eigenen Friedhof. Der musste nun erweitert werden, und das Architekturbüro Régis Roudil, zu Hause in Aix-en-Province, wollte sensibel mit der alten und der neuen Anlage sowie der Gegend drumherum umgehen.

Ziel war: „Jeder Eingriff musste sensibel, zurückhaltend und nachhaltig erfolgen“, wie die Architekten schreiben. Bildhaft ausgedrückt: Die Planer wollten die Landschaft in den Friedhof als Ort für die Toten und die Hinterbliebenen integrieren.

Architekturbüro Régis Roudil: Friedhof des Dörfchens Saint-Antonin-sur-Bayon.Architekturbüro Régis Roudil: Friedhof des Dörfchens Saint-Antonin-sur-Bayon.

Das prägende Element in ihrer Gestaltung sind die Außenmauern der Grabanlage. Sie sind 1,60 m hoch und 80 cm dick und bestehen ganz aus Brocken des Kalksteins Pierre de Rians, der in der Nachbarschaft gewonnen und meist zu Schotter verarbeitet wird.

Solche Mauern findet man überall in der Gegend, sie sind uralt und stützen die Terrassen an den Hängen. Trockenmauern sind es, also ohne Mörtel aufgeschichtet und an die Schräge des Berghangs angelehnt.

Am neuen Friedhof aber mussten sie in Teilen frei stehen. Weshalb sie dort im Inneren einen Kern mit Mörtel aus irdenem Material haben. Nur außen sind sie echte Trockenmauern mit unverputzten Fugen.

Architekturbüro Régis Roudil: Friedhof des Dörfchens Saint-Antonin-sur-Bayon.

Markant ist der Zugang zur neuen Anlage: dafür ist auf zwei Seiten die Außenmauer ein paar Meter hangabwärts verlängert. Aufgrund der Steigung entstehen so Rampen, die für Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit geeignet sind und zum Betreten einladen.

Die Tore sind als einfache Stahlgitter gestaltet.

Ein Zugang für die Friedhofsarbeiter mit ihren Maschinen befindet sich als Portal in einer Seite der Mauer.

Der Friedhof liegt etwas außerhalb der Ortschaft an der Landstraße, über die viel Verkehr nach und von Aix-en-Provence fließt. Unmittelbar daneben starten die Wanderwege, das Bergmassiv erklimmen.

Atelier Régis Roudil Architectes

Saint-Antonin-sur-Bayon

Architekturbüro Régis Roudil: Friedhof des Dörfchens Saint-Antonin-sur-Bayon.

(22.03.2024)