Zu den Fensterschürzen in der Region rund um Bayreuth gibt es nun eine Webpage

Fensterschürze in Hochtheta. Foto: Roehrensee / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Ein engagierter Verein beschreibt die Geschichte dieses Fassadendekors aus Steinmetzhand und zeigt Beispiele

Die bekannten Fensterschürzen haben nun eine Webpage zur Information und Dokumentation. Es handelt sich um handgefertigten Fassadenschmuck an bäuerlichen Sandsteinhäusern im Bayreuth-Kulmbacher Umland. Sie sind Zeugnisse aus jener Zeit nach 1775, als auch auf dem Land profane Gebäude aus Stein errichtet wurden.

Als einer der Gründe für die damalige Hinwendung der Menschen zum Massivbauen mit Stein gilt die Überlastung der Wälder: Im Zuge der frühen Industrialisierung mit Glashütten, Eisenschmelzen oder Schmieden wurden große Teile der Baumbestände zwecks Erzeugung von Holzkohle abgeholzt oder zumindest schwer geschädigt.

Haus mit Fensterschürzen in Heßlach. Foto: Werner Schamel / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Holzkohle war vor der Steinkohle der bevorzugte Brennstoff für die damaligen Energiefresser – zwar kam die Steinkohle an vielen Stellen bis an die Oberfläche, war aber wegen wegen ihres Gehalts an Schwefel und Phosphor für die Industrieöfen nicht zu verwenden.

In der Folge gab es strenge Einschränkungen der Behörden bezüglich des Abholzens im Wald. Er war seit alters her ein kostenloser Garten gewesen, an dessen Rand die Menschen Beeren sammelten oder in dessen Unterholz Buchecker und Eicheln als Nahrung für Weidetiere dienten.

Die Mehrzahl der bäuerlichen Steinbauten rund um Bayreuth entstand erst nach 1810, heißt es auf der Webpage. Typisch für sie wurden schnell die bildreich als „Fensterschürzen“ bezeichneten Muster an den Fassaden.

Fensterschürze in Forchheim, rein grafische Gestaltung, wie man sie vielerorts findet. Foto: Tilman2007 / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

„Aus der anfangs einfachen Gestaltung entwickelte sich ein ganz eigener Stil, der bisweilen auch als ,Bauernbarock‘ bezeichnet wird“, wird auf der Webpage gesagt. Dort sind zahlreiche Beispiele gesammelt.

Initiiert wurde das Projekt vom eingetragenen Verein „Rettet die Fachwerk- und Sandsteinhäuser!“ mit der Vorsitzenden Brigitte Trausch und inzwischen 320 Mitgliedern. Gefördert wurde es vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken (ALE). Unterstützung kam auch von den ILE- Regionen „Markgrafen- und Bischofsland“, „Rund um die Neubürg“ und „Frankenpfalz im Fichtelgebirge“. Die Abkürzung ILE steht für Integrierte Ländliche Entwicklung und ist ein Förderinstrument der Bundesländer und der Europäischen Union.

Webpage Fensterschürzen

Alle Fensterschützen-Objekte in der Region in einer Karte, zum Download am Fuß der Seite

(16.05.2024)