Ausstellung „Göttinnen und Gattinnen. Frauen im antiken Mythos“ bis 15. März 2025 im Alten Museum in Berlin

Statue der Artemis, Ende 2. Jh. n. Chr. © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes Laurentius

Die Schau zeigt, dass die berühmten Damen ehemals mehrdeutige Figuren waren und erst später ihre heutigen Rollen bekamen

Monströs wie Medusa, schön wie Aphrodite, treu wie Penelope – viele Frauen der antiken Mythologie sind vor allem durch Stereotype weiblicher Rollenbilder bekannt. Zurzeit aber werden diese Klischees wieder gebrochen, dies unter anderem in aktuellen Romanen für Jugendliche und Erwachsene. Jedoch waren die Gestalten schon in der Antike mehrdeutig:
* Medusa, die jeden in Stein verwandelte, der sie anblickte, war eigentlich ein junges und schönes Mädchen, das der Meeresgott Poseidon vergewaltigt hatte – Athena, in deren Tempel es geschah, war so erzürnt, dass sie das Mädchen (!) in das böse Monster verwandelte;
* Aphrodite galt den Menschen der Antike als große Schönheit und vor allem als Beschützerin von Sexualität und Fortpflanzung in der Ehe – jedoch hatte sie selbst, obwohl mit dem Schmiedegott Hephaistos verheiratet, Sex auch mit anderen Partnern und trug sogar ein Schwert, und in römischer Zeit ließen sich sogar Eheleute gerne wie Aphrodite und ihr Ehemann darstellen;
* Penelope war nicht nur die geduldige Ehefrau, die 20 Jahre lang darauf wartete, dass ihr Gatte Odysseus nach dem trojanischen Krieg wieder den Weg nach Hause fand – gleichzeitig agierte sie als erfolgreiche Managerin am heimischen Hof und hielt sich selbstbewusst mit einer List andere Männer vom Leib.

Kopf der Penelope, 1. Jh. n. Chr. (römische Kopie eines griechischen Originals um 470/60 v. Chr.). © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes Laurentius

Die Ausstellung „Göttinnen und Gattinnen. Frauen im antiken Mythos“ bis 15. März 2025 thematisiert die alten Mythen aus zwei Perspektiven: der antiken und der modernen. Im Zentrum stehen zwölf Frauenfiguren von den berühmtesten Göttinnen wie Aphrodite bis hin zu weniger bekannten Heldinnen wie Atalante. Lebensgroße Statuen, detaillierte Vasenbilder und kleine Schmuckstücke zeigen, wie man diese Frauen in der Antike darstellte und welche Geschichten ihre Bilder erzählen.

Heute finden wir diese Göttinnen und Heldinnen überall. Meist werden jedoch nur Klischeevorstellungen gezeigt.

Die Ausstellung zeichnet ein vielfältigeres Bild. Viele der Damen wurden erst in den letzten Jahrhunderten zu den heute bekannten Stereotypen – bestimmt durch die männliche Interpretation der Figuren. Zurzeit wendet sich das Blatt wieder.

Fingerring mit Kameo: Kopf der Medusa. © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes LaurentiusAch ja, Penelopes List: Sie gab vor, mit der Arbeit an einem Leichentuch für jemand aus der Familie beschäftigt zu sein und sich deshalb emotional nicht auf einen neuen Partner einlassen zu können – in Wirklichkeit trennte sie die Näharbeit von tagsüber nachts zusammen mit den Dienerinnen wieder auf. Aber auch das ist schon wieder Interpretation und Ausdrucksweise in moderner Sprache.

Schon die frühen griechischen Texte bezeichneten Penelope deshalb als treu und klug und vernünftig, wie es in den Presseunterlagen des Museums heißt.

Altes Museum, Berlin, bis 15. März 2025

(28.05.2024)