Streets of London für Touristen: die Steine auf Londons Pflaster und an den Fassaden mit einer App erkunden

Das Queen Victoria Memorial in London von Bildhauer Sir Thomas Brock, vollendet 1924. Foto: Paasikivi / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Das Projekt „London Pavement Geology“ hält geologische Informationen mit Orientierungshilfen bereit

Für Touristen mit Interesse an Natursteinen gibt es vor dem Buckingham Palace in London nur zwei Fragen: „Was macht der König?“ ist die erste, und „Welches Material findet man an den Fassaden?“ ist die zweite. Antworten auf die 2. Frage gibt nun eine App, die man kostenlos herunterladen kann: an der Buckingham-Ostfassade, wo alle Besucher hin pilgern, ist es Caen Kalkstein. Der wurde im mittleren Jura gebildet, ist ein Sedimentgestein und wurde in Steinbrüchen in der Normandie abgebaut. Dann folgt in der Beschreibung noch ein Foto mitsamt der Adresse des Palastes, und der Name der nächstgelegenen U-Bahn-Station.

Nicht der König, sondern die Steine an den Gebäuden und auf den Wegen in der britischen Hauptstadt stehen im Zentrum der neuen App. Die Idee dazu hatte Dave Wallis, im Berufsleben ehemals Führungskraft aus der Öl- und Gasgewinnung, der auch Geologe war und zeitlebens einen geologischen Führer durch London schaffen wollte.

Mit der Initiative wollte er den Bürgern sein Herzensthema Geologie nahebringen und Studenten sowie Wissenschaftlern ein Nachschlagewerk an die Hand geben.

Ausgeführt hat die Arbeiten dazu Dr. Ruth Siddall, Geologin am University College in London (UCL), die zuvor schon mehrere detaillierte Bestandsaufnahmen zum Thema erstellt hatte. „Urban Geology“ (Geologie in der Stadt) nennt sie ihre Arbeitsweise und macht die Ergebnisse auf ihrer Webpage zugänglich. Sie gehen weit über London hinaus bis in die Midlands oder nach Cornwall und sogar bis Doha, der Hauptstadt von Katar im Persischen Golf.

Übrigens: Auch anderswo widmen sich engagierte Geologen dieser Forschung zu Straßenpflastern, Fassaden und Bauweisen. Grund dafür haben sie genug, denn auf der gesamten Nordhalbkugel haben die Eiszeitgletscher wie ein riesiges Förderband enorme Mengen an Findlingen in Richtung Süden verfrachtet.

Nur deutsch: In Deutschland hat das Netzwerk Steine in der Stadt und namentlich der verstorbene Professor Schröder mit zahlreichen Büchern diese Arbeit gemacht. Dr. Gerda Schirrmeister bietet Naturstein-Führungen vor allem durch Berlin.

Eine Erfahrung im Umgang mit der Londoner App ist, dass man sich vor dem Weitergehen am besten noch umdreht. Zum Beispiel vor dem Buckingham Palace, im Rücken der Besucher, liegt das Queen Victoria Memorial, prachtvoll gestaltet aus Carrara Statuario Marmor. Detail laut App: die Basis des Brunnens, die Wände seines Beckens und der Sockel sind aus Carrara Sicilian Marble gefertigt.

Auf der Webpage London Pavement Geology findet man unter „GeoSites“ zahlreiche Stein-Informationen zu Orten von England und Wales bis nach Schottland

London Pavement Geology

Ruth Siddall, Urban Geology

Netzwerk Steine in der Stadt

(26.06.2024)