Die Skulptur „Anna G.“ (Firma Sa. Ge. Van. Marmi, 2014) erinnert an den Korkenzieher mit demselben Namen, den Alessandro Mendini 1994 aus Metall für Alessi entworfen hatte.Corinna Natalia Balloni, Carlo Alberto Gasparini, für SA. GE. VAN. Marmi (2015): „Origami“.

Es war am Fuß der Apuanischen Alpen, dass nach dem 2. Weltkrieg Bildhauer und Firmen Alltagsprodukte aus Marmor fertigten

Unter dem Titel „Design is back“ findet noch bis zu 29. September 2024 die aktuelle Ausgabe der Schau „White Carrara“ statt. Sie stellt den Marmor aus den Apuanischen Alpen zwischen Lucca und La Spezia in den Mittelpunkt etlicher Kulturevents.

Diesmal hat Domenico Raimondi, Designer und Kulturmacher, die künstlerische Leitung der Veranstaltungswochen inne. Er hat die Region als solche ins Zentrum gestellt – nur Firmen sowie Künstler und Designer von dort werden ihre Arbeiten aus dem lokalen Stein präsentieren.

Damit will er die Rolle herausstellen, die Orte wie Carrara, Massa, Seravezza oder Pietrasanta für die Natursteinwelt und die Weltkultur spielten: Es waren Bildhauer und Betriebe dort, die nach dem 2. Weltkrieg nach neuen Möglichkeiten suchten, was man aus dem ehernen Material machen könnte.

Sie verstanden sich als modern und waren technikafin – damit gaben sie den Anstoß zu dem Naturstein-Produktdesign, wie wir es heute kennen.

Bei „White Carrara“ wird das mit zwei Strängen erzählt:
* zum einen werden viele Objekte seit den 2000ern zu sehen sein, teils in Ausstellungen, mitunter auch einfach nur in einem Schaufenster oder draußen auf einem Platz;
* zum anderen werden Arbeiten aktueller Designer präsentiert.

Ein detaillierter Stadtplan zeigt die Schauplätze.

Paolo Ulian für antoniolupi (2017): left: „Pixel“, right: „Introverso“.

Zum Programm gehören auch Führungen durch Steinbrüche, Marmorfabriken oder Bildhauerwerkstätten.

Lokale Initiativen präsentieren Gastronomie und Wein unter Beteiligung von Handelsverbänden und lokalen Erzeugern.

Nicolas Bertoux für Martinelli Luce (2024): „Wink“.Cynthia Sah für Martinelli Luce (2024): „Un Pezzo di Luna“.Emiliana Martinelli für Martinelli Luce (2024): „Fox“.

„White Carrara“ hat seinen Ursprung in den Jahren vor 2018. Damals war die zuvor weltweit wichtige Messe Carrara Marmotec eingestellt worden. Insider berichten, dass die Firmen hoffnungslos zerstritten waren.

Zur Erinnerung: um die Jahrtausendwende hatte China sich auf dem Weltmarkt fest als Händler, Verarbeiter und auch Verbraucher von Naturstein etabliert: im Ausland kaufte es nur Rohblöcke ein, die wurden in eigenen Zentren wie Xiamen/Shuitou oder woanders verarbeitet.

In Carrara versuchte die Messegesellschaft 2018 mit dem Konzept „Carrara2“ einen Neustart. Dazu gehörte das Teilprojekt „Marmotec_Hub_4.0“: Es brachte internationale Einkäufer mit lokalen Steinbruchfirmen zusammen.

Das andere Teilprojekt hieß „White Carrara Downtown“. Es war gemeint als kulturelle Attraktion für die Einkäufer und auch als Event für Touristen.

Geblieben davon, und von zahlreichen späteren Initiativen, ist „White Carrara“. Dafür engagieren sich jetzt die Gemeinde, die Internazionale Marmi und Macchine CarraraFiere SpA und die Handelskammer der Nordwest-Toskana. Die Schirmherrschaft hat die Region Toskana, Unterstützung kommt von der Marmor-Foundation.

Und: die parallele Ausstellung „Romana marmora“ beleuchtet die Geschichte des römischen Reichs aus dem Blickwinkel der Steine; bei „mudaC“ handelt es sich um visuelle Kunst aus Carrara.

Nicht zuletzt: in Massa wird derzeit das Museo del Marmo grundlegend saniert.

White Carrara (italienisch)

Fotos: White Carrara

(17.07.2024)