Steinwall im Wald auf dem Plateau von Dossone della Melia.

Auf dem Plateau von Dossone della Melia in Kalabrien wurde eine mehr als 2000 Jahre alte Befestigung mit Waffenresten entdeckt

Eine Linie von Steinen, dick mit Moos bewachsen und gelegen am Südzipfel Italiens, ist wahrscheinlich ein Überbleibsel aus den militärischen Kämpfen im Rahmen des Sklavenaufstands von Spartacus vor mehr als 2000 Jahren. Sie liegt in einem dichten Wald auf dem Plateau von Dossone della Melia und war wahrscheinlich von dem römischen Heerführer Marcus Licinius Crassus angelegt worden, um die Rebellen vom Nachschub abzuschneiden und zu einem militärisch unvorteilhaften Manöver zu zwingen.

Forscher der Universität Kentucky haben entlang der Steine im Wald Überbleibsel von römischen Waffen gefunden, die auf einen Kampf im Jahr 71. v. Chr. schließen lassen. Das stimmt mit den Geschichtsbüchern überein.

Die Entdeckung der Steinlinie war purer Zufall. Auf der Website der University von Kentucky berichtet Paolo Visonà, Archäologe und Associate Professor, dass er in einer kalabrischen Stadt einen Vortrag gehalten hatte und dass danach zwei Umweltschützer zu ihm kamen und ihm Handy-Fotos von der seltsamen Struktur in einem Wald in der Nähe zeigten: „Sie hatten keine Idee, was es war, aber sie sagten, es sei mindestens 100 Meter lang. Als ich die Fotos sah, erkannte ich sofort die Bedeutung.“

Die griechischen Historiker Plutarch und Appian hatten beide von einer solchen Befestigung berichtet. Sie bestand aus einem Wall von Steinen und einem Graben davor.

Plutarch sprach sogar bewundernd über die Leistungen der römischen Pioniere, dies in Bezug auf die kurze Bauzeit und die enorme Festigkeit, wie es auf einer Seite des italienischen Kulturministeriums erwähnt wird.

Steinwall im Wald auf dem Plateau von Dossone della Melia.

Die Steinlinie ist jetzt 2,7 km lang. Untersuchungen mit Bodenradar und weiteren modernen Methden zeigen, was sie ehemals war.

Spartakus hatte versucht, mit mehreren Tausend Rebellen nach Sizilien zu kommen. Der Winter stand bevor, und die Insel war eine der Kornkammern Roms.

Jedoch scheiterte das Vorhaben: die Piraten, die die Rebellen über die Straße von Messina übersetzen sollten, nahmen zwar den vereinbarten Lohn, machten sich dann aber aus dem Staub.

Einfach über die Küstenstraße Kalabriens nach Norden zu marschieren und dort Versorgung zu finden, war den Rebellen nicht möglich. Denn die Küste war in der Hand der römischen Truppen geblieben.

Ein Durchbruch nach Norden war nur möglich über die Aspromonte-Berge, heute Nationalpark und im Zentrum Kalabriens gelegen. Unser Screenshot vom Nationalpark gibt eine ungefähre Vorstellung: Nationalpark von Aspromonte im Südzipfel Italiens (orange). Links: Sizilien.

Damals war das keine abgelegene Gegend wie heute. Über die Pässe führte die wichtige Landverbindung von der Adria auf der Ostseite Italiens zum Tyrrhenischen Meer auf der Westseite und umgekehrt.

Vom Plateau von Dossone della Melia gab es Anbindungen nach Norden.

Crassus ließ seine Truppen in Rekordzeit eine Blockade des möglichen Fluchtwegs oder Versorgungskorridors Richtung Norden erstellen.

„Diese Mauer ist aufgrund ihrer topografischen Lage und anderer Faktoren, wie dem Fehlen von Toren, eine Barriere”, wird Andrea Di Gennaro, archäologischer Leiter der Ausgrabungen auf italienischer Seite zitiert.

Offenbar war die Lage der Rebellen bereits so schlecht, dass sie gegen Wall und Graben anrannten. „Es ist heute ein ruhiger Ort, abgesehen von dem gelegentlichen Ruf eines Kuckucks“, sagt George Crothers, Anthropologe und Ph.D. an der University of Kentucky, „aber man kann sich leicht vorstellen, wie Spartacus‘ Sklavenarmee mit den Legionären zusammenstieß bei dem verzweifelten Versuch, die römischen Linien zu durchbrechen.“

Vom Verlauf der Ereignisse nach der Entscheidungsschlacht weiter nördlich in Kampanien berichten die Chronisten: Crassus ließ entlang der Straße nach Rom 6000 Holzkreuze errichten, an denen die gefangenen Rebellen hingerichtet wurden.

University of Kentucky

Ministry of Culture, Italien (italienisch)

Nationalpark von Aspromonte

Fotos: Ministry of Culture, Italy

(30.07.2024)