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Märkte: Steine aus Amazonien

(März 2011) Er liest sich wie eine Einladung an Investoren, der „Atlas der Natursteine im brasilianischen Amazonasgebiet“  („Atlas de Rochas Ornamentais da Amazônia Brasileira“), der auf der Messe in Vitória im Febuar der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Darin wird das geologische Potenzial der Region über rund 5,2 Millionen km² und 8 Bundesstaaten im Norden Brasiliens abgeschätzt: 88 Sorten vor allem an Graniten, Pegmatiten und Quarziten sind in dem Buch aufgelistet – davon 65 neue! Die Bandbreite reicht von klassischen Varianten hin zu exotischen Graniten oder den so genannten Super Exóticos, die irre farbig und mit ganz wilden Strukturen daherkommen.

Jedoch bietet der Atlas nicht allein eine geologische Bestandsaufnahme. Er versucht auch eine Marktabschätzung für diese Steinsorten: So findet der Leser Hinweise auf mögliche Nutzungen in Architektur und Design, nicht nur Materialanalysen oder Beschreibungen der Situation an den Lagerstätten.

Daneben analysieren die Autoren auch den Weg für Amazoniens Steine zu den Märkten. Denn das riesige Territorium mit den Bundesstaaten Amapá, Amazonas, Mato Grosso, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantins und Teilen von Maranhão – 61% der brasilianischen Staatsfläche! – ist weitgehend unerschlossen.

Dabei ist seine Nähe zur Nordhalbkugel insgesamt vorteilhaft: von der Atlantikküste in Surinam oder den Guyana-Staaten aus sind Europa und die Ostküste der USA schnell zu erreichen; in der Karibik gewissermaßen um die Ecke hat die brasilianische Steinindustrie schon jetzt wichtige Abnehmer.

Ganz zu schweigen von den Aussichten, die jüngste Verträge mit Peru, Ecuador oder Chile bieten: Transporte von deren Pazifikhäfen aus nach Asien oder an die Westküste der USA würden die Transporte „um 30 $ pro Tonne verbilligen”, heißt es in einer Pressemitteilung zum Atlas.

Wie die Autoren des Atlas betonen, geht es jedoch darum, die wirtschaftliche Entwicklung der Region umweltverträglich zu gestalten. Das stand auch am Anfang des Atlas: angesichts der Tatsache, dass in den Zentren der Region schon jetzt eine Bautätigkeit eingesetzt hat, suchte der Serviço Geológico do Brasil (CPRM) nach regionalen Quellen für die benötigten Materialien. Dabei stieß er auf die Lagerstätten für Naturstein. Das Beraterbüro Kistemann und Chido, bekannt für praxisnahe Arbeiten, wurde hinzugezogen und mit detaillierten Analysen beauftragt. Bezahlt wurden die Untersuchungen vom Regierungsprogramm PAC.

Nachhaltigkeit ist eine der Leitlinien, von denen im Atlas die Rede ist. Deshalb heißt es auch, dass möglichst große Anteile der Verarbeitung der Steine vor Ort verbleiben sollten. Die Regionen, von denen hier die Rede ist, sind schon lange nicht mehr mit Regenwald bewachsen.

„Atlas de Rochas Ornamentais da Amazônia Brasileira“ (portugiesisch), Ivan S.C. Mello, Cid Chiodi Filho, Denize Kistemann Chiodi, ISBN 978-85-7499-123-8, Mail.

Aufschwung bei Exporten im vergangenen Jahr

Die brasilianischen Steinexporte verzeichneten im Jahr 2010 einen kräftigen Anstieg und zwar um 32,47% nach Wert und um 33,90% nach Tonnage: das entsprach 959,19 Millionen US-$ beziehungsweise 2,2396 Millionen t. Das teilt der Bundesverband Abirochas in der Ausgabe 1/2011 seines Magazins „Informe“ (portugiesisch) mit.

Damit erreichten die Exporte wieder den Stand von 2008, allerdings mit einer signifikanten Verschiebung: Es gab einen Rückgang beim Anteil verarbeiteter Produkte (nach Tonnage) von 51,60% auf nun 46,56%.

Nach Märkten ausgedrückt: China spielt als Abnehmer an Blöcken eine immer wichtigere Rolle für Brasilien, die USA als Abnehmer für Platten eine noch weniger wichtige.

Umgekehrt wird China aber auch ein immer stärkerer Konkurrent für Brasilien, dies sowohl auf externen Märkten wie den USA als auch auf dem brasilianischen Inlandsmarkt.

Positiv für die Branche war die Entwicklung beim Inlandsverbrauch: der stieg seit 2007 von 51,07 Millionen m² auf 66,11 Millionen m². Pro Kopf lässt sich das umrechnen auf zuletzt 0,35 m² (mit 2 cm Dicke) gegenüber 0,27 m² im Jahr 2007.

Jedoch: Einen Teil dieser positiven Entwicklung konnten Lieferanten aus dem Ausland für sich verbuchen: der Wert der Steinimporte stieg um 42,47% auf 51,44 Millionen US-$. Die Stärke der brasilianischen Landeswährung Real machte es den Importeuren einfach.

Eine Analyse des brasilianischen Markts für ausländische Lieferanten hatte BusinessStone.com in seiner Ausgabe vom Januar 2011 zum kostenpflichtigen Download bereitgestellt.