Scheuerwanderung in Jordhamn. Foto: Olaf Meister / Wikimedia Commons

In „Scheuerwanderungen“ schliff man mit Tier- oder Windkraft die Oberflächen der Großfliesen plan

Auf der schwedischen Insel Öland in der Ostsee gab es schon vor vielen hundert Jahren eine florierende Natursteinindustrie, die Kalkstein für die Länder rund um das Binnenmeer lieferte. Denn südlich des Meers sind Steinbrüche selten, was daran liegt, dass während der Eiszeiten die bis zu 1000 m dicken Gletscher aus Skandinavien das Land bis weit nach Mitteleuropa (oder genauso Nordamerika) hinein abgehobelt hatten.

Die Bevölkerung rund um die Ostsee hatte es aber schon früh mit Handel zu Wohlstand gebracht, und so wollten die Reichen für ihre Häuser die Kalksteinplatten aus Öland möglichst glatt. Um das Material dafür zu bearbeiten, gab es auf der Insel die sogenannten Scheuerwanderungen (schwedisch: Skurvandringar).

Bei der Ortschaft Jordhamn gibt es noch zwei solche historische Steinbearbeitungen: eine mit Antrieb durch Tierkraft und eine mit Windkraft.

Die letzte Scheuermühle auf Öland. Foto: Texelson / Wikimedia Commons

Sie liegen unmittelbar nebeneinander, und man muss etwas Fantasie mitbringen, um sich die Vorgänge von einst vorzustellen.

Das Glätten der Großfließen geschah in mehreren Stufen.

Der Abbau der Rohblöcke im Steinbruch war Männerarbeit. Dann übernahmen die Frauen. Sie spalteten die Blöcke und hämmerten die größten Unebenheiten auf den Platten weg.

Diese Rohplatten wurden in einem Kreis ausgelegt. Wie einen Uhrzeiger zogen Ochsen oder Pferde einen Lastbaum mit Schleifsteinen darüber.

Vermutlich war es die Aufgabe der Kinder, ständig Sand als Schleifmittel und Wasser hinzuzugeben.

Quellen berichten von 30 Scheuerkreisen an der Küste unweit der Steinbrüche.

Von etwa 1850 an kamen Windmühlen auf. Der Schiffer und Bootsbauer Olof Peter Nilsson (1825–1895) wird als Erfinder dieser Technik genannt.

Das Ergebnis war überzeugend: bei gutem Wind konnte man nun an einem einzigen Tag die Steine eines ganzen Rings glätten. Zuvor hatte man dafür etwa eine halbe Woche gebraucht.

Die Großfliesen gingen per Schiff zu den Kunden rund um die Ostsee.

Das Steinmehl („Scheuerlehm“), das am Ring anfiel, wurde aufgesammelt und zum Mauern oder zum Ausbessern von Wegen verwendet.

Bis in die 30er Jahre gab es auf Öland Scheuerwanderungen. Dann übernahmen Maschinen die Arbeit.

Der Schleifkreis bei Jordham wurde 1905 erbaut und ist seit 1947 im Besitz des Heimatvereins von Åkerbo.

Tourismus Öland

(23.08.2024)