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Design: Schönes für draußen (2)

(März 2011) Naturstein ist bei vielen Architekten und Designern nicht beliebt, weil er als unbeweglich gilt: zum Beispiel als Denkmal einmal irgendwo hingestellt, soll er für alle Zeiten dort verbleiben. Neuerdings gibt es unter Designern aber auch Versuche, das Material in Bewegung zu bringen, anders ausgedruckt: ihm Flexibilität in Bezug auf den Standort zu geben.

Ein Beispiel dafür ist eine Arbeit von Luca Scacchetti aus dem letzten Jahr: unter dem Titel „Orrizzonti Sereni“ („Leuchtende Horizonte“) entwarf er Outdoor-Möbel im Baukastensystem, die sich immer wieder auseinanderbauen und neu gruppieren lassen. Zugegeben sind die Grenzen der Beweglichkeit eng gezogen. Denn die Einzelteile sind teils aus massivem Stein, brauchen also für das Umsetzen zumindest einen Gabelstapler. Allerdings haben sie auf der Unterseite schon Aussparungen, wo die Maschine angreifen kann.

Entstanden ist die Arbeit im Rahmen des jährlichen Projekts „Da Nido a Guscio“ („Vom Nest zur Schale“), das Designentwürfe für Stadt- und Straßenmöbel fördert. Veranstaltet wird es seit 2007 von der Zeitschrift Ottagono und der Messe Sun in Rimini. Im letzten Jahr ging es um Arbeiten mit Naturstein.

Luca Scacchettis Kollektion, deren Titel „Leuchtende Horizonte“ auf die neuen Möglichkeiten für den Stein hinweisen will, umfasst so ziemlich alles, was es an Möblierungen für die Straße oder den Park braucht: Brunnen, Leuchte, Sitzbank, Abfallkorb, Fahrradständer und Pflanztrog. Die Einzelstücke sind so gestaltet, dass sie ineinander greifen und sich so miteinander verbinden lassen. Das Material ist Sandstein Serena Stone. Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Firma Il Casone. Unterschiedliche Oberflächen sind möglich.

Luca Scacchetti

Il Casone

In gewissem Sinne beweglich ist auch das Leuchtensystem „Strato Out“ für den Garten, das Raffaello Galiotto entwarf. Hier können quadratische Marmormodule zu Säulen unterschiedlicher Höhe emporwachsen, aus deren oberstem Teil das Licht durch 2 seitliche Öffnungen herausfällt. Das Standardmodul von 20 cm x 20 cm hat 40 cm Höhe. Im Gegensatz dazu ist der Stein in waagerechter Richtung geriffelt, was ihm ein Spiel hell und dunkel aufprägt. Ausführende Firma war Marmi Serafini. Eine weitere Arbeit war die Sitzbank „Seicento“ in massivem Travertin, realisiert von Travertino Sant’Andrea/Arredo di Pietra.

Raffaello Galiotto

Marmi Serafini

Travertino Sant’Andrea

„What’s 4 T Mam?“, wird auf einer der neuen Bänke in der Einkaufszone The Moor von Sheffield gefragt. Der Satz stammt aus einem Gedicht des Poeten Matt Black, der die alte Welt des Handelns auf den Marktplätzen und deren Slang beschrieb. Zeilen daraus, zusammen mit symbolischen Darstellungen, sind in die 15 steinernen Sitzgelegenheiten eingefräst. Bei der Auswahl des Materials hat sich Sheffield an seine Leitlinie gehalten, möglichst heimische Sorten einzusetzen: Es wurde Kilkenny Blaustein verwendet, ein Kalkstein aus Irland, der woanders auch als Granit bezeichnet wird. Die Sitzflächen der Bänke sind geschliffen, die Seiten geflammt. Die Edelstahlbügel über den Sitzflächen sollen Skateboardfahrer fernhalten. Nachts sind die Bänke in verschiedenen Farben beleuchtet. Geliefert wurde der Stein von der irischen Firma McKeon Stone, die Schriftarbeiten führte Pip Hall aus. Die Konzeption stammt von den Landschaftsarchitekten CED.

McKeon Stone

Pip Hall

CED

„SitzBlume“ nennt der deutsche Bildhauer Wolfram von Bieren seine Kreation eines Straßenmöbels, das sowohl als Poller wie auch als bequeme Sitzgelegenheit dienen kann. Vorbild ist die fünfblättrige Blüte der Rose und gewissermaßen auch die vierblättrige Kreuzblume aus dem Kirchenbau der Gotik. Insofern schreibt der Bildhauer zu seiner Idee, für die er Gebrauchsmusterschutz hat: „Als Sitzinstallation bei Verwendung mehrerer Objekte erfüllen SitzBlumen spielerisch den Traum einer Einheit von Mensch, Lebenswelt und Natur.“ Probleme mit stehendem Wasser haben die Sitze nicht, denn der Regen läuft über die Rinnen zwischen den Blütenblättern ab. Die Exemplare auf den Bildern wurden in Jura Kalkstein von der Solnhofen Stone Group gefertigt. Inzwischen gibt es auch Varianten in Granit, hergestellt von Herrmann Granit & Naturstein. Möglich sind, wie der Künstler schreibt, auch andere Steinsorten, genauso Kombinationen von Stein mit Holz, beziehungsweise für Innenräume auch Blüten aus Holz oder Kunststoff auf einem Fuß aus Stahl.

Wolfram von Bieren (Mail)

Solnhofen Stone Group

Herrmann Granit & Naturstein

Mit einfachsten Formen arbeitete der Architekt und Designer Bengt Isling von Nyréns Arkitektkontor bei den Bänken auf dem fyra vindarnas plats (Platz der 4 Winde) in Schwedens Hafenstadt Göteborg: er hat einfach nur massive Quader unterschiedlicher Größe nebeneinander gestellt, so dass, zusammen mit einer hölzernen Sitzfläche, eine ausladende Bank sogar mit Armlehne entsteht. Das Material ist der chinesische Granit St. Andrews Grey (G3503), den die Firma Arctic Kvartsit lieferte. Die Oberfläche ist gestockt.

Nyréns Arkitektkontor (schwedisch)

Arctic Kvartsit (schwedisch)

Fotos: Designer, Firmen