Sahar Khalaji.

In einigen ihrer Arbeiten setzt sie auch die Teppich-Tradition ihres Landes in Marmor um

Sahar Khalaji ist eine Bildhauerin aus dem Iran, geschätzt Mitte 30 Jahre alt, gerne sorgfältig geschminkt und nach westlicher Mode gekleidet, bekannt für monumentale Arbeiten in Stein. In den Posts in den Social Media taucht zu ihr häufig das Wort „feminin“ auf, und da schien uns die richtige Annäherung an ihre Künstlerpersönlichkeit die Frage nach „Fraulichkeit“ zu sein.

Um sie zum Erzählen über sich zu bringen, hatten wir die beiden Bilder oben nebeneinander gestellt und sie gefragt, was die beiden Gestalten auf dem Bild, augenscheinlich völlig unterschiedlich und in Wirklichkeit dieselbe Person, eigentlich gemeinsam haben.

Und prompt ging es in ihrer Antwort um Fraulichkeit. Sie drückte es als Spannungsfeld von Eleganz und Kraft aus: „Auf beiden Bildern sieht man eine Frau voller weiblicher Themen, die immer über Schönheit sprechen will. Rechts ist das zu sehen in der Art und Weise, wie sie mit dem Material umgeht, links sehen wir das in ihrer Erscheinung, ihrem Ausdruck und ihrem Verhalten.“

Und sie ergänzt: „Und natürlich ist die Frau links hartnäckig und widerstandsfähig, wenn es darum geht, ihre Ziele zu erreichen, ähnlich wie der Stein, den sie auf dem Foto daneben für ihre Kunstwerke verwendet.“

Sahar-Khalaji mit ihrem Werk auf dem Tuwaiq Sculpture Symposium 2024, Saudi-Arabien.

Später erläutert sie das in Bezug auf ihre Arbeiten: „Ich spreche in meinen Kunstwerken über Frauen und das Frausein, dies vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrungen. Ich spreche über die Schönheit einer Frau, über ihre Schmerzen, über den Kontrast zwischen ihrer inneren und äußeren Welt. Die Kapuze einer Frau ist eine Welt mit Tausenden von Schichten.“

Und: „Manchmal versuche ich, diese weiblichen Gefühle zu vermitteln, indem ich weibliche Formen zeige, die sich auf den weiblichen Körper und die weibliche Statur beziehen, und manchmal mit nur wenigen abstrakten Linien und Flächen.“

Sahar Khalajis Werk auf dem Tuwaiq-Skulpturensymposium 2024, Saudi-Arabien.Sahar Khalajis Werk auf dem Tuwaiq-Skulpturensymposium 2024, Saudi-Arabien.

Ihre Arbeit auf dem Tuwaiq-Symposium 2024 in der saudischen Hauptstadt Riad hatte auch dieses Thema: „Die Form ist eine Kombination aus weichen und geschwungenen Formen, neben glatten und gebrochenen Oberflächen und Linien, voller Widersprüche, all das, was ein Mensch in der modernen Welt ist. Ja, sie ist ein menschliches Wesen, das in der modernen Welt lebt.”

Sahar Khalaji und die Trainerin der iranischen Frauenfußballnationalmannschaft, Maryam Irandoost.

Bei Instagram gibt es ein Fotos von ihr mit der Trainerin der iranischen Frauen-Fußballnationalmannschaft, Maryam Irandoost. Die kam mal bei einem Symposium im Iran vorbei und war begeistert, unter lauter männlichen Bildhauern auch eine Frau zu sehen.

Wir hatten nachgefragt, ob nicht, nach dem, was sie über Beauty und Mode geschrieben hatte, die Schuhe voller Marmorstaub auf dem Foto und die labbrigen Hosen sie stören würden.

Sie antwortete, wie sehr sie die harte Welt der Arbeit am Stein liebt: „Ich liebe mich selbst, wenn ich Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe trage, die schmutzig und staubig sind, und mit einem Makeup aus Steinmehl und Staub.“

Wenn sie für eine Weile nicht am Stein gearbeitet habe, würde sie es vermissen, schreibt sie.

Dann kommt das Kämpferische in ihr durch: „Stein ist lebendig und hat eine Seele, und deshalb kann man sich mit ihm anfreunden, und dann wirst du sehen, wie er sich von dir zähmen lässt.“

Sahar Khalaji wuchs in einer Familie auf, die ihren Weg in die Kunst immer unterstützte. Ihr Vater war Holzbildhauer. „Ich studierte an der University of Art in Teheran und schloss mit einem Bachelor-Dipom ab. Ich mache Skulpturen aus Stein, Holz, Bronze, Gips, Fiberglas, Pappmaché usw. Mein Haupt- und einziger Beruf ist die Bildhauerei, und so verdiene ich meinen Lebensunterhalt.“

Interpretation der iranischen Teppichkultur als massive Steinskulptur. Interpretation der iranischen Teppichkultur als massive Steinskulptur.

Die Familie und ihre Professoren an der Universtät haben ihr wohl auch die Liebe zum Land und zu seiner Kultur vermittelt. Jedenfalls gibt es Arbeiten von ihr, wo sie die heimische Teppichkultur als massive Steinskulptur interpretiert: einmal als Stapel solcher Objekte, einmal als Block, über den ein Teppich geworfen ist. Eingraviert in den Stein sind typische Motive.

Arbeit in belgischem Blaustein für ein Bildhauersymposium in Belgien. Arbeit in belgischem Blaustein für ein Bildhauersymposium in Belgien.

Auf diese Arbeit waren wir bei der Recherche gestoßen, hatten sie bei unseren Fragen jedoch nicht erwähnt.

Sie packte aber packte das Werk in ihre Mail dazu: Es sei eine Skulptur von einem Bildhauersymposium in Belgien und behandele das Thema Frauen und Freiheit.

Sahar Khalaji

(09.09.2024)