Fahrradbrückchen mit Fahrbahn aus vorgespanntem Granit.

Massivbauen mit Naturstein bietet nicht nur Anwendungen im Hochbau, sondern auch für Verkehrswege. Wir zeigen ein Beispiel für eine Brücke mit einer Fahrbahn ganz aus Granit in Berlin.

Ganz im Norden der Stadt, im Stadtteil Buch oder „jott wee de“ (janz weit draußen), kommt die Panke aus dem Land Brandenburg auf das Gebiet der Hauptstadt. Das Bächlein war ehemals eine Berühmtheit und deutschlandweit bekannt, davon später mehr. Derzeit verläuft der Rad-Fernweg Berlin-Usedom ein Stückchen entlang des Pankeufers, und weil der Lauf des Gewässers in Kürze naturnah umgestaltet werden soll, bekam die Strecke schon jetzt zwei neue Brückchen.

Ihre Fahrbahnen sind aus vorgespanntem, besser: nachgespanntem Granit. Die Konstruktion wurde ausgewählt, weil damit die Brückchen sehr leicht und elegant aussehen und vom Material her in das umweltfreundliche Konzept für den Bachlauf passen.

Fahrradbrückchen mit Fahrbahn aus vorgespanntem Granit.

Die Fahrbahnen für den Überweg sind 18 beziehungsweise 15 m lang, 3 m breit und 25 cm dick. Sie bestehen aus einzelnen Granitplatten. Zusammengehalten werden sie durch die Spannung: Stahlseile sind durch die Natursteinplatten gezogen und nach Installation maschinell gespannt.

Die Technologie wird vielerorts eingesetzt und ist Stand der Dinge. Dies auch beim Naturstein, auch wenn gespannte Konstruktionen bisher nicht wirklich populär geworden sind.

Federführend in Deutschland ist die Firma Kusser Granitwerke mit Sitz in Aicha vorm Wald im Landkreis Passau.

Michael Herden von der Pressestelle der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt nennt neben der Leichtigkeit der Brückchen weitere Argumente, die die Planer von der Konstruktion überzeugten: „Insbesondere die Verwendung von Naturbaustoffen, ohne gesonderte Beschichtung bzw. Beläge in einem besonderen Naturraum war eine wesentliche Entscheidungsgrundlage.“ Will heißen: der Granit stellt sicher, dass die Unterhaltungskosten der Brücke minimal sind und dass auch Faktoren wie „Rutschsicherheit sowie Abriebs- und Tausalzbeständigkeit“ gewährleistet werden.

Auch die „große Dauerhaftigkeit des Naturbaustoffs“ hätte zu der Entscheidung beigetragen, so der Pressesprecher.
Und weil die Brückchen so flach sind, sind die Chancen gut, dass sie einem Hochwasser keinen Widerstand entgegen stemmen und es einfach durchlaufen lassen. Nach der Umgestaltung des Gewässers hoffen die Planer ohnehin, dass sich in einem mäanderndem Flussbett große Wassermengen nach Starkregen künftig besser verteilen.

Insgesamt beliefen sich die Gesamtkosten für beide Brücken auf 3,3 Millionen €. Finanzielle Hilfen gab es aus dem Sonderprogramm Stadt und Land und der Radverkehrsförderung des Bundes.

Fahrradbrückchen mit Fahrbahn aus vorgespanntem Granit.

Zurück zu jenen Zeiten, als ganz Deutschland von der Panke redete: 1831 gründete sich die „Alter Pankgrafen Vereinigung“, eine trinkfeste Gemeinschaft, die sich ausschließlich dem Humor und der Heimatliebe zu widmen versprach. Sie hatte ihre Wurzeln in einem Ritter namens „Udo mit der gespaltenen Klaue“ entdeckt, der sich angeblich vor vielen Jahrhunderten vor lauter Wut über die Stinkepanke in voller Rüstung in den Wassergraben hineingestürzt hatte – um „die Brühe zuzuschmeißen“, wie es hieß.

Das fand Anklang und Bewunderung im ganzen Land und alsbald war der Verein im Deutschen Reich eine Berühmtheit. Jährlich unternahmen die schillernden Gestalten karnevalsähnliche Fehdezüge gegen andere Städte und ließen so die angebliche Prophezeiung von Ritter Udos Wiederkehr wahr werden.

Über den weiteren Verbleib von Udo ist nicht Genauers bekannt. Jedoch gibt es eine Webpage der Gemeinschaft.

Kusser Granitwerke

Alte Pankgrafen-Vereinigung

Fotos: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt