Behandelt wird Leben und Sterben in Marmorskulpturen und, natürlich auch, neues Leben aus der Liebe
„Erotique du cimetière“ (Erotik auf dem Friedhof) erschien 1998 in Frankreich und wurde gleich mit dem Grand Prix de l’Humour Noir (Grand Prix des Schwarzen Humors) ausgezeichnet. Es zeigt über 250 Fotografien des Autors André Chabot, die aus über 175.000 Bildern aus seinem Archiv ausgewählt wurden. Er hat sie als „nekropolitaner Spaziergänger“, wie er sich selbst bezeichnet, in über 100 Städten in 30 Ländern aufgenommen.
Nun ist das Werk, das das heikle Thema seriös, aber keineswegs trocken behandelt, in einer überarbeiteten und erweiterten Neuauflage erschienen. Der Verlag ist La Musardine, der sich selbst als „Die erotische Buchhandlung von Paris“ (La Librarie erotique de Paris) bezeichnet. Die Sprache ist Französisch, der Preis 30 €.
Die Bilder sind eine sehenswert. Sie stammen von Friedhöfen von New York bis Hongkong, von Havanna bis Buenos Aires, von Oslo bis Barcelona, und vor allem aus Mailand und Genua. Denn Italien wird zurecht als „Königin der Grabskulptur“ bezeichnet.
Und so wie der unbefangene Tourist beim Spaziergang über die Friedhöfe sich manchmal wundert, was dort – unter den gestrengen Augen der Bürokraten des Glaubens – in handwerklich großartigen marmornen Skulpturen dargestellt oder angedeutet wird, so deuten die Titel für die Kapitel des Buchs das weite Themenfeld an: Sie heißen „Sterben vor Lust“ (Et mourir de plaisir), „Sünde der Liebe – Todsünde“ (Péché d’amour péché mortel), „Der Wollust eine reine Form geben“ (Donner une forme pure à la volupté), „Die geheimen Schauer des Marmors“ (Les secrets frissons des marbres) und mehr.
Natürlich greift der Autor tief in die Geschichte und fragt auch nach der Rolle der Frau im Zusammenspiel mit dem Kriegshelden. Genauso betrachtet er den androgynen Engel, ein künstlerisches Ideal des 18. Jahrhunderts, oder den schönen Jüngling.
In einer Buchbesprechung des französischen Magazins Pierre Actual wird angedeutet, dass von diesem Abbild der menschlichen Welt auf dem Friedhof wenig übrig geblieben und dass man heute vor allem „reduzierte und resignierte“ Grabsteine findet, die standardisiert aus Fernost importiert werden.
In Deutschland kursiert für solche Importe das böse Wort der „Seelenrutschen“.
In allen Besprechungen des Buches haben wir ein markantes Zitat zu Tod und Leben gefunden, das Madame de Fontaine Martel, einer Zeitgenossin Voltaires, auf dem Sterbebett gesagt haben soll: „Mein Trost ist, dass ich in dieser Stunde sicher bin, dass irgendwo geliebt wird.“ („Ma consolation est qu’à cette heure, je suis sûre que quelque part on fait l’amour“.)
La Musardine (französisch)
(27.09.2024)
