Forscher haben neue Erkenntnisse zu Geosmin und Petrichor gewonnen, die nach einem Regen den Boden duften lassen
In der Natur sind die Arten der Kommunikation vielfältig: Menschen sprechen direkt zueinander, Vögel als Bewohner von unübersichtlichem Gelände singen, und Pflanzen allüberall locken Insekten mit Düften zur Bestäubung, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen. Diese Nachrichtenübermittlung gibt es auch unter unseren Füßen: Die Substanz Geosmin wird von Bakterien im Boden freigesetzt, um Nematoden als Fressfeinde zu warnen: „Wir sind giftig“ teilen die Bakterien den nur wenige Millimeter großen blinden Würmchen mit (die schätzungsweise vier Fünftel der Tierwelt auf unserem Planeten ausmachen). Darüber haben Forscher der Concordia University in Montreal berichtet.
Für uns Menschen hat Geosmin einen erdigen bis muffigen Geruch, und kürzlich haben Forscher vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie in Freising in Deutschland herausgefunden, welcher der vielen Rezeptoren in unserer Nase es ist, der den Stoff riecht. Der Geruch ist uns angenehm, wenn wir im Garten arbeiten, er hängt an der Roten Beete und an manchen Kakteen, er ist uns unangenehm, wenn mit Fisch, Wasser oder Wein verbunden, weil diese dann im Regelfall verdorben sind.
Es reichen bereits geringste Konzentrationen von 4 bis 10 ng/L für einen Menschen aus, um den Geruch in Wasser wahrzunehmen. Das entspricht etwa einem Teelöffel Geosmin in der Wassermenge von 200 olympischen Schwimmbecken.
Am meisten angenehm aber ist er uns vom Sommerregen, wenn nach einer Hitzephase die Erde für einen kurzen Moment duftet.
Für diesen Geruch ist Geosmin oft nicht allein verantwortlich. Mit daran beteiligt sein kann Petrichor, ein geheimnisvoller Pflanzensaft, auf den Wissenschaftler schon um 1860 gestoßen waren. 1964 konnten die australischen Forscher Isabel Bear und Richard G. Thomas das Rätsel um die gelbe und ölige Substanz lösen: In Trockenperioden setzen manche Pflanzen sie frei und behindern mittels dieser chemischen Keule das Wachstum um sich herum – um das knappe Wasser für sich zu reservieren.
Das Petrichor setzt sich auf dem Boden oder auf Steinen ab, bis der nächste Regen fällt und es – zusammen mit Geosmin – von den Tropfen hochgeschleudert wird. Dann kann es in unsere Nase kommen.
Damit erklärt sich auch, wieso die Erde bei einem schwachen Landregen stark duftet, bei einem kräftigen Guss aber nicht: Feine Tröpfchen wirbeln mehr winzige Teilchen auf und lassen diese weiter treiben als eine Regenwand.
Der Name Petrichor ist übrigens poetisch: Er geht auf die griechischen Begriffe „pétra“ (Fels, Stein) und „ichor“ zurück. Ichor hieß die Flüssigkeit, die durch die Adern der Götter strömte. Wir haben die Erkenntnisse zu Petrichor in dem Buch „Regen. Eine Liebeserklärung an das Wetter wie es ist“ gefunden.
Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie
Christian Sauer: „Regen. Eine Liebeserklärung an das Wetter wie es ist“ (Verlag Hermann Schmidt, ISBN 978-3-87439-957-9)
(04.10.2024)
