Die Wissenschaftler der International Union of Geological Sciences (IUGS) vergeben den wissenschaftlich fundierten Titel in lockerer Folge
Auf 55 beläuft sich die Zahl der IUGS Heritage Stones (HS) inzwischen. Der Titel beschreibt Natursteinsorten, die in der Vergangenheit wichtige Rollen in der Baukultur und Bildhauerei spielten und die heutzutage immer noch abgebaut werden.
Diese Materialien sind also echte Begleiter der Menschheit, was die Bezeichnung „Heritage Stone“ ausdrücken soll.
Der Titel wird vergeben von der International Union of Geological Sciences (IUGS), die führende Geologen aus der ganzen Welt zu ihren Mitgliedern zählt. Sie können heimische Steine in ein Antragsverfahren einbringen, müssen für den Titel aber viel Arbeit leisten: Zusammenzutragen und vorzulegen sind wissenschaftlich anerkannte Daten zur Verwendungsgeschichte des jeweiligen Steins, ebenso seine Materialbeschreibungen und mehr.
Asier Hilario, vom Geopark an der Küste im spanischen Baskenland und Vorsitzender der zuständigen IUGS-Kommission, nennt Umstrukturierungen im Verband als Gründe für die nun plötzlich gewachsene Zahl der Einträge: „22 Steine wurden in der Anfangsphase der Initiative vor 2020 definiert. Das Benennungsprogramm wurde in den Jahren 2020-2021 gestoppt, weil die Arbeitsgruppe und die Verfahren im Rahmen der neuen Kommission für Geoerbe neu formuliert wurden. Im Jahr 2022 wurden zehn neue Steine benannt, im Jahr 2023 kamen zehn neue Steine hinzu und im Jahr 2024 gab es 13 neue. Damit beläuft sich die Gesamtzahl auf 55.
Dr. Angela Ehling von der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und Vizepräsidentin der zuständigen Kommission, fügt einen Aspekt hinzu: „Ziel unserer Arbeit ist nun mehr, generell das Thema der Natursteine an die Öffentlichkeit zu tragen, damit nicht Steinbrüche geschlossen und damit im Denkmalschutz Originalmaterialien verwendet werden können“, so die Berliner Geologin.
Hierfür unterhält man Verbindungen zu den Welterbe-Kommissionen der Unesco.
Kürzlich tauchten auch zwei Kontinente neu in der Liste der Heritage Stones auf, nämlich Afrika und Ozeanien. Die dazu gehörenden Länder und Steine sind aus Äthiopien der Lalibela Basaltic Scoria und aus Australien der Malmsbury Bluestone.
Weitere neue Einträge in der Liste sind: Finnland mit dem Virolahti Pyterlite, Polen mit dem Radkow Sandstone, Brasilien mit dem Facoidal Gneiss und Japan mit dem Tsukuba Massif Granit. Die Türkei ist unter den Neulingen gleich mit zwei Sorten vertreten, dem Denizli Travertine und dem Afyon Marble.
Auf der Webpage der IUGS gibt es zu jeder Sorte eine kurze Beschreibung. Dabei wird gelegentlich nicht allein das Material als solches, sondern auch das besondere Knowhow der Handwerker bei der Verwendung beschrieben. Von hier ergeben sich Verbindungen zum Immateriellen Kulturerbe der Unesco.
Beim Dachschiefer aus Deutschland ist das besonders ausführlich gemacht: Er war vermutlich das Material, anhand dessen die heute weltweit bekannte überlappende Verlegung auf den Dächern (altdeutsche Deckung) entwickelt wurde. Spuren davon gehen bis auf die Römer zurück.
International Union of Geological Sciences (IUGS)
Ein Buch mit den Fotos und Beschreibungen der aktuellen 55 Heritage Stones kann kostenlos von der Webpage der IUGS heruntergeladen werden.
(23.10.2024)

