Die Musiker der Camerata Jovem Rochativa in der brasilianischen Botschaft in Rom. Das Foto zeigt sie in der Galleria Cortona im Palazzo Pamphilj, gelegen an der berühmten Piazza Navona.Die Musiker der Camerata Jovem Rochativa vor der Abreise nach Italien.

Papst Franciscus fühlte sich vielleicht an seine Jugendzeit und seine Heimat Argentinien erinnert, als die jungen Leute aus Brasilien für ihn das Volkslied „Merica, Merica“ spielten. Es war der Song der italienischen Auswanderer nach Südamerika, und an deren Reise ans andere Ende der Welt wollte die Gruppe Camerata Jovem Rochativa mit dem Ständchen erinnern.

Der Papst (geboren 1936) im Rollstuhl habe den Dreivierteltakt des Liedes mit den Händen mitgemacht, berichtete der Fernsehsender O Globo von dem Ereignis, das nach der Generalaudienz auf dem Petersplatz am 18. September 2024 stattfand.

Handy-Aufnahme des Konzerts für den Papst.

Die Aufnahme war ein bisschen schief, aber daran lässt sich einmal mehr die Professionalität der jungen Leute ablesen, die auch mit der improvisierten Situation zurechtkamen.

Zeitsprung 150 Jahre zurück: Am 03. Januar 1874 war in Genua das Segelschiff „La Sofia” in Richtung Westen und Atlantik gestartet, am 21. Februar erreichte es den Hafen des heutigen Vitória im Bundesstaat Espírito Santo ganz im Süden Brasiliens. An Bord waren 386 Italiener, die in Anbetracht der miserablen Lage zu Hause buchstäblich alles hinter sich gelassen hatten.

„Nochmal 15 Jahre später erreichten mit einem anderen Schiff Pietro Scaramuzza, seine Frau Giuseppa Bracheschi und ihre Kinder Luigi, Giuseppe und Ângelo den Hafen von Vitória“, schreibt Araciene Scaramuzza Pessin, Naturstein-Unternehmerin und Designerin in einem Bericht in Stone-Ideas.com über die Geschichte ihrer Familie und die Anfänge von Brasiliens Steinbranche.

Sie hat viel Zeit investiert, um die noch vorhandenen Dokumente zu sichern und in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Araciene Scaramuzza Pessin, brasilianische Naturstein-Unternehmerin und Designerin, in ihrer Ausstellung. Die Bilder an der Wand hinter ihr zeigen die 2. Generation der Einwanderer, nämlich Urgroßmutter Ágatha Marabotti.

Historiker schätzen, dass zum Ende jenes Jahrhunderts eine halbe Million Italiener in Brasilien an Land gegangen waren.

So oder so hat also die Camerata Jovem Rochativa, die Gruppe junger brasilianischer Musikanten, ihre Wurzeln bei diesen Einwanderern. Der Name ist eine Zusammenfügung der portugiesischen Wörter für „Stein“ und „aktiv“, und gehört zu einer sozialen Initiative der heutigen Steinfirmen in Espírito Santo.

Damit sind wir in der Gegenwart angekommen: Im Jahr 2007 hatten Frauen aus Steinfirmen die Rochativa gegründet. Ziel war, die schön länger einzeln bestehenden sozialen Aktivitäten der Unternehmen zusammenzubringen und mehr damit zu machen.

Inzwischen ist Rochativa in ganz Brasilien bekannt und angesehen. Die Aktivitäten sind vielfältig, aber immer sozial ausgerichtet: Mal kümmert man sich um Firmenmitarbeiter, die in Not geraten sind, mal um Arme, die eigentlich nichts mit einer Firma zu tun haben, oder man bietet Schule und Kunst für Jugendliche auch Bildung.

Zum Beispiel die Camerata Jovem, von der Bedeutung des Wortes „Camerata“ her eigentlich ein Nachtlager für junge Leute.

Für die Musikgruppe gab es aus Anlass des Jubiläums der Einwanderung ein besonderes Ereignis. Sie wurde zur Reise „Força dos Raízes“ (Die Kraft der Wurzeln) nach Italien geschickt, zunächst zur Marmomac und später in einem richtig vollgepackten Programm zu verschiedenen Auftritten. Die jungen Leute besuchten auch zahlreiche historische Orte, zum Beispiel wo an brasilianische Freiwillige im 2. Weltkrieg erinnert wird.

Möglich gemacht wurde diese „Turnê“ (Tournee), so der Titel, durch die Mithilfe und das Sponsoring vieler Leute und Organisationen bis hin zu Brasiliens Botschaft in Italien.

Die Musik für die Auftritte wechselte von alt bis modern: Neben „Merica, Merica“, das mit dem Namen des Traumziels der Einwanderer spielt, auch weltberühmte Stücke der heutigen brasilianischen Musikkultur, etwa die Bossa Novas „Águas de Março“ oder „Garota de Ipanema“ aus den 1960ern.
 

Brasilien auf der Marmomac 2024

Konzert auf der Marmomac (mit Offiziellen).

Der brasilianische Pavillon war mit 37 Unternehmen des Sektors vertreten und generierte 359,27 Millionen US-Dollar an unmittelbaren Geschäften und Verträgen für die nächsten 12 Monate. „Ein solch positives Ergebnis ist das Ergebnis von Aktionen wie diesen, der Teilnahme an großen internationalen Messen und von Projekten, die in Partnerschaft mit Unternehmen des Natursteinsektors entwickelt wurden“, sagte Maria Paula Velloso, Industry and Services Manager bei ApexBrasil, und fügte hinzu, dass Innovation und Nachhaltigkeit zu den Leitprinzipien dieser Projekte gehören.

Laut Tales Machado, dem Präsidenten von Centrorochas, war die Veranstaltung in Verona ein großer Erfolg: 37 brasilianische Unternehmen stellten aus und verließen die Messe sehr zufrieden, da sowohl Verkäufe getätigt als auch zahlreiche Kontakte und Partnerschaften geknüpft wurden“. Mit Blick auf den Auftritt der jungen Musiker sagte sie: „Diese Woche hat die Position Brasiliens auf der internationalen Bühne gestärkt und die Erwartungen für den Start der Marmomac Brazil im nächsten Jahr geweckt, die eine große Messe sein wird, die dem Potenzial unseres Landes gerecht wird und noch mehr Geschäfts- und Exportmöglichkeiten für brasilianische Unternehmen bietet.“

Camerata Jovem Rochativa (portugiesisch)

Fotos: Centrorochas (portugiesisch)

Merica, Merica

 

Aguas de Março

 

Garota de Ipanema