Vermutlich war die schwächelnde (Bau-)Wirtschaft weltweit der Grund für die schlechte Bilanz
Italiens Steinbranche scheint zu neuen Kräften gekommen zu sein: zwar gab es im Jahr 2023 bei den Exporten von Steinwaren einen Rückgang um (-)2,8% gegenüber dem Vorjahr, jedoch konnte man sich mit 2,070 Milliarden € oberhalb der magischen Marke von zwei Milliarden halten. Wahrscheinlich war die schwächelnde Wirtschaft weltweit der Grund für diese negativen Zahlen, die es auch bei den anderen Exportnationen der Steinbranche gab: China -14,5%, Brasilien -13,4 %, Türkei -7,63 %, Spanien -4,95 %.
Der Blick auf Deutschland bestätigt die Sachlage: Es zwar kein großer Exporteur, aber ein Großabnehmer und verzeichnete 2023 wegen einer schwierigen Lage im Baugeschäft im Verbrauch an Naturstein gar -19,1 %.
Das trug wesentlich zur negativen Bilanz der Italiener bei, schließlich zählt Deutschland zu deren wichtigsten Handelspartnern (Rückgang 2022-2023 bei Naturstein-Endprodukten: -6,7% auf 140,6 Millionen €), so die Zahlen des Verbands Confindustria Marmomacchine.
Wichtigster Abnehmer waren die USA (-7,1 % auf 475,7 Millionen €)
Weitere Abnehmerländer der Italiener: Frankreich (+5,5 % auf 107,8 Millionen €), Schweiz (-2,0 % auf 101,8 Millionen €), UAE (+24,2 % auf 62,8 Millionen €), UK (+0,6 % auf 59,7 Millionen €).
Die Verkäufe von Rohblöcken stiegen an: China (+2,7 % auf 180 Millionen €), Indien (+7,8 % auf 54,6 Millionen €).
Insofern sind die -2,8 % insgesamt bei den Italiens Steinexporten kein Grund zur Aufregung. Schließlich kommt das Land aus einem tiefen Tal der Tränen, denn nach einem Exporthoch 2015 mit 2,008 Milliarden € war es bis 2019 auf 1,503 Milliarden € heruntergerutscht; erst nach 2021 hatte man wieder ansehnliche Zahlen erreicht, die 2022 in einen Allzeitrekord in Höhe von 2,1318 Milliarden € mündeten.
Für 2024 sind die Aussichten nicht unbedingt schlecht: In den ersten sieben Monaten stiegen die Exporte in die USA um +6,7% schreibt Flavio Marabelli, Honorary President des Verbands, auf LinkedIn, und fügt einen Vergleich mit der Situation der Keramikbranche an: Die brachte es im selben Zeitraum nämlich nur auf +2,8%. Damit hat sich der traditionelle Abstand der Branchen etwas verringert, was die Steinleute natürlich freut, auch wenn er hauptsächlich auf den hohen Energiepreisen beruht.
Weniger erfreulich hingegen sind die Zahlen für die ersten sieben Monate 2024 bei den Exporten von Steinmaschinen und -werkzeug: Die Lieferungen in die USA gingen um kräftige (-)22,4 % zurück. Zum Vergleich: die Keramikbranche verzeichnete hier sogar -49,2 %!
Dennoch dürfte der Verband im Juni dieses Jahres entspannt in seine Generalversammlung gegangen sein, denn dort gab es das 40-jährige Bestehen zu feiern. Am 04. April 1984 hatte in Mailand die Gründung stattgefunden – zustande gekommen war sie durch ein Wunderwerk an Diplomatie und Ausgleich zwischen den oft verfeindeten Konkurrenten und war vor allem die Leistung des ersten Präsidenten und Herausgebers zweier Fachzeitschriften, Angelo Marabelli.
In einer Pressemitteilung des Verbands werden Überblicks-Zahlen zu Italiens Steinbranche genannt: Sie umfasst 3.200 Unternehmen mit 34.000 Mitarbeitern. Der Umsatz im Jahr 2023 betrug 4,5 Milliarden, davon kamen 3,2 Milliarden € aus dem Export.
Anfang 2024 war eine Untersuchung über den Stellenwert des „Made in Italy“ im Ausland vorgelegt worden (Titel: „Italia: un valore nel mondo”). Danach sind die prägenden Kennzeichen der Marke „herausragende Materialien, hochwertiges Design und das besondere Image“.
„Italia: un valore nel mondo” (italienisch)
(02.09.24)
