Nicht erst seit der Covid-Pandemie ist die Verfügbarkeit von Containern ein zentrales Problem im globalen Warenaustausch. Aus Brasiliens Steinbranche kommt eine Innovation, die Abhilfe schaffen will: Für Steinplatten werden anstelle der geschlossenen Boxen offene Transporteinheiten verwendet. Wie erste Praxistests gezeigt haben, lässt sich damit die Transportdauer deutlich reduzieren und können auch positive Umwelt-Effekte erreicht werden.
Entwickelt wurde das Konzept von der Firma Cruzzto mit Sitz in Vitória im Naturstein-Bundesstaat Espírito Santo zusammen mit der dortigen Firma Spinola, spezialisiert auf Hafenausrüstung. Ihre neuartige Transporteinheit mit dem Namen „StoneLift“ ist zum Patent angemeldet.
Für die internationale Markteinführung werden noch Investoren gesucht.
Vereinfacht gesagt ist StoneLift ein Gestänge, in das die Steinplatten eingestellt werden. Wie der Test gezeigt hat, können das insgesamt 28 t Stein sein. Ein vergleichbarer 20-Fuß-Container kann nur 24 t Stein aufnehmen.
Innerhalb der Einheit sind die Platten nur mit Spanngurten festgezurrt. Fabio Cruz, CEO von Cruzzto: „Wir haben eine brasilianische Firma gefunden, die dafür geeignete Gurte liefern kann, die sich auch einfach verwenden lassen.“
Die Fotos geben die Ausstattung für den Test wieder. „Später können es weniger Gurte sein“, so Cruz.
Das verschafft dem System einen wichtigen Umweltaspekt: Normalerweise werden die Platten mit Holzstücken im Container festgekeilt. Das bringt Probleme mit sich: Da Insekten gerne ihre Eier in diesem Holz ablegen, haben sich durch die Containerschifffahrt viele Schädlinge weltweit verbreitet; die Antwort darauf, nämlich das Imprägnieren des Holzes und das Begasen der Container vor dem Öffnen, führt zu Umweltbelastungen und erhöhten Transportkosten.
Jedoch: Transporteinheiten ohne Wände lassen das salzige Meerwasser und den Meereswind an die Steinplatten heran. Der Test im Oktober/November 2024 von dem Hafen Portocel nördlich von Vitória zum Port Arthur unweit von Houston, Texas, bescherte dem Transport einen Härtetest: An drei Tagen zog in der Nähe Hurrikan Milton mit sechs Meter hohen Wellen vorbei. Die Steine zeigten keine Auswirkungen der salzigen Dusche (was übrigens auch nicht zu erwarten gewesen war).
Dennoch bearbeitet das Team um Fabio Cruz zurzeit auch dieses Thema: „Aus dem Verhalten von gewöhnlichem Granit kann man nicht unbedingt auf Steinsorten mit ungewöhnlichen Mineral-Zusammensetzungen schließen.“ Weitere Tests werden das zeigen.
In Kooperation mit einer italienischen Firma wird derzeit untersucht, wie Harzung und Meerwasser zusammengehen.
Um aber das wertvolle Material nicht unnötigen Belastungen auszusetzen, wird ohnehin aktuell eine halb geschlossene Variante von StoneLift entwickelt. Sie soll eine besondere Leinwand als Hülle tragen.
„StoneLift erfüllt die Normen im internationalen Schiffsverkehr“, sagt Fabio Cruz. Auch das Stapeln ist möglich. Jedoch bestehen die offenen Boxen nur aus etwas halb so viel Stahl (rund 1,3 t) wie ein normaler Container.
Für einen Rücktransport lässt sich das Gerüst in seine Einzelteile zerlegen. Cruzzto hat das in einer Kooperation mit GT Ocean schon durchgespielt.
Dass die Idee zu dieser Entwicklung aus Brasilien kommt, ist nicht überraschend. Denn seine Steinbranche, zu 80 % konzentriert im Bundesstaat Espírito Santo im Süden, leidet schon lange unter der Knappheit an Containern: Häufig mussten Steinlieferungen im Hafen von Vitória warten oder wurden per LKW oder Küstenschifffahrt in weiter nördlich gelegene Häfen gebracht, von wo aus sie dann die Reise zum US-Markt antreten konnten.
Deshalb betonen die Initiatoren in ihrem Test-Resümee vor allem den Zeitgewinn als positives Ergebnis: Rund 21 Tage brauchte der geschilderte Transport (Hafen zu Hafen), den Stopp in Mobile, Alabama wegen Hurrikan Milton eingerechnet.
Manchmal braucht ein normaler Transport für die solch eine Strecke sogar 90 Tage.
Fabio Cruz resümiert: „50 % Zeitersparnis sind üblich, 60 % können erreicht werden.“
Fotos: Cruzzto


