Das Material wird nach Firmenangaben ohne Energiezusatz hergestellt und kann eine effektive Konkurrenz zu den Engineered Stones sein
Der Name lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um einem Stoff aus der weiten Welt der Steine handelt: Alimonite besteht zu 80 % aus Steinmehl oder kleinen Bruchstücken aus der Gewinnung von Travertin und Marmor. Es wurde von der türkischen Firma Alimoğlu auf der Messe in Izmir 2024 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Damit stellt sich die Firma aus der Türkei auf ganz neue Art und Weise der Konkurrenz durch die Engineered Stones: Alimonite ist zwar ebenfalls von Menschenhand hergestellt, behält aber die positiven Effekte von Natursteinen bei. Das sind:
* für die Herstellung wird keine graue Energie (Hitze oder Druck) verbraucht;
* seine Inhaltsstoffe sind 100% natürlich.
Das es auch Reststoffen aus der Natursteinverarbeitung besteht, trägt zur Schonung der Ressourcen bei.
Dazu muss man wissen, dass die Steinbranche der Türkei in Sachen Abfall – wie die anderen Marmorländer – ein Problem hat. In einem Interview mit der Zeitschrift Turkish Stone World gibt Juniorchef Burak Alimoğlu einen Einblick: Aufgrund der Beschaffenheit der Lagerstätten können bisher nur 1 bis 3 % des abgebauten Materials für Steinprodukte verwendet werden – über die Jahre hätten sich „Rückstandsberge angesammelt, die die Landschaft verschandeln“.
Und weiter: „In unseren Steinbrüchen fallen jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Reste an Marmor oder Travertin an und dazu kommen noch einmal rund 1.500 Tonnen Marmormehl aus der Verarbeitung.“
Angesichts der aktuellen Diskussion um Klima und Ressourcen wäre es dringend notwendig, Verwertungen für diese Reststoffe zu finden, so der Firmenchef.
Im Kern von Alimonite steht ein innovatives Bindemittel, das die Firma in anderthalb Jahren Forschung entwickelt hat. Es hält nicht nur den fein gemahlenen Steinabfall zusammen, sondern dient in einer chemischen Reaktion auch gleichzeitig als Trockener.
Die Verarbeitung geht über Gießformen: Zunächst ist der Rohstoff eine Paste, die in eine Form gefüllt wird – dort sorgt der Binder dafür, dass das Wasser mittels Wärme aus der Masse herausgetrieben wird und nach 20 Tagen Aushärten ein fester Block übrigbleibt.
Der wird mit den herkömmlichen Sägen aus der Steinverarbeitung in Platten zerschnitten.
Aktuell lassen sich die Platten für Wandverkleidungen in Innenräumen nutzen. Alimoğlu arbeitet daran, dass sie auch für außen und als Bodenbeläge einsetzbar sind.
Die Größe der Platten bestimmt sich durch die Größe der Gießform: Aktuell sind es 3,20 m Länge, 1,60 m Breite und 0,90 m Höhe. Damit tritt man in Konkurrenz auch zu den Großfliesen der Keramikbranche.
Nach dem aktuellen Stand der Dinge können die Oberflächen der Platten poliert und auch bedruckt werden. Zum 100. Geburtstag der Türkischen Republik hatte Alimoğlu Werbegeschenke aus Alimonite mit dem entsprechenden Schriftzug hergestellt.
Je nachdem, wie groß die beigemengten Steinstückchen sind, lassen sich auch Terrazzo-Effekte erzielen.
Denkbar ist auch, dass Bildhauer ihre Skulptur aus einem Rohblock von Alimonite herausarbeiten.
Je nach der Beschaffenheit der Gießform lassen sich auch Oberflächen mit 3D-Struktur herstellen (siehe Bild). Wenn die Formen entsprechend klein sind, können auch Stein-Bricks entstehen.
„Wir wollen den Megatrends der Welt folgen und unser Unternehmen auf die neue Welt vorbereiten,“ lautet das Fazit von Burak Alimoğlu in dem Interview mit Turkish Marble Trend.
So setzt die Firma mit Hauptsitz in Izmir auch an den Standorten in Denizli und Afyon auf Solarenergie. Wasserrecycling ist ein weiteres Thema.
In Produktion und Verarbeitung wird ein „Digital Tracking“ eingesetzt, mit dem sich die Materialflüsse erfassen lassen und Abfall vermeiden lässt.
Gefördert wurde das Alimonite-Projekt von der Izmir Development Agency, unter anderem mit Mitteln der Europäischen Union.
Die Firma ist auch Mitglied im Izmir Industrial Symbiosis Project, das vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) gefördert wird.
Turkish Stone World (türkisch)
(11.12.2024)
