Prämiert wurden Beispiele, wie man Naturstein wirkungsvoll einsetzen kann
Der türkische Natursteinverband İMİB (Istanbul Mineral Exporters’ Association) hat 2024 den neu geschaffenen „Best Use of Stone Award“ im Rahmen des World Architecture Festivals gesponsert. Ziel ist natürlich, die nationale Marke „Turkish Stone“ bekannt zu machen. Jedoch hat man dafür einen in der Steinbranche unüblichen Weg gewählt: Prämiert wurden interessante Verwendungen von Naturstein aus der ganzen Welt – nicht nur der heimischen Sorten und auch nicht der Einsatz großer Mengen an Stein. „Wir wollten vor allem zeigen, wie vielfältig die Nutzung von Stein sein kann“, teilte uns der Verband mit, „die untergeordnete Botschaft war natürlich, dass unsere Steine dafür eine gute Auswahl sein können.“
Für die Werbung nutzte der Verband seinen Stand im Rahmen des Festivals in Singapur im Marina Bay Sands Hotel.
Wir zeigen das Gewinnerprojekt in einem separaten Bericht.
Die Nominierten stellen wir hier kurz vor. An ihnen lässt sich der Erfolg der türkischen Initiative ablesen: Die vielfältigen Ideen machen Lust auf die Möglichkeiten von Naturstein, auch wenn bei keinem der nominierten Projekte das Material im Vordergrund stand.
Fotos: Architekten

Abrahamic Family House, Abu Dhabi. Architect Adjaye Associates, Accra, London, New York: Auf dem Gelände in Sichtweite des Louvre Abu Dhabi stehen eine Moschee, eine Synagoge und eine Kirche in unmittelbarer Nähe zueinander: Sie haben dieselbe einfache Würfelform mit 30 m Kantenlänge, greifen in ihren Fassaden und in den Innenräumen aber den Stil der jeweiligen Glaubensrichtung auf. Symbolisch für ein friedliches Miteinander ist auch der Name der Einrichtung: Abraham gilt als Stammvater im Islam, im Judentum und im Christentum. Der Außenminister von Abu Dhabi kündete den Bau im Jahr 2019 an, unmittelbar nachdem dort ein mehrtägiges Treffen verschiedener Regionen stattgefunden hatte. Dabei hatten Ahmed el-Tayeb, Grand Imam of al-Azhar, und Papst Franziskus, ein „Document on Human Fraternity for World Peace and Living Together“ (Dokument über die menschliche Brüderlichkeit für Weltfrieden und Zusammenleben) unterzeichnet. Im erhöht gelegenen Park zwischen den Gotteshäusern, wie auch in den Innenräumen, gibt es vielfältige Verwendungen von Naturstein. Die Fassaden bestehen aus weißem Sichtbeton.

Twentyfour, Rabat, Malta. 3DM Architecture, Malta: Dieses private Wohnhaus im historischen Zentrum von Rabat ist mit Einfachheit gestaltet, um das Leben dort in die Umgebung und in die Zeitläufte einzupassen. Es gibt nur den bräunlichen Farbton der Erde, der auch dem lokalen Stein entspricht. Dieser taucht an den verputzten Wänden immer wieder auf. Fünf Stockwerke hat das Haus: vom Zugang unten werden mit einer Treppe ein Kunststudio und die privaten Geschosse sowie eine Terrasse mit Dachgarten erschlossen. Der Treppenaufgang ist markant mit einem Skylight gestaltet, das Tageslicht nach unten bringt. Das Untergeschoss dient der Wellness, dort gibt es sogar einen Pool.

Scorpius Bodrum, Turkey. Architect: GEOMIM, Turkey: Die Ferienanlage auf einer Halbinsel an der Küste der Ägäis stellt die Situation in einem Dorf nach. Für Gäste stehen zwölf Villen zur Verfügung, dazu gibt es zwei Plätze (einen für gemeinschaftliches Frühstücken, einen für einen lokalen Markt) sowie zahlreiche Einrichtungen für Sport, Wellness usw. Markant sind die 80 cm dicken Mauern aus Bruchsteinen. Das Material stammt aus der Baugrube vor Ort. „Die Inselvillen sind moderne Interpretationen der traditionellen Häuser von Bodrum und bieten geräumige Innenräume und Privatsphäre. Oberlichter und verstellbare hölzerne Fensterläden lassen Licht und Luft in die Wohnbereiche eindringen“, heißt es in der Beschreibung auf der Festival-Webpage.
Architect: GEOMIM

Seddülbahir Fortress, Gallipoli Peninsula, Turkey. KOOP Architects/AOMTD (Arzu Ozsavasci Architecture), Turkey: Die mächtige Festung am Eingang zu den Dardanellen sicherte einst die Verbindung zwischen Istanbul und Izmir. Errichtet wurde sie in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Ihre dicken Mauern überstanden zahlreiche Erdbeben nahezu unversehrt. Jedoch wurden sie im 1. Weltkrieg von Bomberangriffen stark beschädigt. 1967 begann die Restaurierung und Entwicklung zu einem Nationalpark. Eröffnung für Besucher war im Jahr 2023. Die Ruinen sollen die Zerstörungen durch Krieg vorstellbar machen. Anstelle mancher der dicken Mauern wurden Trockenmauern aus rechteckigen Steinblöcken aufgestellt, bei denen Holzlagen die Fugen betonen und Eisenstangen die Elemente zusammenhalten.
KOOP Architects / AOMTD (Arzu Ozsavasci Architecture)

Sunita Shekhawat Flagship Store and Gallery, Jaipur, Indien. Architect Studio Lotus, Indien: Meenakari ist eine Emailtechnik, die noch heute für Schmuckstücke oder Kunstwerke sehr beliebt ist. Als Begründer der Tradition seit dem 16. Jahrhundert gilt Sunita Shekhawat. Der Neubau ist Flagship Store und Museum der heutigen Marke. Die Architekten verwendeten für die Fassade den roten Jodhpur Sandstein mit zahlreichen Bezügen zu Sunita Shekhawat. Das Gebäude soll jedoch nicht nur dem Verkauf der Luxusmarke dienen, sondern dem Kunden auch eine emotionale Erfahrung ermöglichen, heißt es in der Beschreibung.
Sunita Shekhawat Flagship Store and Gallery

Village House, Brasilien. Studio mk27, Brasilien: Die Anlage steht auf dem Gelände einer Ranch im Bundesstaat São Paulo und stellt ein Dorf nach, wie man es von woanders kennt: Gebäude mit bestimmten Funktionen sind nahe beieinander platziert. Allerdings: Nur eine Familie bewohnt dieses „Dorf“. Was in einem gewöhnlichen Wohnhaus die Zimmer sind, sind hier einstöckige Häuser: Elternschlafzimmer, Kinderschlafzimmer, Esszimmer… sogar ein Gebäude für den Weinkeller gibt es. Ein begrüntes Dach sorgt dafür, dass man trocken von einem Ort zum anderen kommt. Eine Mauer schottet das Ensemble von der Umgebung ab. Sie ist aus Bruchsteinen gemauert. Mashrabiyas und Fenster öffnen die Anlage innen und nach außen.
(23.12.2024)
