Arbeit von Behnam Akharbin.Arbeit von Behnam Akharbin.

Der Sonnenaufgang ist das Thema in den monumentalen Steinskulpturen des iranischen Bildhauers Behnam Akharbin. Dabei stellt er dieses alltägliche Ereignis, das seit ewigen Zeiten alle 24 Stunden auf der Erde stattfindet, aus zwei Perspektiven dar: zum einen frieren seine Skulpturen eine Folge jener Augenblicke ein, bis es ganz hell geworden ist; zum anderen könnte man durch die meisten Werke hindurch- oder an ihnen entlangschauen und so die Bewegung unseres Sterns am Horizont verfolgen.

In jedem Fall ist es das Spiel von Licht und Schatten auf der Erdoberfläche, das Akharbin aus Marmor herausarbeitet.

Und immer ist seine Darstellungsweise positiv bezüglich der Neugeburt des Tages und trägt in sich die Vorfreude auf das, was die nächsten Stunden bringen mögen.

Akharbin hat das Motiv in vielen Varianten bearbeitet und neben Stein auch in Metall oder Mischungen dargestellt. Aktuell plant er, sich auch Bronze zuzuwenden.

Arbeit von Behnam Akharbin.

Zu dem Thema kam er durch das Gedicht „Sunrise“ des iranischen Dichters Fereydoon Moshiri (1926–2000):
At the moment of wonder!
All of a sudden
The sky and the earth are full of wonder!
The time and heart was beating fast
Sunrising.

Dazuzusagen ist, dass er nach dem Studium auf das Gedicht traf, als er sich mit Muqarnas beschäftigte. Sie stecken unübersehbar in seinen Sonnenaufgängen: Muqarnas sind Muster aus der islamischen und iranischen Kunst und tauchen vielfach in Gewölben, Kuppen oder Nischen oder an den Balkonen der Minarette auf. Die Gestaltung zeigt den Einfluss der Geometrie – die Grundstruktur der Muster entsteht, indem Quadrate in einem Kreis gedreht werden.

Arbeit von Behnam Akharbin.Arbeit von Behnam Akharbin.

So kommt die Wiederholung der Einzelelemente und ihre Neuanordnung zustande, und es ergibt sich eine enorm starke Richtung, in die das Muster zu zeigen scheint.

Ideal also, um die Bewegung der Sonne über den Himmel einzufangen.

Oder sind es doch die Kristalle im Gestein, die er zeigt?

Arbeit von Behnam Akharbin.Arbeit von Behnam Akharbin.

Akharbin wurde 1985 in Ardabil geboren und stammt aus einer Familie, in der Kunst und Kreativität zumindest ein Thema waren. Der Vater ist Architekt, ein Onkel Maler. Er selbst liebte als Kind das Malen aller möglichen Objekte. Nach der Schule lernte er Grafik und entdeckte seine Leidenschaft für die Skulptur.

Ein erster Höhepunkt in seinem künstlerischen Werdegang war das Studium der Bildhauerei am Fine Arts College an der Universität Teheran. Nach dem Abschluss im Jahr 2014 widmete er sich der abstrakten Kunst und den heimischen Gestaltungen in Architektur, Teppichdesign und Kunsthandwerk.

Dann kam er mit dem Gedicht zusammen, und im Jahr 2018 auf dem Bildhauersymposium in Izmir in der Türkei hatte er großen Erfolg mit dem ersten Sonnenaufgang in Stein.

Behnam Akharbin.

Er hat zahlreiche kleinere Arbeiten gefertigt, die er in Galerien ausstellt. Seine große Leidenschaft aber gehört der momumentalen Bildhauerei, wie er uns schreibt: „Ich möchte, dass die Menschen mit meinen Skulpturen interagieren, sich ihre Meinung dazu bilden. Ich denke, das ist eine Möglichkeit, mich der Welt zu zeigen. In jedem Werk steckt ein Stück von mir.

Über Stein als künstlerisches Material sagt er: „Ich mag ihn, weil er viele Eigenschaften und Farben hat; manchmal spricht er sogar mit mir und sagt mir, wie ich ihn bearbeiten soll.“

Behnam Akharbin (Mail)

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Fotos: Behnam Akharbin