Sardinien wartet mit einer überaus spannenden, abwechslungs¬reichen und bunten Geologie auf den Besucher. Ehemals mit Korsika zu Süd¬frank¬reich gehörig, hat es eine im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Erd¬geschichte zu bieten: 600 Millionen Jahre zwischen Ur-Europa und Afrika sind hier fast lücken¬los in Stein bewahrt. Von blut¬jungem Vulkan¬ismus – mal basaltisch ruhig, mal ignim¬britisch heiß und schnell – über spektakuläre Erosions¬formen bis hin zu hoch-meta¬morphen Gesteinen bietet die Insel eine Vielfalt, die ihresgleichen sucht.
Die einwöchige Exkursion des GeoParks Nordisches Steinreich vom 13. bis 19. April 2025 vermittelt für alle an Geologie Interessierten auf anschauliche Weise die Entwicklung Sardiniens anhand exemplarischer Aufschlüsse.
Als ein Beispiel für den historischen Bergbau wird Argentiera besucht. Hier hatten heiße Wässer zur Bildung von Erzen geführt. Abgebaut wurde seit mindestens 100 n. Chr., wahrscheinlich zunächst Silber und Bleiglanz. Bis ca. 1928 wurde das Erz am Strand in kleine Boote verladen und zum nächsten Hafen (Porto Conte) transportiert.
Abgebaut wurden überwiegend Blei- und Zinksulfid, sowie Bleiglanz und Zinkblende. Die Abfälle der Mine wurden auf einer ungesicherten Halde am Meer deponiert, die Waschschlämme direkt ins Meer geleitet. Paradoxerweise entstand hier, trotz extrem hoher Belastungen der Strände, nach Ende des Abbaus (1963) in den 1970ern ein Tourismuszentrum.
Wer es etwas explosiver oder archäologischer mag, darf sich auf das „Vale dei Nuraghe“, der sardischen Auvergne freuen. Dort werden u. a. die 1,2 Millionen Jahre alte, herausgewitterte vulkanische Staukuppe Pedra Mendalza und die bronzezeitlichen Nuraghen Santu Antine und Oes, gebaut aus Basaltblöcken, besichtigt. Also eine Region voller kulturhistorischer Zeugnisse mit sowohl mit zähflüssiger, kieselsäurereicher Lava, die oftmals explosiv ist als auch mit dünnflüssiger, kieselsäurearmer Lava, die die Basalte bildete, aufwarten kann.
Für Fossilienfreunde ist der versteinerte Wald von Curracana besonders spannend. Hier sieht man die Reste fossiler Baumstämme (Miozänes Seebecken) zum Teil in Lebendstellung. Auf den ersten Blick sieht man zunächst nur ihre dicken Umkrustung aus Kalk. Das eigentliche Holz ist verkieselt.
Selbst der Granit kann auf Sardinien mit spannenden Verwitterungsformen aufwarten. Die Tafoni-Granitverwitterung in der Gallura hat zu optisch sehr spannenden Formen geführt.
Die Teilnehmer der Exkursion reisen mit eigenen Fahrzeugen oder mit dem Flugzug bis Olbia. Von dort aus geht es mit PKW weiter zu den Aufschlüssen.
Details zu dieser Exkursion und zu weiteren findet man auf der Homepage des GeoParks.
Im Programm 2025 gibt es noch eine einwöchige Exkursion an die Jurassic Coast zu den historischen Fossilienfundstätten und den einzigartigen, fast ungestörten jurassischen Ablagerungen im Süden Englands. Kürzere Exkursionen führen auf die Vulkaninsel Ischia, in verschiedenen Regionen im Harz, nach Helgoland und Bornholm.
Fotos: Geopark Nordisches Steinreich


