Einen wichtigen Schritt vorangekommen ist ein Projekt, das wegweisend sein kann für die Natursteinbranche in Deutschland: Es handelt sich um den „Campus Steinzentrum Wunsiedel“, mit dem das bisherige Zentrum für die Qualifizierung der Steinmetze und Steinbildhauer erweitert wird. Es bekommt ein Wohnheim mit 65 Doppel- und 22 Einzelzimmern sowie Gemeinschaftsräumen plus Mensa und Küche dazu. Der Grund für den Raumbedarf in Wunsiedel ist, dass es künftig nur noch zwei Standorte für die überbetriebliche Ausbildung bundesweit geben wird, unter anderem Wunsiedel.
Einige Aspekte an dem Projekt sind wegweisend:
* Die Zielsetzung für die Architekturentwürfe lautete ausdrücklich, Naturstein als Material zu verwenden; freigestellt jedoch war, auch andere natürliche Materialien aus der Umgebung zu verwenden, etwa Holz oder Lehm;
* die Entwürfe für die neuen Gebäude wurden von Studenten der Architektur erstellt, nicht von professionellen Architekten. Die Studenten sind an der Technischen Universität (TU) Dortmund zuhause, wo viel zu Naturstein als Baumaterial gelehrt und geforscht wird;
* zu den Aufgaben für die Teilnehmer gehörte auch, sich Gedanken über besondere Konstruktionen mit den verwendeten natürlichen Materialien zu machen.
Das Fichtelgebirge, wo das Steinzentrum liegt, will mithilfe der neuen Einrichtung sich als Zentrum für nachhaltiges Bauen in Deutschland und darüber hinaus etablieren. Im Umkreis von 20 km um das Steinzentrum liegen drei Granit-Steinbrüche, dichte Wälder mit Sägewerken, eine aktive Lehmgrube und weitere Rohstoffquellen.
Ende Februar wurde im Steinzentrum der Siegerentwurf der Studenten Andre Dietzel, Johann Kaplan, Kerem Kiren, Sven Rohman der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Anlage ist aufgeteilt auf drei langgezogene Gebäude mit Naturstein für die Fassade und Holz für die vorgesetzten Laubengänge. Beide Stoffe sind für ihren Bereich tragend verwendet. Die Fassaden der drei Bauwerke sind identisch, was die Kosten reduziert.
Sie sind um eine zentrale Fläche herum angeordnet, sodass nach Art der Dörfer in der Gegend ein zentraler (Markt)Platz entstehen kann. Dort ist ein kleiner Pavillon vorgesehen, wiederum aus Stein und Holz errichtet.
Die Preisgelder für die prämierten Entwürfe betrugen 1000, 600 beziehungsweise 400 €. Das Geld kam von der Initiative Freiraum Fichtelgebirge, die die Region „Für Macher“ anziehend machen will.
Der Siegerentwurf war aus einer Vorauswahl von fünf Arbeiten von Studentengruppen der TU Dortmund ausgewählt worden.
Insgesamt hatten sich 31 Studentengruppen der Universität an dem Projekt beteiligt. Das waren 119 Personen. An der Zahl kann man das große Interesse der Studenten am nachhaltigen Bauen ablesen.
Federführend in dem Projekt war Juniorprofessorin Anne Hangebruch von Lehrstuhl für Massive Baukonstruktionen. Kooperationspartner war Professor Christian Hartz vom Lehrstuhl für Tragkonstruktionen. Hier spiegelt sich eine Besonderheit des Architekturstudiums an der TU Dortmund: Dort sind beide Richtungen eng miteinander verschränkt, so dass die Absolventen möglichst gut auf die Realität im Beruf vorbereitet.
Viel Prominenz war zu der Präsentation des Siegerentwurfs angereist: Gleich mit zwei Staatssekretären (Finanzen, Wirtschaft) war der Freistaat Bayern vertreten, und die Steinmetze präsentierten sich mit dem Innungsmeister des Freistaates, Hermann Rudolph, und dem des Bundesverbands, Markus Steininger. Auch der Deutsche Natursteinverband (DNV) war mit seinem Präsidenten Hermann Graser dabei. Von ihm stammte übrigens die Idee, das Projekt in Kooperation mit der TU Dortmund zu realisieren.
Alle Anwesenden betonten in ihren Grußworten, dass der Naturstein als Baustoff mit geringem ökologischem Fußabdruck eine große Zukunft hat und dass vom Campus in Wunsiedel ein wichtiger Impuls dafür ausgehen könne. In Deutschland ist das Massivbauen mit Naturstein bisher nicht üblich, was auch daran liegt, dass für besondere Bauteile wie Fensterstürze aus Stein die Vorschriften erst erarbeitet werden.
Die Aussichten für eine Umsetzung des ausgewählten Entwurfs sind nicht schlecht. Der Staatssekretär aus dem Finanzministerium sagte, dass seine Dienststelle schon einen Haushaltstitel für das Projekt erstellt habe.
Hermann Graser stellte die Bedeutung des Natursteins für das Bauen der Zukunft heraus und stellte kopfschüttelnd mit Blick auf die Industriegesellschaft fest: „Wir stellen mit großem Energieverbrauch Kunststeine her, dabei liegt der Naturstein verfügbar unter unseren Füßen.“



