Die Götterfiguren der Antike zeigten nicht nur perfekte Menschengestalten, sondern dufteten wahrscheinlich auch himmlisch. Dazu wurden sie in Ritualen mit Parfum oder ätherischen Ölen behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt Cecilie Brøns, leitende Forscherin an der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen, die dem Thema wissenschaftlich nachgegangen ist.
Bekannt ist, dass die edlen Figuren aus weißem Marmor nur wenig von dem Stein zeigten. Vielmehr waren ihre Gesichter mit Farbe bemalt, etwa um Augen oder Lippen zu betonen, der Haarschopf ebenso, und sie trugen teure Gewänder.
Der Grund war, sie als Wesen mit göttlicher Schönheit zu präsentieren – Schaufensterpuppen des Himmels, sozusagen.
Dass auch Düfte verwendet wurden, war seit einiger Zeit eine Vermutung unter Fachleuten.
Wie aber hat Cecilie Brøns den Nachweis erbracht, sind doch Düfte noch weniger haltbar als Farbpigmente oder Textilien?
Mittels Schriften und Inschriften hat sie sich dem Thema angenähert.
So haben Cicero und Prudentius Statuen erwähnt, die mit duftenden Ölen verschönert waren. In griechischen Tempeln hat Cecilie Brøns ebensolche Beschreibungen aufgespürt. Die Rede ist zum Beispiel von Rosenblättern, mit denen der Stein eingerieben wurde, ebenso von parfümiertem Öl.
Ob alle Götterstatuen dufteten, kann man daraus nicht folgern. Aber zumindest für einige oder für besondere Gelegenheiten kann man es annehmen.
Auch heute noch nutzen viele Religionen Düfte für Ihre Zeremonien, etwa Weihrauch.
Die Forschungsergebnisse von Cecilie Brøns können im Oxford Journal of Archaeology online kostenpflichtig gelesen werden.
Wir haben aus dem Beitrag im dänischen Wissenschaftsmagazin Videnskab zitiert (dänisch).
