Am Ende (zur kompletten Wiedereröffnung 2037) wird die Berliner Museumsinsel einige neue Highlights haben, zum Beispiel den zusätzlichen Gebäudetrakt, der die Flügel des Pergamonmuseums verbindet und so einen Rundgang durch 2500 Jahre der antiken Architektur sowie einen neuen Innenhof schafft. Daneben wird es die sogenannte „Archäologische Promenade“ geben, die sämtliche Gebäude des Weltkulturerbes unterirdisch miteinander verbindet.
Mitte März 2025 war der Start für den 2. Bauabschnitt der Sanierung der Museumsinsel, auch Bauabschnitt B genannt. Er erfolgt unter Museumsbetrieb, das heißt nur einzelne Sammlungen werden eine bestimmte Zeit nicht zugänglich sein. 2027 soll ein erstes Etappenziel genommen sein.
Der neue Flügel für das Pergamonmuseum (im Jargon: „Vierter Flügel“) gibt dem Gebäudekomplex eine neue Fassade zur Spree (Kupfergraben). Er entsteht nach den Plänen des verstorbenen Oswald Mathias Ungers (Köln), dessen Planungen das Berliner Büro Kleihues + Kleihues fortführt. Unverkennbar für die Arbeit von Ungers ist das Raster von Würfelflächen, hier durch die senkrechten Natursteinpfeiler an die historischen Fassaden nebenan optisch angeglichen.
Das Material ist Naturstein, wie bei den anderen alten Fassaden von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann aus der Zeit um 1920. Beim Vierten Flügel ist es Kirchheimer Muschelkalk.
Dieser neue Gebäudetrakt ist als „gläserne Vitrine“ konzipiert: In ihm sollen Beispiele für Großarchitektur aus dem Alten Ägypten präsentiert werden. Sie befinden sich derzeit in Berlin-Charlottenburg. Auch wird dort eine Rekonstruktion der Palastfassade vom Tell Halaf gezeigt werden. Dann wird der gesamte Rundgang durch die Flügel des Pergamonmuseums die Besucher zu Zeugnissen aus Babylon und Griechenland bis in die Zeit der Römer bringen, wie es schon beim Bau des Museums geplant war.
Der Innenhof („Ehrenhof“ genannt), der nun erstmals geschlossen wird, dient auch als Verteiler. Von ihm aus kann über Durchgänge die gesamte Museumsinsel erschlossen werden, dies auch außerhalb der Öffnungszeiten der Museen.
Auch die Archäologische Promenade wird die Häuser der Insel miteinander verbinden. Allerdings verläuft sie unterirdisch, und zwar vom Bode-Museum bis zum Neuen Museum. Um nicht zu einer Art von Gruft zu werden, bietet sie an bestimmten Stellen den Blick nach oben ins Tageslicht und eine Erweiterung unten. Das soll den Besuchern Lust auf die Sammlungen obendrüber machen.
Schließlich lädt die Promenade zum spontanen Wechsel zwischen den Häusern ein. Bisher musste man dafür immer wieder auf die Straße, wo das Berliner Wetter im Winter den Gästen zusetzte und im Sommer sie weg von der Kunst in die Biergärten zog.
Der 1. Bauabschnitt war vor allem der Sanierung des Gebäudekomplexes im Untergrund gewidmet. Denn Berlin liegt in einem Urstromtal – das heißt: zum Ende der Eiszeiten leiteten dort gewaltige Ströme das Schmelzwasser ab und ließen umgekehrt dicke Sandschichten liegen, gespickt mit Findlingen.
Ausgerechnet unter der Museumsinsel – die zwischen einem natürlichen und einem künstlichen Arm (Kupfergraben) der Spree liegt – gibt es im Untergrund eine Problemstelle, von der man schon beim Bau wusste und die man damals mit einer Betonbrücke überdeckte. Einen natürlichen Fels für die Fundamente würde man erst mehr als 20 m Tiefe (sechs Gebäudestockwerke) finden.
Bei der aktuellen Sanierung, die seit 2007 in Gang ist, gibt es deshalb vor allem bei den eingemauerten Kulturschätzen wie dem Markttor von Milet, dem Pergamonalter oder der Prozessionsstraße von Babylon überall Sensoren, die bei kleinsten Setzungen im Mauerwerk Alarm schlagen würden.
Eine besondere Herausforderung auf der Baustelle stellt auch die Logistik dar. Also darf alles Material nur nach einem festen Plan angeliefert werden und muss bis zu einem bestimmten Termin verbaut sein. Mit einem ähnlichen Verfahren war von 1990 bis 2007 das neue Stadtviertel am Potsdamer Platz errichtet worden. Als Lagerplatz diente dort ein altes Bahngelände, das inzwischen zu einem Park mit Bebauung geworden ist.
Beinahe 100.000 Objekte aus den Sammlungen wurden in den letzten 1,5 Jahren allein aus dem Südflügel des Pergamonmuseums umgeräumt.
Als Gesamtkosten für den Bauabschnitt B ist eine Summe von rund einer Milliarde € veranschlagt. Sie teilt sich auf in 722,4 Millionen € für Baumaßnahmen und 295,6 Millionen € für Risiken und Baupreissteigerung. Das Projekt wird komplett aus Bundesmitteln finanziert.
Und noch ein weiteres Highlight wird die Museumsinsel haben, schon ab 2027: Auf der Spreeseite neben der Alten Nationalgalerie wurden die Kolonnaden erneuert. Der Kolonnadenhof wird zum Verweilen einladen, und schon jetzt hat er ein zusätzliches, ganz anders gestaltetes Pendant auf der anderen Seite der Nationalgalerie. Es entstand im Zuge der Planungen von David Chipperfield für die James-Simon-Galerie, auch ein Highlight.
Fotos: BBR / Peter Thieme



