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Architektur: Ventilation mit Hilfe von Stein

(April 2011) Ventilation, also einen angenehmen Luftzug, macht man mit Ventilatoren. Die Natur hat einen anderen Weg gefunden, nämlich über einen Temperatur- beziehungsweise Luftdruckunterschied zwischen zwei Orten, worauf als Ausgleich sind ein Wind erhebt. Dieses Konzept hat der indische Architekt Neelesh Chopda bei einem Wohnhaus im Bundesstaat Rajasthan nachgestellt. Seine innovative Idee wurde mit einem der diesjährigen All India Stone Architectural Awards ausgezeichnet.

Beim Maheshwari House in der Stadt Jodhpur gestaltete Chopta die Unterseite des Daches in Form von eienm runden Gewölbe. Darüber liegen leere Kammern und darüber folgt das eigentliche Dach, ebenfalls als Rundbogen. Es besteht aus Streifen von Sandstein, die nur locker miteinander verzahnt sind. Der Sandstein wird in der Sonne warm, was zu einem Temperaturgefälle zwischen oben und unten in der Kammer führt. Dadurch wiederum entsteht eine Ventilation, die zwischen den Sandsteinstreifen entweichen kann. Das kühlt den darunter liegenden Raum. Dass Naturstein verwendet wurde, verstärkt das Temperaturgefälle.

Einiges an Gewicht kommt in dem Dach zusammen: Die Steinstreifen sind 3,60 m lang, 30 cm breit und 7,5 cm dick. Getragen werden sie von Stahlbetonrippen, die über das Gewölbe verlaufen und gleichzeitig dort die Kammern bilden.

Zahlreiche Details waren bei der Konstruktion zu beachten. Damit Luft auch in die Kammern nachströmen kann, gibt es Öffnungen an den Seiten. Die wiederum sind mit Netzen verschlossen, dass nicht Insekten sich in den Kammern einnisten. Der Stein hat eine besondere Imprägnierung gegen Pilze, der ihn dennoch trotzdem atmen lässt. Eindringendes Wasser kann durch die Öffnungen an den Seiten abfließen. Das Backstein-Gewölbe ist so behandelt, dass es kein Wasser aufnimmt.

Auch für die Mauern kam der lokale Jodhpur-Sandstein zum Einsatz. Er wird in Indien traditionell benutzt, um in den Wohnungen die Temperaturen erträglich zu machen. Für die Böden verwendete der Architekt einen weißen Marmor und den Kalkstein Kotahstone.

Neelesh Chopda (Mail)

Mit Kotahstone gestalteten die Architekten Vijay Arya und Meghal Arya den so genannten Mewar complex. Dabei handelt es sich um ein Schlachtenmemorial in Rajsamand, ebenfalls in der Provinz Rajasthan. Dort wird an den Hindufürsten Maharana Pratap (1540-1597) erinnert, der gegen die Mughal kämpfte, eine Herrscherdynastie mit mongolischer Abstammung.

Die runden Außenmauern und die Säulen sind massiv als traditionelles Schichtenmauerwerk erstellt. Der Turm ist mit Platten aus demselben Material verkleidet. Kiesel sind im Inneren der Anlage auf dem Boden verteilt, so als wollten sie das karge Gesicht der Landschaft in die Gedenkstätte holen.

Vijay Arya and Meghal Arya (Mail)

Mewar complex

Ein Gästehaus im Dschungel im Bundesstaat Madhya Pradesh gestaltete der Architekt Deepak Srivastava mit lokalem Granit. Dabei orientierte er sich an der alten Art, Mauern hochzuziehen oder Fußböden zu belegen. Das Gebäude mit dem Namen Kanha Earth Lodge befindet sich in der Ortschaft Balaghat am Rande des berühmten Tigerreservats Kanha.

Deepak Srivastava (Mail)

Die All India Stone Architectural Awards (AISAA) werden jährlich vom Centre for Development of Stones (CDOS) für „Kreativität und herausragende Leistungen“  im Bauen mit Stein vergeben, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Unterstützt werden die Preise vom indischen Council of Architecture. Jeder der Preisträger bekommt 100.000 Rupien (~ 2180 US-$, ~ 1550 €).

Die Ausschreibung fand zum 2. Mal statt. 58 Einreichungen gab es diesmal. Die oben genannten Gewinner wurden in den Kategorien Gebäude außen [exterior facings], Gebäude innen und Landschaftsarchitektur gekürt. In der Kategorie Grüne Architektur gab es keinen Preisträger.

Centre for Development of Stones (CDOS)

Fotos: CDOS