Die Steinmetzfirma Davies Stone Creations wurde für ihr „Long Barrow“ in Perthshire mit dem Architekturpreis des schottischen Dundee Institute of Architects 2024 ausgezeichnet. Foto: Davies Stone Creations

„Long Barrow“ ist der Fachbegriff für eine außergewöhnliche Steinkonstruktion, die 2024 mit dem Preis für „Best Use of Stone“ des schottischen Dundee Institute of Architects (DIA) ausgezeichnet wurde. Modern ausgedrückt, handelt es sich um ein Kraggewölbe; anschaulicher ist die Beschreibung, dass hier nach Art der alten Hünengräber Steinplatten ohne Mörtel (und ohne Baugerüst) so übereinandergelegt wurden, dass unter ihnen ein offener Raum entsteht.

Ausgezeichnet wurde die Steinmetzfirma Davies Stone Creations mit Sitz im englischen Bedfordshire. Das Unternehmen selbst hat einige Besonderheiten: Es besteht in der 7. Generation, muss also schon vor der Französischen Revolution gegründet worden sein, und gibt auch das alte Wissen der Bauleute weiter.

Die meisten Long Barrows, die man heute im Vereinigten Königreich und auf dem Kontinent findet, wurden in der Steinzeit vor schätzungsweise 4000 Jahren errichtet. Inzwischen aber gibt es wieder Interesse auf Kundenseite: Das erste solche Bauwerk neueren Datums wurde 2014 von Davies Stone Creations in All Canings in Wiltshire, England als Begräbnisort für Urnen gebaut. Besonderheit jener Anlage war, dass sie auf die Sonnenwenden ausgerichtet ist; sie dient als Treffpunkt der Anhänger alter Glaubensrichtungen.

Auch das Long Barrow auf dem Gelände des Fingask Castle im schottischen Perthshire, das mit dem Preis ausgezeichnet wurde, dient als Columbarium.

Es besteht aus einer zentralen Kammer mit den Maßen 11 m Länge und 6,5 m Breite. Um sie herum sind vier kleinere Rundkammern mit Durchmessern von 2,5 m gruppiert. Dort gibt es Nischen für Urnen nach individuellen Wünschen der Angehörigen.

Das Long Barrow in All Canings in Wiltshire wurde ebenfalls von Davies Stone Creations erreichtet. Foto: Michael Dibb / Wikimedia Commons

Ungewöhnlich für ein Long Barrow ist, dass es oben Rundfenster hat, die den Blick auf den Himmel erlauben. „Wahrscheinlich handelt es sich um das einzige derartige Kraggewölbe, das mit Oculi versehen ist“, sagt James Davis, Chef der Steinmetzfirma.

Zwölf Monate war neben ihm ein Team von vier Spezialisten mit dem Bau beschäftigt. Eigentlich werden dabei nur Steinplatten übereinandergestapelt, von denen jede Lage weiter nach innen vorspringt. Normalerweise dient Erde außen als Widerlager; Davies hat aber auch schon Long Barrows ohne Widerlager gebaut.

Die Arbeit kommt ohne Gerüst aus. Nur dt: Wie das geschieht, beschreiben wir in der englischen Ausgabe.

Auch für andere Bauten hat Davies das alte Konstruktionsprinzip angewandt, etwa für Räume für Meditation, Musik oder für Weinkeller. Auch aus dem Bereich von Naturschutzorganisationen kommt Interesse: „Eines unserer neuesten Projekte besteht darin, solche Strukturen in Naturschutzgebieten neben großen Infrastrukturprojekten zu platzieren, um Auswirkungen auf die Umwelt zu mildern.“

James Davis umreißt das Konzept der Firma: „Wir fördern traditionelles Mauerwerk neben zeitgenössischer Architektur, verfügen über ein eigenes Planungsteam, das mit Bauingenieuren zusammenarbeitet, und sind stets offen für Innovationen, wobei wir das an uns weitergegebene Wissen nutzen.“

Und er ergänzt: „Unser Erbe reicht nicht ganz bis in die Zeit der ursprünglichen Grabhügel zurück, aber was über die Generationen hinweg weitergegeben wurde, ist ein Verständnis für Struktur durch Form unter Verwendung der einfachsten Elemente (unbearbeiteter Stein).“

Davies Stone Creations

Long Barrow at All Canings

Das Soulton Long Barrow, Shrewsbury, kurz nach Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende. Foto: TJatHAURC / Wikimedia Commons