Zur Erinnerung an das Ende des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren und an Bürgerengagement in Schweden gegen die Ideen der Nationalsozialisten wird am 08. Mai 2025 in der Stadt Norrköping ein markantes Denkmal aus leuchtend rotem Stein der Öffentlichkeit übergeben. Es wurde von der Künstlerin Maria Miesenberger, ihr Vater stammt aus Österreich, geschaffen und seine Form symbolisiert Bewegung und Widerstand, die letztlich zum Schutz aller führen.
Im Kern des Gedenkens stehen drei wenig bekannte Bürger aus der Stadt, die sich während des 2. Weltkriegs gegen Totalitarismus und für demokratische Werte einsetzten. Schweden war damals neutral und stand unter großem Druck der übermächtigen Deutschen. Der Historiker Johan Perwe hatte das Wirken dieser Wenig-Bekannten in einem Buch festgehalten, davon erfuhr der Sponsor des Kunstwerks, und so fand seine Spende an die Gemeinde ihre Umsetzung in dem Denkmal mit dem Titel „Erinnerung lebendig gehalten – Wendepunkt für Toleranz“ (Från glömska till minne – vändpunkt för tolerans).
Die drei Personen sind: die Schriftstellerin und Politikerin Elsa Alkman, die Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin Betty Olsson und der Priester Sam Thysell. Sie lebten ungefähr von 1870 bis in die 1950er, waren aktiv in der Flüchtlingshilfe oder im Kampf für Frauenrechte, nahmen auch am Widerstand im Land teil und zeichneten sich durch großes soziales Engagement aus.
Das Kunstwerk besteht aus 13 Einzelteilen mit gleicher geometrischer Form: Sie beginnen als Schlangenlinie klein und in Bodennähe, wachsen heran und scheinen plötzlich alle ihre Kraft in eine Richtung zu wenden. Dabei werden sie höher und massiver, bis sie zuletzt einen Halbkreis bilden.
Damit legen sie sich schützend um 120 Leuchtpunkte auf dem Boden.
Bei dem Stein handelt es sich um Älvdal-Quarzit aus Schweden mit prägnanter roter Farbe. Die Oberflächen der Steine sind unterschiedlich bearbeitet, sodass sie sich jeweils anders anfühlen oder zum Beispiel auch die Lichtpunkte vom Gelände drumherum anders spiegeln. Auch durch die markanten Adern im Material setzen sich die Einzelstücke deutlich voneinander ab.
Die Künstlerin merkt dazu an: „Ich denke, wir sind alle gleich, auch wenn wir sozusagen an der Oberfläche unterschiedlich sein mögen.“ Sie hofft, dass die schiere Masse der Steinblöcke sich als Kraft auf die Betrachter überträgt: „Das Denkmal soll ein Ort der Begegnung sein, der Kontemplation, der Inspiration, des Spiels und der Reflexion.“
Durch das umgebende Pflaster mit grünem Salvan-Gneis aus der Schweiz hat der Gedenkort eine deutliche Distanz zu der Umgebung im Volkspark (Folkparken) neben der St. Matthäus-Kirche.
Ganz in der Nähe wuchs übrigens Sponsor Michael Cocozza auf, dessen Eltern in den späten 1940ern aus Italien nach Norrköping kamen. Der inzwischen 64-Jährige ist Bauunternehmer, betätigt sich auch als Stadtpolitiker und Philanthrop etwa mit einer der höchsten Spenden, die eine schwedische Universität je bekam.
In einem Bericht der Tageszeitung der „Norrköpings Tidningar“ (Norrköping Times) wird berichtet, dass man auch in Schweden die Kosten durchrechnen muss, bevor der Stadtrat eine solche Spende annimmt: „Die Skulptur verursacht der Gemeinde jährliche Betriebskosten in Höhe von 5 000 bis 10 000 schwedische Kronen (knapp 500 bis 1000 €), die auch die Entfernung von Graffiti und andere Wartungsarbeiten umfassen.“
Die Vorsitzende des Stadtrats, Anna Sotkasiira Wik, wird in einer Pressemitteilung zitiert: „Demokratische Werte sollten eine Selbstverständlichkeit sein, doch weltweit sehen wir einen Trend in die entgegengesetzte Richtung. Diese Skulptur erinnert uns daran, nichts für selbstverständlich zu halten, und niemals aufzugeben.“
Norrköping (schwedisch)
Älvdal-Quarzit, Wasasten
Salvan-Gneis, Capinat SA
Fotos: Anders Ristenstrand

