Eine Bestandsaufnahme der Bildhauerei auf der Arabischen Halbinsel über die Jahrtausende hat Dr. Manal Murshid Al-Harbi mit ihrem Buch „Sculpture in the Kingdom of Saudi Arabia“ (Skulpturen im Königreich Saudi-Arabien) vorgelegt. Es ist das erste seiner Art im Königreich, das Informationen über die wichtigsten saudischen Bildhauer auf wissenschaftliche Weise dokumentiert. Die Autorin gewann ihre Informationen durch Interviews und direkte Gespräche mit den Künstlern.
Manal Murshid Al-Harbi hat bei ihrem Werdegang mit großem Erfolg sowohl eine künstlerische als auch eine akademische Laufbahn beschritten. Derzeit lehrt sie an der Prinzess Nourah University in der saudischen Hauptstadt Riad, zuletzt war sie beim Tuwaiq Sculpture Symposium 2025 als Kuratorin tätig.
In ihrem Buch arbeitet sie chronologisch die Epochen auf der Arabischen Halbinsel durch, beginnt mit den Zeugnissen aus der Steinzeit, fährt fort mit dem Auftreten des Islam, betrachtet die Kulturpolitik des 1932 von der Familie ibn Saud gegründeten Königreichs und gibt schließlich einen Überblick über aktuelle Trends.
Im Westen ist davon meist wenig bekannt. Zum Beispiel gibt es in dem riesigen Wüstengebiet mit dem Roten Meer im Westen und dem Persischen Golf mitsamt der vielen kleinen Emirate im Osten rund 10.000 archäologische Stätten. In den letzten Jahren haben die Archäologen in der Wüste rund 1500 Petroglyphen entdeckt, also mit Stein ausgelegte Strukturen auf dem Boden.
Die Unkenntnis im Westen hängt auch damit zusammen, dass vor der „Vision 2030“ des Kronprinzen Mohammed bin Salman im Land selbst die Geschichte vor dem Auftreten des Islam nur wenig Interesse fand.
Sehr lang ist also der Zeitraum, den Manal Al-Harbi bearbeitet, und entsprechend knapp gehalten sind die Betrachtungen zu den einzelnen Epochen. Deshalb kann das Buch mit seinen vielen Bildern und den präzisen Angaben für Anfänger ein idealer Einstieg in die Kunst mit Stein auf der Arabischen Halbinsel sein.
Die Autorin gibt eine Übersicht, anhand derer man die archäologischen Stätten sowie die Sammlungen und Museen im Land erkunden kann.
Dabei versteht sie den Begriff der Bildhauerei sehr weit. Er reicht bei ihr von Gravuren im Fels über Reliefarbeiten bis hin zum Herauslösen einer dreidimensionalen Form aus einem Steinblock.
Als Grund für diese Betrachtungsweise verweist sie auf die zentrale Schrift des Islam. In der Einleitung schreibt sie: „Im Heiligen Koran sagt Gott der Allmächtige: Ihr haut mit großem Stolz Häuser aus den Bergen heraus“ (26:149).
Besondere Rollen spielen in ihrem Buch die Anlagen von Al-Ula mit den Löwengräbern, die in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen sind, die Hafenstadt Dschidda als Open-Air Museum oder das Western Gate in der Hauptstadt Riad. Im Rahmen der aktuellen Initiativen Riyadh Art, Noor Riyadh oder Diriyah Biennale sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Kunstwerke aus verschiedenen Materialien dazugekommen. Das Noord Riyadh Festival zählt zu den größten Veranstaltungen mit Lichtkunst weltweit.
Großen Raum widmet sie der Präsentation der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart. Darunter findet man auch Werke mit Personen-Darstellungen. Auch widmet sie sich kulturellen Großveranstaltungen im Land in den letzten Jahren.
Manal Murshid Al-Harbi ist die erste saudische Frau, die sowohl einen Master-Abschluss als auch den Doktortitel in Fachgebiet Bildhauerei erlangt hat. Bei einem Studium in Genf in der Schweiz legte sie noch ein Diplom in Kunst und Design mit Keramik/Polymer drauf. Mit ihren eigenen künstlerischen Arbeiten war sie bei mehr als 40 Ausstellungen im In- und Ausland dabei und errang zahlreiche Preise.
Als besondere Ehre bezeichnet sie es, dass sie die Preisfigur für den Princess Nourah bint Adbulrahman Award kreieren durfte. Das ist die höchste Auszeichnung des Landes für Frauen.
Alharbi, Manal Murshed, „The Art of Sculpture in Saudi Arabia“, Nasher Pub. & Dist. Company, 2024, ISBN 978-603-92118-3-9
Fotos aus dem Buch.








