MVRDV: „Valley“.

In den Niederlanden ist die Landschaft flach, das ist bekannt. In den vergangenen Jahrzehnten aber sind ein paar spektakuläre Hochhäuser dazugekommen, etwa „The Rock“ von Erick van Egeraat. Nun hat der Küstenstaat sogar ein Gebirge: Der Name ist „Valley“ (Tal), es liegt im Amsterdamer Viertel für Banken und Finanzdienstleistungen, Zuidas, bedeckt einen ganzen Straßenblock und beherbergt drei Wohntürme von 67 m, 81 m und 100 m Höhe.

Die Architekten kamen von dem Büro MVRDV, das schon vielerorts mit spektakulären Entwürfen auf sich aufmerksam gemacht hat. Mit diesem Projekt haben sie die Anklänge an eine Bergwelt geschaffen: „Alle sichtbaren Teile der Gesamtanlage scheinen zu einer geologischen Formation zu gehören“, beschreiben sie ihre Architektur. Bauherr war die Firma Edge Technologies.

Das Ziel war, ein lebendiges Stadtviertel zu schaffen, wo die Menschen gerne leben und arbeiten. Dazu gibt es auf den Fläche von 75.000 m² nicht nur Raum für 200 Wohnungen, Restaurants und kulturelle Einrichtungen, sondern auch sieben Büroetagen, eine dreistöckige Tiefgarage sowie zahlreiche Geschäfte.

MVRDV: „Valley“.

Auch Touristen sollen „Valley“ als attraktives Ziel finden. So gibt es im 26. und 27. Obergeschoss des höchsten Turmes eine Aussichtsplattform mit Panoramabar, von wo aus man eine fantastische Übersicht über Amsterdam hat.

Eine andere Attraktion für sie ist die Verbindung zwischen den drei Türmen, die wie ein Canyon gestaltet ist. Über Treppen erreicht man verschiedene Wasserbassins, durch die man wiederum in die darunterliegende Etage hinabschauen kann.

Der spanische Kalkstein als Verkleidung der Fassaden und Wände erweckt tatsächlich ein wenig wirklich den Eindruck, als hatte es mit einer Bergwelt zu tun. Der Stein ist Abfall aus dem Steinbruch; wir beschreiben das in einem separaten Text.

Für die Ausgestaltung mit Grün hat der Landschaftsarchitekt Piet Oudolf gesorgt. Nur ein paar Zahlen zu der vertikalen Gartenlandschaft: Rund 220 Pflanzenspezies wurden passend zu den Verhältnissen am jeweiligen Pflanzort ausgewählt, dazu kommt das Bemühen um eine Diversität des Grüns, denn auch Insekten, Fledermäuse und Vögel sollen sich ansiedeln. Gärtner sorgen sich um die Pflege des Grüns, daneben gibt es eine automatische Bewässerung.

MVRDV: „Valley“.

Kennzeichen der Anlage ist eine gestalterische Vielfalt, wie man sie auch in der Natur findet. So variieren die Wohnungen in Größe und Zuschnitt und sind die Fassaden geprägt von Vor- und Rücksprüngen, Balkonen, Erkern und Loggien. MVRDV hat eine Softwareabteilung, die spezielle Programme für solche Herausforderungen entwickelt.

Auf der einen Seite der Anlage verläuft die Autobahn. Dort sind die Fassaden mit Glas verspiegelt. Das dient als Lärm- und als Windschutz.

„Die Energiebilanz des Gebäudes ist um 30 % besser, als es die örtlichen Vorschriften vorschreiben, und es hat die BREEAM-NL-Zertifizierung Excellent für die Gewerbeflächen erhalten“, schreiben die Architekten auf ihrer Webpage.

MVRDV

Fotos: Ossip van Duivenbode

MVRDV: „Valley“.

MVRDV: „Valley“.