Kerdroya Steinlabyrinth.

Cornwall, der westliche Zipfel im Süden Englands, zwischen Atlantik und Ärmelkanal, hat seit März 2025 eine neue Touristenattraktion: Kerdroya ist ein Steinlabyrinth im Bodmin Moor, durch das man hindurchspazieren und von dem aus man die großartige Weitsicht auf den nahen Colliford Lake oder die weite Landschaft genießen kann. Seine Form ist von 4000 Jahre alten heidnischen Mustern inspiriert, und so wird mancher Besucher auch die Gelegenheit nutzen, um „innezuhalten, nachzudenken und die Landschaft und den Geist von Cornwall wiederzufinden“, wie es der Filmemacher, Autor und Musiker Will Coleman formuliert. Von ihm stammt der Entwurf für die Anlage. Aufsehen erregte er 2016 mit seiner elf m hohen beweglichen Eisenfigur „The Man Engine“, die einen Bergmann aus der Grafschaft darstellte.

56 m beträgt der Durchmesser des Labyrinths, rund 750 m ist der Weg vom Eingang zum Mittelpunkt. Ein Labyrinth ist nicht mit einem Irrgarten zu verwechseln, wo man den Weg nur mit Schwierigkeiten finden soll.

Rund 140.000 Granitsteine aus der Gegend wurden bislang verbaut, um die Wände des Labyrinths zu errichten. Auf rund 335 m Wegstrecke gibt es bislang nur die Fundamente, auf denen noch Mauern in die Höhe wachsen sollen.

Kerdroya Steinlabyrinth.

Spätestens an dieser Stelle müssen wir uns korrigieren, denn eigentlich ist der Begriff von „Mauern“ in diesem Zusammenhang so falsch ist, wie es nur geht. Die Anlage besteht nämlich aus „Cornish Hedges“ (Kornische Hecken) und die sind ein Mittelding zwischen Trockenmauern und Erdwällen: als Fundament sind große Steinbrocken in die Erde eingegraben, auf ihnen ist die Hedge aus zwei Reihen kleinerer, regelmäßig behauener Steine errichtet.

Zwischen den beiden Reihen ist Erde eingefügt; obendrauf liegt im Regelfall ein Grasboden, mitunter sind auch die Seiten mit Gras überwachsen.

Bei alten Anlagen hat man es gewissermaßen mit Wiesenwellen zu tun, die sich aus der flachen Landschaft herausheben. In Cornwall gibt es rund 48.000 km dieser endlosen grünen Linien. Im feuchten Klima des Königreichs sind sie praktisch unbegrenzt haltbar und stellen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen dar.

Im Mai 2023 begannen die Bauarbeiten für Kerdroya im Auftrag der staatlichen Schutz-Organisation Cornwall National Landscape (damals noch Cornwall Area of Outstanding Natural Beauty, die zu diesem Zeitpunkt ihr 60. Jubiläum feierte). Initiator und Organisator war Golden Tree Productions, das die Kultur Cornwalls publik machen will.

Die Finanzierung kam durch Geldmittel des National Lottery Heritage Fund, des Cornwall Council und des Arts Council England zustande. Die Namen der Sponsoren und Sinnsprüche von ihnen findet man auf Plaketten an den Mauern.

Kerdroya Steinlabyrinth.Im Mittelpunkt der Anlage gibt es auf einer waagerechten Granitfläche einen Plan des Labyrinths. Mancher findet hier seinen kontemplativen Ort. Gestaltet wurde der Mittelpunkt mit 10 m Durchmesser von den Metallkünstlern Thomas und Gary Thrussell.

Auch weiterhin sind Sponsoren willkommen. Eine Einnahmequelle stellen die Gebühren aus dem Parkplatz dar. Der Eintritt ist frei und ganzjährig möglich.

Die Anlage hat auch das Ziel, das Know-how der Cornish Hedges am Leben zu halten. Dafür haben die Organisatoren mit der Guild of Cornish Hedgers und dem Cornwall Rural Education and Skills Trust (CREST) zusammengearbeitet. Ein Markstein war die Gründung der „Outdoor University of Cornish Hedging“.

Kerdroya: Golden Tree Productions

Cornwall National Landscape

Fotos: Golden Tree Productions

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