Die europäischen Kulturhauptstädte des Jahres 2025 sind Chemnitz und Nova Gorica in Slowenien. Wie üblich hat die Redaktion von Stone-Ideas.com im Internet nach Naturstein dort gesucht.
Nova Gorica liegt am westlichsten Ende von Slowenien, unmittelbar an der Grenze zu Italien. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um eine Neugründung, nämlich jenes Städtchen namens Gorizia auf der italienischen Seite. Zur Neugründung kam es vor rund 80 Jahren im Kalten Krieg, der auch in Chemnitz Spuren hinterlassen hat.
Das alte Gorizia seinerseits war beispielhaft für eine der damaligen Regionen in Europa mit einer Mischung vieler Völker. Die Stadt hatte lange zum österreichischen Kaiserreich gehört, und als Sprachen zählten Italienisch, Deutsch und Slowenisch zum Alltag. Da inzwischen Italien und Slowenien Mitglieder der EU sind, findet man die ehemalige Grenze nur noch in Form einer Bodenplatte vor dem Bahnhof in Nova Gorica, wo man mit einem Fuß in Italien und mit dem anderen in Slowenien stehen kann.
„Go! Boderless“ (Go! Ohne Grenzen) ist deshalb das Motto der Kulturhauptstadt dort. Es geht einher mit dem Thema „Frieden“.
Anmerkung: Im Vorfeld des Kulturhauptstadt-Jahres hatte in der italienischen Stadt Udine unweit der Grenze zu Slowenien die XII Biennale of the Art of Peace stattgefunden. Dazu fand in der Abteikirche von Rosazzo die Soloausstellung „Messages of Peace“ des uruguayischen Bildhauers Pablo Atchugarry statt. Wir zeigen das Ausstellungsplakat mit der Friedenstaube in Marmor Statuario aus dem Jahr 2023.
Zurück zu den beiden Kuturhauptstädten. Eine der bekanntesten Verwendungen von Naturstein in der Gemeinde Nova Gorica ist die Solcanobrücke mit dem längsten Steinbogen für eine Eisenbahnbrücke. Das 1905 fertiggestellte Bauwerk stellt nicht nur eine bemerkenswerte ingenieurstechnische Leistung dar, sondern dient auch als Symbol für Verbundenheit und Widerstandsfähigkeit.
Das Rathaus von Nova Gorica besticht durch eine markante Steinkolonnade und ein Portal aus grob behauenen Steinsäulen. Diese architektonischen Elemente spiegeln zusammen mit monumentalen Steinskulpturen sowohl die traditionelle Pracht der Stadtpaläste als auch die modernistische, sozialistische Vision wider, die die Entwicklung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg prägte. Die Verwendung von Stein ist hier ein bewusstes Zeichen für Ausdauer, Stärke und die historische Kontinuität der Region.
Der jüdische Friedhof, der von der Gemeinde Nova Gorica verwaltet wird, enthält jahrhundertealte Grabsteine. Die Erhaltung und Restaurierung dieser Steindenkmäler betonten den Respekt der Stadt für ihre multikulturelle Vergangenheit und das bleibende Erbe ihrer Gemeinden.
Stein findet sich auch in Mosaiken und Denkmälern in der ganzen Stadt wieder, oft zum Gedenken an bedeutende historische Ereignisse, wie den nationalen Befreiungskampf und die turbulente Geschichte der Region im 20. Jahrhundert.
Industriestadt Chemnitz in Sachsen
Das Auffälligste, was die alte sächsische Industriestadt Chemnitz in Sachen Naturstein zu bieten hat, hat auch mit der Ost-West-Auseinandersetzung zu tun. Es ist der 4,5 m hohe Sockel aus ukrainischem Granit für das Denkmal für Karl Marx, ein 7,1 m hohes, 40 t schweres und aus 95 Einzelteilen bestehendes künstlerisches Bronzeabbild des Philosophen.
1953 hatte die Regierung im damaligen Ost-Berlin die Stadt Chemnitz in Karl-Marx-Stadt umbenannt, und 1971 war das monströse Denkmal eingeweiht worden.
Nach dem Fall der Mauer war es mit dem Sozialismus in Ostdeutschland vorbei, und die Bürger entschieden, Karl-Marx-Stadt den alten Namen wiederzugeben.
Für den Abriss des Denkmals, geschaffen von dem russischen Künstler Lew Kerbel, gab es jedoch keine Mehrheit, und so steht es „Der Nischel“ noch heute an zentraler Stelle in der Stadt. Hinter ihm an der Fassade findet man den Satz „Proletarier aller Länder vereinigt Euch“ aus dem Kommunistischen Manifest (Karl Marx und Friedrich Engels, 1848) auf Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch.
„Nischel“ klingt despektierlich, ist aber gar nicht so gemeint: Im sächsischen Dialekt steht es einfach für „Kopf“. Heute wirbt das Tourismusamt der Stadt sogar ironisch mit dem Slogan „Stadt mit Köpfchen“.
Naturstein in feinerem Ambiente findet man am Theaterplatz. Im Opernhaus sind seit der Rekonstruktion 1992 die Böden mit weiß-grauem Carrara-Marmor aus Italien belegt. Das Gebäude mit einer stolzen Sandsteinfassade wurde 1909 von Richard Möbius erbaut.
Nebenan findet man wieder eine Fassade mit Sandstein, nämlich an der St.-Petri-Kirche. Es handelt sich um Elbsandstein, der vielfach in der Stadt verbaut wurde.
Die Gegend ist bergig, und rund um Chemnitz florierte über Jahrhunderte die Natursteinwirtschaft. Heutzutage wird in unmittelbarer Nähe noch der Porphyrtuff (zum Beispiel aus Rochlitz) und der Mittweidaer Granit abgebaut.
Auch im Stadtgebiet von Chemnitz gab es einst Steinbrüche, und deren Geschichte beginnt etwa 290 Millionen Jahre zurück im Perm und spielte sich im heutigen Zeisigwald ab: Damals muss dort irgendwann ein Inferno losgebrochen sein, als es einen extrem explosiven Ausbruch des Vulkans gab, der die Wälder in der Umgebung in Brand setzte. Es folgte ein Auswurf von ungeheuren Massen an Asche, der sich heute in einer Steinschicht mit 90 m Dicke zeigt.
Diese deckte alles zu, sodass die Reste der Bäume verkieselten. Das führte einerseits zu dem berühmten Versteinerten Wald, von dem Teile im Naturkundemuseum in Chemnitz zu sehen sind. Andererseits blieb von dem Vulkan eine Caldera übrig, und aus der versorgten sich die Menschen mit Baumaterial.
Ein unterhaltsamer Ort heute sind die Teufelsbrücken im Zeisigwald: Der Name klingt gruselig, aber in Wirklichkeit sind die Brücken nur Abstützungen für die steilen Wände, zwischen denen ehemals der Transportweg aus dem Steinbruch verlief.
Ein Vulkanwanderweg (mit Vulkanspielplatz für die Kinder) führt zu sehenswerten Orten.
Hilbersdorf ist ein Ortsteil von Chemnitz, wo Porphyrtuff gewonnen wurde. Das spektakulärste Beispiel für seine Verwendung ist die Tulpenkanzel im Freiberger Dom – aber, Entschuldigung, damit sind wir schon 40 km weiter südlich ins Erzgebirge geraten, wo ehemals Silber gewonnen wurde.
Chemnitz liegt übrigens rund 80 km westlich von Dresden.
European Capital of Culture 2025
Nova Gorica (slowenisch)




