Der Sarkophag Ottos des Großen ohne Marmorplatte. Der Holzsarg ist noch geschlossen.

Das Grabmal Ottos des Großen im Dom zu Magdeburg wird derzeit intensiv untersucht, um Schäden zu reparieren und es für die Zukunft zu sichern. Der Kaiser, der von 912 n. Chr. bis 973 lebte, gilt als eine der zentralen Figuren der europäischen Geschichte, da er mit der Wiederbelebung des römischen Kaisertums den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich legte. Er war im Jahr 973 in einer Kirche am Ort des heutigen Doms an der Seite seiner gut 25 Jahre zuvor verstorbenen Ehefrau Editha beigesetzt worden.

Verschiedene Schäden am Sarkophag waren bereits bekannt: Zusammen mit dem Eindringen von Feuchtigkeit gab es eine Salzbelastung des Steins, und eiserne Klammern und Keile, die in späteren Jahrhunderten eingesetzt wurden, haben zu rosten begonnen.

Wie für damalige Zeiten üblich, besteht das Grabmal aus zwei Teilen: Ganz außen gibt es den Sarkophag, einen an allen vier Seiten kassettierten, monolithischen Block aus Kalkstein, der oben von einer Marmorplatte verschlossen war.

Für diese Abdeckung war eine antike Steinplatte wiederverwendet worden.

Die rund 300 kg schwere Platte war Anfang März 2025 abgenommen worden – „unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen“, wie es in einer Beschreibung der beteiligten Wissenschaftler heißt. Gemeint ist damit unter anderem, dass zum Schutz vor Kontaminationen das Betreten der Einhausung rund um das Grabmal „nur für eine sehr kleine Personenzahl in Vollschutz“ erlaubt ist.

Blick in das Innere des Holzsargs. Erkennbar sind die Überreste hochwertiger Textilien. Quelle: Andrea Hörentrup. Copyright: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

In Inneren des Sarkophags stieß man auf den „schlichten Holzsarg“ mit Abstützungen an zwei Seiten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde er nach dem Dombrand von 1207 und dem anschließenden Neubau der Kirche angefertigt. Vermutlich damals verlegte man das Grabmal des Kaisers an die heutige zentrale Stelle im Dom.

„Hebelspuren an Deckel und Sarkophagwand zeugen von Öffnungen des Holzsargs“, schreiben die Wissenschaftler weiter. „Während sich die oberen Partien gut erhalten haben und sich Schäden nur an jenen Stellen zeigen, an denen durch den Steinsarkophag Luft in das Innere gelangte, sind die unteren Bereiche des Holzkastens bereits weitreichend zersetzt, da sie der Feuchtigkeit aus dem Untergrund ausgesetzt waren.“

Eine erste Augenscheinnahme erlaubte einige vorläufige Erkenntnisse: Im Inneren des Holzsargs liegen textile und pflanzliche Reste, Sedimente und Gebeine. Es handelt sich um „Überreste eines männlichen, älteren Individuums mit für das Mittelalter überdurchschnittlicher Körpergröße“. Mit bioarchäologischen und anthropologischen Expertisen zu Lebensweise, Krankheiten und äußerer Erscheinung wollten die Forscher nun Gewissheit erlangen, ob es sich tatsächlich um Leichenteile von Otto dem Großen handelt.

Und weiter: „Unter den Textilien stechen ein rot und ein blau gefärbtes Gewebe mit Rautenmuster hervor … Ferner enthält der Sarg Schalen von Eiern.“ Solche Schalen sind in christlichen Gräbern des Mittelalters nicht unüblich, denn das Ei galt als Symbol für die Auferstehung Christi.

Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Gebeine wieder beigesetzt werden, wofür ein neuer innenliegender Sarg angefertigt werden muss.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte

Fotos: Andrea Hörentrup / Copyright: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Der Magdeburger Dom, Wahrzeichen der Stadt. Foto: Peter Becker