Der Name „Offene Bergkapelle“ führt leicht in die Irre: Es handelt sich nicht um das Gebetshaus einer Religion, sondern um einen Ort der Begegnung Für Menschen, zur Begegnung mit sich selbst, mit der Natur und mit der Umgebung. Das Bauwerk ist offen gehalten, besteht aus 12 rechteckigen Pfeilern mit großen Zwischenräumen, durch die man hinausschauen oder durch die das Drumherum hereinkommen kann.
Nischen in den Pfeilern im Inneren bieten Sitzflächen aus Eichenholz, die man herunterklappen kann. Wie im ganzen Bauwerk, wird hier das Gefühl eines schützenden Ortes vermittelt
Das Bauwerk liegt auf einem Hügel über der Ortschaft Hillershausen im Sauerland. Besonders am Abend, wenn aus seinem Inneren Licht auf die wenigen Häuser im Tal herunterfällt, hat es eine magische Ausstrahlung.
Verschiedene Faktoren halten diesen Charakter auch lebendig:
* Architekt Christoph Hesse hat sich von den „Open Mind Places“ in der Umgebung inspirieren lassen, wo entlang eines Wanderwegs Orte zum Innehalten und Nachdenken liegen;
* von oben betrachtet, hat das Bauwerk die Form von zwei schützenden Händen;
* das Mauerwerk der Kapelle wurde von den Dorfbewohnern errichtet, natürlich unter Anleitung durch einige Handwerksprofis;
* für die Mauern wurde Sandstein verwendet, der einst das bestimmende Baumaterial in der Gegend war. Anmerkung: Die Brüche dort sind lange nicht mehr in Betrieb, so dass der nun verwendete Warthauer Sandstein aus einer Gemeinde im südlichen Polen kommt, jedoch dem Originalmaterial sehr ähnlich ist;
* das Dach ist begrünt und hat Durchlässe, durch die Pflanzen herabhängen.
Das Mauerwerk kommt ohne Mörtel aus. Die Steine werden nur durch Fliesenkleber und ihr Eigengewicht am Ort gehalten. Zwei Oberflächen gibt es, die mit ihrem Kontrast von geschliffen und rau den Pfeilern viel Leben einhauchen.
Als Fundament dient eine 20 cm dicke Betonplatte. Sie ist jetzt mit Hackschnitzeln belegt und stellt so eine weitere Verbindung zwischen drinnen und draußen her.
Über den Nischen in den Pfeilern liegen Treppenstufen aus dem Gartenbau wie Fensterstürze. Auf halber Höhe hat jeder Pfeiler eine stabilisierendes Betonlage; eine weitere Verstärkung liegt ganz oben und trägt das Dach.
Der Architekt schreibt: „Gemeinsam verkörpern die Elemente die Philosophie der Kapelle: die Verbindung mit sich selbst, mit anderen und mit der Natur zu feiern.“
Christoph Hesse Architects, Korbach/Berlin
Fotos: Laurian Ghinitoiu / Christoph Hesse






